Aktualisiert 21.11.2017 17:06

Verlust für Berner NachtlebenIm Bonsoir hat es sich ausgetanzt

Lichterlöschen im beliebten Club in der Berner Aarbergergasse. Im Mai 2018 wird das Bonsi geschlossen. Die Betreiben nehmen eine Kreativpause.

von
cho

Die Berner Musiker 3hunna6 veranstalten im Bonsoir jeweils die legendäre Silvester-Party. Dafür gab es 2016 eigens einen Videoclip.

Die Ära Bonsoir geht zu Ende. Nach acht Jahren haben die Betreiber entschieden, den Club zu schliessen. Die Stadt Bern verliert damit einen ihrer wichtigsten Partytempel. «Wir haben beschlossen, die Zelte abzubrechen – Ende Mai 2018 ist Schluss mit dem Club Bonsoir», sagt Arci Friede. Als Grund nennt der Teilinhaber die Entwicklungen im Clubgeschäft. «Aus finanziellen Gründen müssen wir nicht schliessen, auch wenn die Umsätze in letzter Zeit sanken», so Friede.

Es geht den Betreibern viel eher um eine Art Kreativpause. Die Lokalität an der Aarbergergase biete nicht mehr die Inspiration, die das Team um Friede sucht. «Wir sehen darum dort keine Möglichkeit, uns unternehmerisch, gastronomisch und clubkulturell weiterzuentwickeln.»

Was kommt danach?

Bis Ende Mai wollen die Betreiber dem Club Bonsoir auf gebührende Art die letzte Ehre erweisen. Alte Bekannte aus dem In- und Ausland sollen im Bonsi zum letzten Mal auf die DJ-Kanzel oder Bühne gebeten werden. Weiter soll mit Spezialanlässen wie Barkursen das Wissen des Bonsoir weitergegeben werden.

Was nach dem Bonsoir in der Aarbergergasse 33/35 Einzug hält, ist derzeit noch unklar. Die Lokalität war gemietet: «Wir haben die Möglichkeit, das Lokal an einen Nachfolger weiterzugeben», so Friede. Die Betreiber wollen nun mit verschiedenen Interessenten zusammensitzen. «Es wäre schön, wenn die Location von jemandem übernommen wird, von dem die Stadt profitiert.» Es wäre somit durchaus denkbar, dass im Kellergeschoss auch nach dem Frühling 2018 wieder getanzt wird.

Herausforderung Club-Geschäft

Auch die Betreiber wollen sich nicht aus der Szene verabschieden: «Uns darf man auf keinen Fall abschreiben», so Friede. Auch nach 18 Jahren als Veranstalter habe er Lust, weiterhin etwas auf die Beine zu stellen. Einen 10-Jahres-Vertrag für eine Lokalität würde er aber nicht mehr unterzeichnen. Er könne sich etwa vorstellen, etwas für kürzere Zeit anzureissen – à la Pop-up.

Das Clubsterben sei in ganz Europa eine Realität, er suche nach neuen Modellen, um trotz der neuen Realitäten erfolgreich veranstalten zu können. Das ist laut Friede nicht ganz einfach: «Wir haben es im Nachtleben derzeit mit einer sehr mobilen Generation zu tun. Viele gehen etwa nach Zürich in den Ausgang.» Dort seien die Partys nicht besser, aber die Auswahl sei grösser. Ausserdem sei die ältere Club-Generation über 23 Jahre nicht mehr besonders präsent im Ausgang. Diese sein häufiger in Bars statt in Clubs anzutreffen oder würden sich auf ihre Gesundheit konzentrieren.

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