Madetswil: Im Dorf, in dem plötzlich ein Roma-Camp steht
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MadetswilIm Dorf, in dem plötzlich ein Roma-Camp steht

In Madetswil haben 100 Roma überraschend mit 40 Wohnwagen ein Camp errichtet. Anwohner kritisieren die Kommunikation – zeigen aber auch Verständnis.

von
ag

Fahrende überraschen das kleine Dorf Madetswil. (Video: Murat Temel/Alice Grosjean)

Kinder laufen umher, die Alten sitzen vor ihren Wohnwagen und die Frauen quatschen miteinander. Direkt neben einem Maisfeld im zürcherischen Madetswil hat eine Gruppe französischer Roma ihr Lager aufgeschlagen. Weil sie keine Schweizer Staatsbürger seien, blieben ihnen hierzulande in vielen Gemeinden die offiziellen Plätze verwehrt, sagt Bebe, der evangelische Pfarrer der Fahrenden. Aus diesem Grund campieren sie auch im Russiker Ortsteil Madetswil auf den Privatgrundstücken zweier Landwirte – mit deren Zustimmung.

Erich Aellig wurde unterwegs auf dem Traktor überraschend mit der Anfrage der Fahrenden konfrontiert. Nach kurzer Bedenkzeit stimmte er zu: «Das sind Familien mit Kindern. Sie haben mir ihre Not geschildert und dass sie rasch einen neuen Platz brauchen.» Ausserdem habe er Referenzen vom Ort eingeholt, an dem die Gruppe vorher verweilt hatte. 1000 Franken zahlen die Roma für zwei Wochen, für die Abfallcontainer und den Wasseranschluss haben sie direkt bei der Gemeinde bezahlt.

Im Dorf ist man über die neuen Gäste geteilter Meinung, direkt über sie beschwert hat sich aber noch niemand. Die etwa hundert Roma sind evangelische Christen: In den nächsten Tagen wollen sie sogar einen Zelt-Gottesdienst abhalten.

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