27.05.2018 07:42

Psychiatrie einst

Im Bedlam wurden Kranke angekettet und ausgestellt

Das Bedlam Mental Hospital war die erste Psychiatrie Europas. Der Umgang mit den Patienten war barbarisch.

von
mst
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Das Bedlam Mental Hospital war Europas erste Psychiatrie.

Das Bedlam Mental Hospital war Europas erste Psychiatrie.

Wellcome Library, London / CC BY 4.0
Die Behandlungsmethoden zu dieser Zeit waren allerdings wenig hilfreich oder sogar barbarisch.

Die Behandlungsmethoden zu dieser Zeit waren allerdings wenig hilfreich oder sogar barbarisch.

Wellcome Library, London / CC BY 4.0
Diverse Zeichnungen zeigen den chaotischen Alltag in der Klinik.

Diverse Zeichnungen zeigen den chaotischen Alltag in der Klinik.

Wellcome Library, London / CC BY 4.0

Heute ist das Bethlem Royal Hospital in London eine moderne Psychiatrie-Einrichtung. Wer aber das Pech hatte, in den Gründungsjahren in diese Institution eingeliefert zu werden, dem wurden Würde und Freiheit genommen.

Dreck und Missbrauch

Das Bethlem Hospital (das zu Bedlam abgekürzt wurde) war einst Europas erste psychiatrische Anstalt für Geisteskranke. Gegründet wurde es 1247 von der Kirche als Armenhaus. Ab 1357 wurden dort Patienten behandelt – sofern man den Missbrauch, den die Patienten erdulden mussten, als Behandlung bezeichnen kann.

Fast 600 Jahre lang waren die Bedlam-Patienten der Klinikleitung ausgeliefert. In einem Bericht aus dem 17. Jahrhundert steht, dass die Abwasserleitungen so verstopft waren, dass sich die Hinterlassenschaften der Patienten und Pfleger überall ausbreiteten.

Die Verbindung zwischen Hygiene und Gesundheit war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so klar wie heute, auch normale Spitäler waren unhygienische Bakterienherde. Das Bedlam war schlimmer!

Zur Belustigung ausgestellt

Menschen mit Krankheiten wie Schizophrenie, Depressionen, Autismus und Epilepsie, die heute im Rahmen der Möglichkeiten behandelt werden, wurden im Bedlam weggesperrt – und dann zur Belustigung der Londoner ausgestellt.

Um Geld zu sammeln, konnten die Besucher das Verhalten und die Behandlung der psychisch Kranken beobachten. Frauen und Männer in eleganter Kleidung strömten ins Bedlam, als wäre es ein Zoo zur Unterhaltung der ganzen Familie.

An der Behandlung gestorben

Die Behandlungsmethoden für Geisteskranke waren in den vergangenen Jahrhunderten barbarisch: Einzelhaft in kleinen Käfigen, Bäder in eiskaltem Wasser. In der sogenannten Rotationstherapie wurde ein Patient so lange auf einem Stuhl gedreht, bis er sich übergeben musste. Dazu wurde ihnen das Essen verweigert, sie wurden geschlagen und angekettet.

Viele der Patienten, so vermuten Historiker, hätten ihre Krankheiten überlebt – nicht aber die unmenschlichen und teilweise gefährlichen Behandlungsmethoden. Tatsächlich war das der Klinikleitung bewusst: Sie lehnten Patienten ab, «die zu schwach waren, um die Behandlung zu überstehen».

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