Mindestbetrag : «Im Deutschen kaufe ich dann nur noch gross ein»
Aktualisiert

Mindestbetrag «Im Deutschen kaufe ich dann nur noch gross ein»

Schweizer kriegen in Deutschland bei Einkäufen unter 50 Euro die Mehrwertsteuer nicht mehr zurück. Einige Einkaufstouristen nervt das –sie wollen aber weiter ennet der Grenze einkaufen.

von
dk

Das sagen Personen vor Ort zur Änderung der Mehrwertsteuer-Rückerstattung.

Seit dem 1. Januar müssen Einkaufstouristen in Deutschland genau rechnen. Die deutsche Mehrwertsteuer erhalten sie neu nur noch zurück, wenn ein Einkauf den Mindestbetrag von 50 Euro überschreitet (siehe Box). Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass die neue Regel Einkaufstouristen auf dem falschen Fuss erwischt: «Ich habe nichts davon gewusst und bei der Drogeriekette DM Kosmetika für 49.95 Euro eingekauft. Nun sagte mir die Beamtin am Zoll, dass ich kein Geld zurückerhalte», sagt Dita (32). In Zukunft kaufe sie halt einfach noch mehr ein.

Auch Geisa (31) ärgert sich: «Als Mutter finde ich die Änderung nicht gut, weil ich oft in den Drogerie-Markt gehe und mir einen Ausfuhrschein hole.» Auf den einzelnen Einkauf gebe es nur einige Euros zurück. «Aber am Ende des Monats macht es viel aus.» Ihre Einkaufsgewohnheiten werde sie nun ändern. «Ich werde nur noch einmal pro Monat – und dann gross – in Deutschland einkaufen», so Geisa.

Hoffen auf kürzere Schlangen am Zoll

Auch der Thurgauer Familienvater Dario (28) musste gestern seinen Einkauf anpassen. «Wir kauften für exakt 49.99 Euro ein. Aber wegen einem Cent macht man kein Büro auf, sondern kauft halt noch einen Kaugummi.» Die Änderung findet er grundsätzlich gut: «Es gibt Leute, die schon für unter 5 Euro einen Ausfuhrschein holen. Nun müssen wir hoffentlich weniger lange Schlange stehen und die deutschen Beamten haben weniger zu tun.»

Das Hauptziel der Massnahme sei, den Verwaltungsaufwand zu minimieren, damit nicht jeder Schweizer wegen Kleinstbeträgen zum Zoll rennt, sagt auch Konsumexperte Stephan Feige von der Beratungsfirma HTP St. Gallen. «Das spült etwas mehr Geld in die deutsche Staatskasse.» Schweizer Einkaufstouristen würden in Zukunft etwas weniger «Rosinen picken» können. Weniger Einkaufstouristen werde es deswegen aber nicht geben. Feige: «Ich gehe davon aus, dass die konsumsteuernde Wirkung von Bagatellgrenzen gering ist.» Die Schweizer würden deswegen also die Shopping-Tour nicht in die Schweiz verschieben. Das Hauptzollamt Singen schreibt denn auch, es habe noch «keine nennenswerten Reaktionen auf die Einführung der Bagatellgrenze gegeben».

Neue Regeln für Schweizer Einkaufstouristen

Bisher konnten sich Personen mit Wohnsitz in der Schweiz bei jedem Einkauf in Deutschland die deutsche Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen. Der allgemeine deutsche Steuersatz beträgt 19 Prozent.

Seit dem 1. Januar 2020 erhalten Schweizer bei Einkäufen die Mehrwertsteuer erst zurück, wenn ein Einkauf den Wert von mindestens 50 Euro überschreitet. Der Mindestbetrag, die sogenannte Bagatellgrenze, gilt für jede einzelne Quittung – die 50 Euro müssen also im gleichen Geschäft und beim gleichen Einkauf ausgegeben werden. Auch in unseren anderen Nachbarländern gibt es eine Bagatellgrenze: In Frankreich liegt sie bei 175 Euro, in Österreich bei 75 und in Italien bei 155 Euro.

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