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Japan-BlogIm Bademantel zum Abendessen antanzen

Was nach schlechten Manieren klingt, ist in Japan ganz normal. Aber nur in traditionellen Ryokan-Hotels.

von
Ronja Sakata

Fünf Tipps fürs Essen in einem Ryokan.

Wer in einem Ryokan übernachtet, darf zwei Dinge nicht verpassen: ein Bad im Thermalbad Onsen und das kunstvoll zubereitete Essen. Das Beste daran: Umziehen ist vor dem Dinner nicht nötig. Alle sitzen in der Yukata, einer Art Bademantel, beim Essen. Ob man im einfachen Ryokan auf dem Land oder in einem Luxusresort übernachtet: Beim Abend- oder auch Morgenessen sind alle wie im Kloster gekleidet. Wer will, kann den Baumwoll-Kimono sogar zum Schlafen anlassen.

Aber zurück zum Essen: Das Angebot sieht schon von weitem fantastisch aus mit all den Schüsseln und Schalen, in denen die Speisen wunderschön präsentiert sind. Ein Fest für alle Sinne, dieses Kaiseki-Menü, das in den Ryokans serviert wird: Manches ist knackig und knusprig, anderes weich und würzig. Fleisch, Fisch und Gemüse sind natürlich frisch und stammen aus der Region. Und die Gerichte werden jeweils der Saison angepasst.

Probieren geht über Studieren

In einem Töpfchen köchelt es vor sich hin. Die Mini-Brennpaste erlischt im richtigen Moment und das Gericht ist dampfend heiss zum Probieren bereit. Was ist es denn? Vielleicht eine Muschelsuppe, ein paar Scheiben Rindfleisch mit Enoki-Pilzen in Sojasauce geschmort oder eine Bouillon, in die man die dazu gereichten Fischfilets kurz eintauchen kann? Probiert werden sollten auch jene Sachen, die vielleicht etwas suspekt aussehen oder eine ungewöhnliche Konsistenz haben. Man wird garantiert in jedem Ryokan wieder neue Geschmäcke und Kreationen entdecken.

Zum Essen trinkt man meist Bier oder Sake. Sake sagen übrigens nur Ausländer: Es bedeutet Alkohol. Japaner fragen nach Nihonshuu (ausgsprochen «Nihonschüü»). «Nihonshuu o tanomitai desu» heisst «Ich möchte Reiswein bestellen». Falls man mit Einheimischen unterwegs ist: Alkohol schenkt man sich immer gegenseitig ein. Sobald das Glas nur halb leer ist, wird es schon wieder aufgefüllt. Kanpai!

Aufessen ist keine Pflicht

Alles aufzuessen ist übrigens kein Muss. Auch viele Einheimische sind mit den Portionen überfordert. Falls man eine Reisschale bekommen hat, macht es jedoch grossen Eindruck, wenn man sie bis auf das allerletzte Reiskorn leer isst. So wird dem Reisgott Ehre erwiesen.

Nach dem üppigen Mahl bettreif? Der Futon liegt so oder so schon auf den Tatamimatten bereit und lädt ein, unter die Decke zu schlüpfen. In einigen Ryokans kann der Masseur direkt ins Zimmer bestellt werden. Himmlisch, wenn man nach dem Durchkneten bereits im Bett liegt und entspannt einschlafen kannst. «Mata ne» – bis bald!

Ronja Sakata (38), geborene Müller, ist studierte Lebensmittelingenieurin. Vor 15 Jahren reiste sie für ein Praktikum erstmals nach Japan. Dort verliebte sie sich nicht nur in das Land, sondern auch in ihren jetzigen Mann, dem sie ihren klingenden Nachnamen zu verdanken hat. Ihr Insiderwissen hat Sakata in einem E-Book und in Audio-Files auf unterhaltsame Weise zusammengefasst.

Weitere Infos: Ronjasakata.com

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