Ergebnis von Testkäufen: Im Covid-Jahr gingen viel mehr Bier und Zigaretten illegal über die Theke
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Ergebnis von TestkäufenIm Covid-Jahr gingen viel mehr Bier und Zigaretten illegal über die Theke

Das Blaue Kreuz meldet das schlechteste Jahr bezüglich Alkohol- und Tabaktestkäufe der vergangenen zehn Jahre. In über 42 Prozent der Fälle waren die minderjährigen Testkäufer erfolgreich. Schuld soll die Covid-Situation sein.

von
Christian Holzer
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Foto aller im Jahr 2020 erworbenen Testkaufwaren. Nicht abgebildet sind die verkauften Getränke im Offenausschank, die ca. die Hälfte der Testkaufwaren ausmachen.

Foto aller im Jahr 2020 erworbenen Testkaufwaren. Nicht abgebildet sind die verkauften Getränke im Offenausschank, die ca. die Hälfte der Testkaufwaren ausmachen.

Blaues Kreuz Bern Solothurn Freiburg.
Gemäss der Fachstelle fiel die Bilanz der Testkäufe 2020 schlecht aus. In über 40% der Fälle wurden illegal Alkohol oder Tabakwaren an Minderjährige verkauft.

Gemäss der Fachstelle fiel die Bilanz der Testkäufe 2020 schlecht aus. In über 40% der Fälle wurden illegal Alkohol oder Tabakwaren an Minderjährige verkauft.

Tamedia/Adrian Moser
«Die Betriebe und ihr Personal waren viel mehr damit beschäftigt, die Corona-Schutzmassnahmen umzusetzen, als Gäste und Kunden nach einem Ausweis zu fragen», heisst es beim Blauen Kreuz. 

«Die Betriebe und ihr Personal waren viel mehr damit beschäftigt, die Corona-Schutzmassnahmen umzusetzen, als Gäste und Kunden nach einem Ausweis zu fragen», heisst es beim Blauen Kreuz.

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Darum gehts

  • Laut einer Erhebung des Blauen Kreuzes wurde 2020 besonders oft Alkohol und Raucherwaren an Minderjährige verkauft.

  • Die jährlichen Testkäufe verzeichnen einen Anteil von über 40 Prozent.

  • Zum Vergleich: 2019 betrug der Anteil 17,5 Prozent.

  • Die Fachstelle sieht den Grund in der herausfordernden Covid-Situation.

Leidet der Jugendschutz in Covid-Zeiten? Laut dem Blauen Kreuz Bern Solothurn Freiburg «Ja». Die Fachstelle zieht eine düstere Bilanz der Alkohol- und Tabaktestkäufe von 2020. In 42,5 Prozent der Fälle wurden alkoholische oder tabakhaltige Waren widerrechtlich an Minderjährige abgegeben. Es ist der schlechteste Wert der vergangenen zehn Jahre. Den Grund sieht Micha Suter, Leiter Jugendschutz, bei der Corona-Situation, die Gastronomie und Detailhandel vor besondere Aufgaben gestellt hätte: «Die Betriebe und ihr Personal waren viel mehr damit beschäftigt, die Corona-Schutzmassnahmen umzusetzen, als Gäste und Kunden nach einem Ausweis zu fragen». Er zeigt dafür Verständnis, aber dennoch dürfe nicht vergessen werden, dass auch Kinder und Jugendliche derzeit viele Schwierigkeiten erlebten. «Ihr Schutz vor potenziell gesundheitsschädlichen und suchterzeugenden Mitteln ist deshalb wichtig.»

Das Fazit der Erhebung hebt sich deutlich von der vorjährigen ab. 2019 verkündete das Blaue Kreuz ihr «Bestes Testkaufresultat aller Zeiten». Die Verkaufsquote betrug damals 17,5 Prozent. Insgesamt 207 Testkäufe wurden 2020 im Jahr durchgeführt. Laut dem Blauen Kreuz sind das deutlich weniger als in anderen Jahren. So wurden etwa 2019 insgesamt 424 und im Jahr davor 379 solche Testkäufe durchgeführt. Die geringere Anzahl im 2020 erklärt die Fachstelle damit, dass wegen Covid-19 deutlich weniger Einwohnergemeinden Testkäufe in Auftrag gegeben hätten.

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