Starch - das Tour-Tagebuch: Im Bademantel in den Hundesalon?
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Starch - das Tour-TagebuchIm Bademantel in den Hundesalon?

Starch in Shanghai: Mit welchen sprachlichen Problemen die Schweizer Band zu kämpfen hat, wie sie ein Jazz-Publikum animiert und was bei einem Käferkampf zu beachten ist, lesen Sie im Tourtagebuch nach.

In der 14 Millionen Stadt Shanghai gelandet, hatten wir erst einmal das Glück einen Taxifahrer zu erwischen der definitiv zu viele Action Filme geschaut hat. Wie ein Irrer raste er über die fünfspurige Autobahn. Mal rechts überholen, dann auf der Einfahrtspur und dann mal wieder auf dem Pannenstreifen. Da noch den Blinker zu betätigen wäre natürlich zu viel verlangt gewesen und darum liess er für die stündige Horrorfahrt gleich den Warnblinker an. Da wir aber anscheinend wirklich sieben Leben haben, kamen wir gesund, aber nicht mehr so munter im Hotel an.

Kommunikationsprobleme und schwarzer Himmel

Nach Sydney, Bangkok, Kuala Lumpur und Singapur stellt Shanghai jetzt eindeutig das Level 2 für den gemeinen europäischen Musikreisenden dar. Kommunikation ist relativ schwierig zu bewerkstelligen, da von den 1,3 Mrd. Chinesen auf den ersten Blick geschätzte 17 der englischen Sprache mächtig sind. Man versuche also mal rauszufinden, ob das Hotel einen Wäscheservice anbietet (Resultat: Man kriegt einen Bademantel ausgehändigt), wo der nächste Geldautomat ist (Resultat: man landet beim Hundesalon) oder einen Bus ins Zentrum zu erwischen (Resultat: Bus fährt komplett in die andere Richtung und man steigt an der nächsten Haltestelle irgendwo im Niemandsland wieder aus).

Auch klimatisch präsentiert sich Shanghai ziemlich anders als unsere vorherige Destination Singapur. Blauer Himmel ist Mangelware, aber nicht etwa weils die ganze Zeit regnet oder schneit wie in der Schweiz, sondern weil Kyoto ein Fremdwort ist für die Chinesen ...

Auf in den Käferkampf

Da sich unser Hotel etwas ausserhalb des Zentrums befand gabs in der unmittelbaren Umgebung schon einige hübsche Szenen «China – uncut» zu bewundern. Gleich um die Ecke gibts einen Insektenmarkt wo Käferkämpfe veranstaltet werden. In hunderten kleinen Schalen werden die Käfer feilgeboten. Man sucht sich den fittesten und aggressivsten aus, nimmt an einem der zahlreichen Käferkämpfen teil und verwettet dort sein Geld. Ungefähr so verwundert, wie wir die Käfer betrachteten, wurden wir selber von allen andern Marktbesuchern begutachtet - wir waren wohl die ersten Weissen nach Marco Polo an diesem Ort und mit unserem ahnungslosen Staunen und der eher kümmerlichen Kenntnis der Landessprache ein guter Grund zu weitverbreiteter Heiterkeit.

Afterparty der westlichen Art

Je mehr man ins Zentrum kommt, desto moderner und urbaner wird Shanghai und im «westlichsten» Quartier, einem Boheme-Viertel, das gut und gerne auch in London oder Paris stehen könnte, stand dann am Sonntag unser erstes Konzert auf chinesischem Boden an. Wir spielten die Afterpartyshow des Schanghaier Jazzfestivals im Jz Club, einem richtig schön plüschigen Old School Jazzklub. Das Publikum, welches sich sonst wohl eher Bebop und Swing gewohnt ist, war zum Teil wohl ab unserer Bugwelle, die von der Bühne föhnte, leicht verwundert aber wir fanden Afterparty ist Afterparty und eben nicht Cocktaillounge.

Nach kurzer Zeit waren die Besucher mit uns einig und trugen ihren Teil zu einem gehörigen Fest bei. Bei einer richtigen Afterparty steigt auch der ganze spielfreudige Rest des Festivals noch ein weiteres Mal auf die Bühne und so featurten wir vom chinesischen Garry Shider über eine ganze Horde MCs, einer französischen Scatkanone bis zum Flötenkünstler so ziemlich die ganze Musikerszene, die in Shanghai an diesem Abend auf der Gasse war.

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