Auslandschweizer: «Im Ausland arbeitet man oft härter und länger»
Publiziert

Auslandschweizer«Im Ausland arbeitet man oft härter und länger»

Tobias Bayer ist nach Fuerteventura ausgewandert und hat eine Bar eröffnet. Er gibt potentiellen Auswanderern Tipps.

von
A. Schawalder
1 / 3
Tobias Bayer ist mit seinem Freund Michael Paris nach Fuerteventura ausgewandert. Die SRF-Sendung «Auf und davon» begleitete sie dabei. Im Interview gibt Bayer Tipps für andere Leute, die ans Auswandern denken.

Tobias Bayer ist mit seinem Freund Michael Paris nach Fuerteventura ausgewandert. Die SRF-Sendung «Auf und davon» begleitete sie dabei. Im Interview gibt Bayer Tipps für andere Leute, die ans Auswandern denken.

Foto:geri Born
So rät er Schweizer Auswanderern, vor dem Auswandern das Land gut kennen zu lernen. Man sollte sich unbedingt schon zuvor in dem Land aufgehalten haben. Ebenfalls wichtig sei eine stabile Beziehung, denn für diese kann Auswandern schon zur Zerreissprobe werden.

So rät er Schweizer Auswanderern, vor dem Auswandern das Land gut kennen zu lernen. Man sollte sich unbedingt schon zuvor in dem Land aufgehalten haben. Ebenfalls wichtig sei eine stabile Beziehung, denn für diese kann Auswandern schon zur Zerreissprobe werden.

Foto:geri Born
Zum Auswandern braucht es laut Bayer eine gewisse Abenteuerlust, denn mit Auswandern gehe man auch ein Risiko ein. Er erklärt: «Uns hat es geholfen zu überlegen, was das Schlimmste wäre, was passieren kann. Der schlimmste Fall war, dass es schiefgeht und wir in die Schweiz zurückkehren. Das war ein akzeptables Risiko.»

Zum Auswandern braucht es laut Bayer eine gewisse Abenteuerlust, denn mit Auswandern gehe man auch ein Risiko ein. Er erklärt: «Uns hat es geholfen zu überlegen, was das Schlimmste wäre, was passieren kann. Der schlimmste Fall war, dass es schiefgeht und wir in die Schweiz zurückkehren. Das war ein akzeptables Risiko.»

Foto:geri Born

Herr Bayer, Sie sind mit ihrem Freund nach Fuerteventura ausgewandert – und das bereits zum zweiten Mal. Sie liessen sich von der SRF-Sendung «Auf und davon» begleiten und haben vor einem Jahr eine Bar namens «Stars» eröffnet. Was haben Sie beim zweiten Versuch anders gemacht?

Tobias Bayer: Beim ersten Mal sind wir auf die Kanaren gegangen, um Spanisch zu lernen. Wir wollten schauen, wie es ist, da zu leben und zu arbeiten. Das haben wir ein Jahr lang gemacht. Wenn wir damals das Gefühl gehabt hätten, dass der Zeitpunkt günstig wäre, sich niederzulassen, hätten wir das gemacht. Wegen der Wirtschaftskrise kehrten wir aber in die Schweiz zurück. Wir seien gescheitert, schrieben einige Medien, doch für uns war der erste Besuch immer auch ein Testlauf. Beim zweiten Anlauf haben wir dann gewusst, was uns erwartet. Wir haben gelernt, dass es sich anders anfühlt als in den Ferien.

Die SRF-Sendung «Auf und davon» zeigte: Auswandern ist kein Zuckerschlecken. Denken Sie, Schweizer Auswanderer unterschätzen diese Hürden?

Einige Auswanderer sind schon ein wenig blauäugig und haben ein verklärtes Bild: Sonne, Strand und Entspannen und nebenher noch ein wenig arbeiten, so ihre Idee. Vielen ist nicht klar, dass im Ausland oft härter und länger gearbeitet wird als in der Schweiz. Eine geordnete 42-Stunden-Woche wie in der Schweiz gibt es nicht an vielen Orten. Wir selbst haben jetzt ein Jahr lang durchgearbeitet. Langsam sind wir aber da, wo wir hinwollten. Ich denke, viele unterschätzen die Bürokratie im Ausland. Diese kann unsäglich mühsam sein und unglaublich viel Zeit beanspruchen. Wir sind jetzt ein Jahr lang auf Fuerteventura und haben erst jetzt alle nötigen Papiere und Lizenzen.

Bis zu 30'000 Schweizer verlassen jährlich das Land und suchen ihr Glück in der Ferne – wir haben einige vorgestellt. Worauf sollten sie achten? Haben Sie Ratschläge für sie?

Lernt vorher gut die Kultur des Landes kennen! Es gibt immer wieder Geschichten von Leuten, die auswandern, ohne dass einer der Partner zuvor das Land besuchte hat. Das kann fast nicht funktionieren. Es ist auch sehr wichtig, dass man sich gut kennt. Die Partnerschaft muss stabil sein, denn so ein Schritt kann eine Beziehung zerstören. Und ich glaube, das ist es dann nicht wert. Ich rate ausserdem, dass man irgendwo noch einen Notgroschen hat. Probleme sind nicht immer vorhersehbar, und es braucht schnell mehr Geld als erwartet.

Auf die 30'000, die tatsächlich gehen, kommen wohl noch sehr viele mehr, die sich einen solchen Schritt überlegen: Würden Sie ihnen raten, auszuwandern, oder muss man da ein besonderer Schlag Mensch sein?

Ich glaube schon, dass man ein besonderer Schlag Mensch sein muss. Wir werden fast täglich von Schweizer Touristen gefragt, wie wir das machen konnten. Was sei denn mit der Rente und Krankenkasse? In der Schweiz besteht ein grosses Sicherheitsbewusstsein. Doch zum Auswandern muss man ein Risiko eingehen. Man muss deshalb ein bisschen abenteuerlustig sein, und es braucht die Bereitschaft, im Jetzt zu leben. Ohne diese wird es sehr schwierig.

Was hat Ihnen geholfen, die Entscheidung zur Auswanderung zu fällen?

Mit der Idee der Emigration haben wir schon fast zehn Jahre lang gespielt. Irgendwann haben wir dann gesagt: Jetzt oder nie! Es gibt immer einen Grund, nicht wegzugehen. Uns hat es geholfen zu überlegen, was das Schlimmste ist, was passieren kann. Der schlimmste Fall war, dass es schiefgeht und wir in die Schweiz zurückkehren. Das war ein akzeptables Risiko.

Sie haben ihren Traum von Fuerteventura nicht aufgegeben, nachdem es beim ersten Mal nicht geklappt hatte. Was motivierte Sie, es erneut zu versuchen?

Meine Überlegung ist folgende: Man bereut im Leben vor allem das, was man nicht gemacht hat. Selbst wenn wir morgen scheitern und aufgeben müssen: Wir haben in diesem einen Jahr mehr gelernt als in fünf Jahren in der Schweiz.

Was vermissen Sie ?

Fuerteventura ist schon weit weg von Europa, und das merkt man bei der Mentalität und von der Kultur her. Es wäre schön, wenn gewisse Sachen schon beim ersten Mal klappen würden und nicht erst beim vierten oder fünften Anlauf. In der Schweiz kann man sich darauf verlassen, dass etwas pünktlich und so geliefert wird, wie man es bestellt hat. Das ist hier nicht der Fall.

Deine Meinung