Mase - «Welcome back»: Im Auftrag Gottes
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Mase - «Welcome back»Im Auftrag Gottes

Der rappende Pastor ist zurück: Nach fünf Jahren Auszeit meldet sich P.Diddy-Jünger Mase wieder zum Gottesdienst.

Gott lässt ihn zögern. Ganz langsam und leiernd gibt er seine Antworten. «Am 4. April 1999 wendete sich mein Leben für immer zum Besten. An diesem Tag kam ich zur Gewissheit, dass ich Jesus Christus als meinen Herrn und Beschützer an meinem Leben teilhaben lassen möchte», sagt Mase und fixiert den Fragensteller mit weit aufgerissenen Augen. An jenem Tag entschloss sich der damals 21-jährige Mason Durrell Betha seine erfolgreiche Rapkarriere von einem Tag auf den anderen für immer zu beenden.

Seit er Mitte der Neunzigerjahre von P.Diddy unter Vertrag genommen worden war, erlebte Betha durch die Hilfe des Vermarktungsprofis einen kometenhaften Aufstieg. Plötzlich war er in jedem Video an der Seite des Mentors zu sehen, etablierte seinen schläfrig stockenden und simplen, aber unverkennbaren Rapstil und schien sich prächtig in die Welt von Geld, Glamour, Groupies und verschwenderischem Lebensstil einzufügen. Sein 1997 erschienenes Debütalbum «Harlem World» verkaufte sich über vier Millionen Mal, und auch der Nachfolger «Double Up» hätte eingeschlagen, wenn Mase nicht vor dessen Veröffentlichung erleuchtet worden wäre. Statt weiterhin in Massanzügen durch Musikclips zu wirbeln, schwor Betha dem Stardasein ab, zog nach Atlanta und gründete seine eigene Kirche.

Fünf Jahre später meldet er sich nun mit dem Album «Welcome Back» zurück. Noch immer protzt Mase auf sauber produzierten Clubtracks mit R'n'B-Refrains in lässigem Stil mit seinen Besitztümern. Ein Pastor, der den materiellen Reichtum predigt und ihn stolz zur Schau trägt. «Schaut mich an, das könnt ihr alles erreichen, wenn ihr Gott zu eurem Partner macht!», heisst die Botschaft, «Living la vida without the loca» die neue Losung. «Ich bin kein Rapper, ich bin Christ. Für mich ist Rap einfach ein Hilfsmittel, um möglichst vielen Leuten das zu sagen, was mir wirklich wichtig ist», sagt Mase und rückt sich seine beiden Golduhren zurecht. Ob diese Botschaft ankommt? Wers glaubt, darf für einmal wirklich selig werden.

Adrian Schräder

Mase, «Welcome back» (BadBoy/Universal).

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