Handysucht: Im Digital-Detox-Camp sind Smartphones tabu
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HandysuchtIm Digital-Detox-Camp sind Smartphones tabu

Der digitale Detox, der Verzicht auf Technik, liegt im Trend. Es gibt Angebote im Kloster und ein Sommerlager für Erwachsene, wo das Handy strikt verboten ist.

von
tob
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Sport statt Twitter, Malen statt Instagram, Yoga statt Handy: Ausgerechnet im Silicon Valley in den USA hat sich ein Camp eingenistet, wo jegliche Technik tabu ist.

Sport statt Twitter, Malen statt Instagram, Yoga statt Handy: Ausgerechnet im Silicon Valley in den USA hat sich ein Camp eingenistet, wo jegliche Technik tabu ist.

Camp Grounded
Im Camp Grounded, dem «Ferienlager für Erwachsene, wo diese wieder Kind sein können», ist die moderne Technik tabu. E-Mails werden hier per Hand oder mit der Schreibmaschine geschrieben und per Post verschickt.

Im Camp Grounded, dem «Ferienlager für Erwachsene, wo diese wieder Kind sein können», ist die moderne Technik tabu. E-Mails werden hier per Hand oder mit der Schreibmaschine geschrieben und per Post verschickt.

Camp Grounded
Das Ziel des Ferienlagers: Der digitale Detox, also der Verzicht auf Technik während einem gewissen Zeitraum.

Das Ziel des Ferienlagers: Der digitale Detox, also der Verzicht auf Technik während einem gewissen Zeitraum.

Camp Grounded

Für die Social-Media- und PR-Beraterin Kateryne Kogan ist die Handy- und Internetsucht zum Problem geworden. «Ich gehe oft viel zu spät ins Bett, weil ich bis spät nachts sinnlos surfe», sagt sie gegenüber «Die Welt». Auch habe das ständige Online-Sein zu Spannungen in ihrer Beziehung geführt. Sie hat sich deshalb für einen drastischen Schritt entschieden: Entzug, ein sogenannter Digital Detox in einem deutschen Kloster.

«Die Abhängigkeit des ständigen Online-Seins ist vergleichbar mit einer Nikotin- oder Alkoholsucht», sagt Ulricke Stöckle, Leiterin des Kloster-Camps. Auch die diplomierte Betriebswirtschafterin hatte in der Vergangenheit mit ihrer Abhängigkeit zu kämpfen. Wie man sich von der Sucht losreisst, gibt sie nun in Seminaren weiter.

Schweiz: Knapp ein Prozent internetsüchtig

Die beiden Frauen sind bei Weitem keine Einzelfälle: Laut Flurry, einem auf die Auswertung von Apps spezialisierten Unternehmen, sind weltweit 280 Millionen Menschen handysüchtig. Eine grosse Rolle spielt dabei auch der Umgang mit dem Internet. Laut Sucht Schweiz weisen hierzulande knapp ein Prozent der Bevölkerung einen problematischen Gebrauch des Internets auf. Weitere 3,7 Prozent weisen eine regelmässig und intensive Nutzung, aber eine weniger problematische auf. Das besagen die aktuellsten Zahlen des Suchtmonitoring Schweiz.

Bei den Betroffenen sind Hauptaktivitäten das Suchen nach Informationen und News (25,4 Prozent), soziale Netzwerke (24,5 Prozent) und Online-Kommunikationsmittel (24 Prozent). Monique Portner-Helfer, Mediensprecherin von Sucht Schweiz, gibt jedoch zu bedenken, dass sich noch keine klaren Grenzwerte für problematische Internetnutzung etabliert hätten, da es noch ein relativ neues Konstrukt sei und Vergleichswerte fehlen.

Angebot für Betroffene

Auch in der Schweiz gibt es Hilfe für Betroffene: So etwa beim Zentrum für Verhaltenssucht in Zürich. Eine Anlaufstelle bei Handy- oder Onlineabhängigkeiten bieten auch diverse Suchtberatungen. Die universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel bieten auch ambulante Angebote für Betroffene, die wegen Störungen des Konsumverhaltens, etwa einem «exzessiven PC- und Internetkonsum Probleme haben». Ein ähnliches Angebot wie der digitale Detox in einem Kloster ist Sucht Schweiz hierzulande nicht bekannt.

Ein Ferienlager für Erwachsene

Noch eine Runde ausgefallener als das Kloster ist hingegen das Camp Grounded, das in der Nähe des sonst sehr Technik-vernarrten Silicon Valley angesiedelt ist. Das Digital-Detox-Camp richtet sich an die Tech-Elite, die für einmal wortwörtlich abschalten will. Egal, ob Notebook, Handy oder Tablet: Moderne Technik ist hier tabu.

Statt Wi-Fi gibt es Lagerfeuer, Gruppenspiele und viel Sport. Mit dem Camp scheinen die Macher einen aktuellen Trend aufzugreifen, nämlich dass Offline-Sein zum neuen Luxus wird. Ganz günstig ist der Aufenthalt nicht: Für die viertägige digitale Entschlackungskur im Zeltlager bezahlt man rund 600 Dollar.

Wem das zu teuer ist, dem bleibt immer noch der Weg per App, um für eine Zeit aufs Smartphone zu verzichten. Möglich ist das etwa mit den Programmen My Time von Swisscom oder Menthal der Universität Bonn.

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