Wütende Irene: Im Auge des Monstersturms
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Wütende IreneIm Auge des Monstersturms

Hunderttausende haben keinen Strom, Zehntausende mussten flüchten, Tausende sitzen fest: Irene demonstriert seine Macht. Der Hurrikan hat bereits zehn Menschen getötet, nun bedroht er New York.

von
amc

Es ist ein gespenstisches Szenario: Der Times Square menschenleer, Manhattan autofrei und die U-Bahn geschlossen. Hurrikan Irene hat die Stadt, die niemals schläft, lahm gelegt. Erstmals in ihrer Geschichte wurde die U-Bahn mit ihren 468 Stationen komplett geschlossen. Und auch kein Bus rollt mehr auf einer der 324 Buslinien. New York wartet still auf den Monstersturm.

Der Hurrikan von der ungefähren Grösse Europas hat kurz nach sechs Uhr früh New Jersey erreicht und zieht mit einer Geschwindigkeit von rund 20 Stundenkilometer langsam nordwärts. Sein Auge wird gegen Mittag über der Millionenmetropole New York erwartet. Windböen mit 150 Stundenkilometern werden dann durch die Strassen fegen.

Im Laufe der Nacht schwächte sich der Sturm leicht ab, das Hurrikanzentrum in Miami stufte ihn von der Kategorie 2 auf die Kategorie 1 herunter. Entwarnung gab es aber nicht: Der Sturm bleibe extrem gefährlich, betonten die Experten. Die Windgeschwindigkeiten im Zentrum des Sturms seien lediglich von 160 auf etwa 150 Kilometer pro Stunde zurückgegangen. Es ist der erste Hurrikan seit 2008, der auf das amerikanische Festland trifft.

So viele Menschen bedroht wie noch nie in der Geschichte der USA

Welche Zerstörungskraft der Hurrikan hat, demonstrierte er bereits eindrücklich: Über eine Million Haushalte sind ohne Strom, in North Carolina und im Staat Virginia gingen bis zu 35 Zentimeter Regen nieder, was Überschwemmungen zur Folge hatte. Meterhohe Wellen peitschten gegen die Küste. In Philadelphia wurde erstmals seit 1986 der Notstand ausgerufen. Der Gouverneur von Pennsylvania, Tom Corbett, warnte, dass die Gefahr noch einige Tage andauern werde: «Die Flüsse erreichen ihren Höchststand vielleicht erst am Dienstag oder Mittwoch.» Mindestens zehn Menschen verloren allerdings bereits jetzt ihr Leben. Die meisten der Todesopfer wurden von Bäumen, Ästen oder herumfliegenden Trümmern erschlagen. Tausende Reisende sind auf Bahnhöfen und Flughäfen gestrandet, weil die Behörden über 9000 Flüge streichen mussten.

New York blieb in den vergangenen 200 Jahren meist von Wirbelstürmen verschont. Nun droht das Auge des im Durchmesser 800 Kilometer grossen Hurrikan auf die Millionenmetropole zu treffen. Die New Yorker mögen der Gefahr in der Nacht auf Sonntag noch ruhig und gelassen entgegen gesehen haben, die Experten warnen aber weiter. Gemäss ihren Schätzungen bedrohte kein anderer Hurrikan in der Geschichte der Vereinigten Staaten so viele Menschen wie Irene.

Vorboten des Hurrikans in New York: Peitschender Regen und heftiger Wind

Überschwemmungen in North Carolina:

(Videos: Youtube) (amc/sda/dapd)

Irene beschädigt AKW

In der Nähe der US-Hauptstadt Washington schaltete sich ein Atomreaktor nach Beschädigungen durch «Irene» automatisch ab. Der Haupttransformator war zuvor von einer Aluminiumverkleidung getroffen worden, wie ein Sprecher der Betreiberfirma Constellation Energy Nuclear Group (CENG) am Sonntag mitteilte. Die Lage in dem AKW sei sicher. Angestellte oder die Umgebung des Kraftwerkes Calvert Cliffs im Staat Maryland seien nicht betroffen.

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