Aussenhandel: Im Export kicken nur Red Bull und Nespresso

Aktualisiert

AussenhandelIm Export kicken nur Red Bull und Nespresso

Ohne Red-Bull-Drinks und Nespresso-Kapseln würde im Schweizer Export zurzeit tote Hose herrschen. Gebremst wurde der Boom der Uhrenindustrie.

von
Balz Bruppacher
Red Bull gibt dem Schweizer Export Schub.

Red Bull gibt dem Schweizer Export Schub.

Nach einem flotten Start ins neue Jahr sind die Schweizer Exporte im Februar ins Stocken geraten. Einzig die Nahrungs- und Genussmittelbranche konnte im Vergleich zum Vorjahresmonat noch deutlich zulegen, und zwar um 11,7 Prozent. Nicht Schweizer Schokolade oder Emmentaler und Gruyère waren im Ausland besonders stark gefragt. Renner waren vielmehr Getränke und Kaffee mit Zuwachsraten von 39 beziehungsweise 27 Prozent, wie die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) heute bekannt gab.

Bei den Getränken schenken vor allem die Energy-Drinks der Marke Red Bull ein, wie EZV-Ökonom Matthias Pfammatter bestätigt. Das österreichische Getränk findet Eingang in die Schweizer Exportstatistik, weil der Produzent in Widnau im St. Galler Rheintal eine riesige Abfüllanlage betreibt. Dort werden jährlich zwei Milliarden Dosen abgefüllt und in alle Welt exportiert.

Auch wenn Red Bull kein klassisches Schweizer Exportprodukt ist und nie mit dem Label «Swiss made» auftreten wird – Potenzial für die Schweizer Wirtschaft hat das Geschäft mit dem Muntermacher- und Modegetränk alleweil. So kündigte der britische Getränkedosen-Produzent Rexam kürzlich an, dass er in Widnau gleich neben der Abfüllanlage eine Fabrik für die Herstellung von Dosen errichten wird. Damit werden im St. Galler Rheintal 125 Arbeitsplätze geschaffen.

Auch Nespresso auf Expansionskurs

Einen ähnlichen Effekt wie die Red-Bull-Abfüllanlage in Widnau auf die Exportstatistik haben die Waadtländer Fabriken des Nahrungsmittelriesen Nestlé für die Produktion der Nespresso-Kapseln. Und auch hier ist mit weiterem Wachstum zu rechnen. Nestlé kündigte letztes Jahr an, neben den Waadtländer Standorten Avenches und Orbe im freiburgischen Romont eine dritte Nespresso-Fabrik zu bauen. Sie soll im Jahre 2015 startbereit sein und mittelfristig 400 Leute beschäftigen. Jede Nespresso-Kapsel, die irgendwo auf der Welt verkauft wird, wird dann aus den Westschweizer Fabriken stammen.

Beitrag an Gesamtexport gering

Der Blick auf die absoluten Zahlen der Aussenhandelsstatistik zeigt aber, dass Red Bull und Nespresso bloss eine untergeordnete Rolle für den gesamten Schweizer Export spielen. Im Februar machten die Ausfuhren von Getränken und Kaffee je gut 170 Millionen Franken aus, verglichen mit einem gesamten Exportvolumen von 14 Milliarden Franken. Auffallend ist, dass im Februar die Uhrenexporte sowie die Ausfuhren der Chemie- und Pharmaindustrie in den Krebsgang übergingen. Diese beiden Wirtschaftszweige hatten den Export letztes Jahr mit Zunahmen von 12 beziehungsweise 6 Prozent noch über dem Wasser gehalten.

Experten relativieren schwache Zahlen

«Die Zahlen im Februar sind etwas ernüchternd», sagt Pfammatter. Sie sollten aber aus zwei Gründen nicht überbewertet werden. Zum einen bedeute ein schwächerer Monat noch keine Trendwende. Und zum anderen muss berücksichtigt werden, dass der Februar dieses Jahr einen Arbeitstag weniger hatte als 2012. Auf vergleichbarer Basis sind laut dem EZV-Spezialisten sowohl die Uhrenexporte wie auch die Chemie- und Pharmaausfuhren vermutlich leicht gestiegen. «Angesicht der rezessiven Entwicklung in der Eurozone keine schlechte Leistung», kommentierte die Zürcher Kantonalbank die Februar-Zahlen.

Schweizer Uhren in China und Hongkong deutlich weniger gefragt

Die separate Statistik der Uhrenexporte zeigt, dass die Nachfrage aus China im Februar um einen Drittel eingebrochen ist. Um 24 Prozent sanken auch die Ausfuhren nach Hongkong, in den wichtigsten Absatzmarkt der Schweizer Uhrenindustrie. Der zweite Rückgang der Uhrenexporte innerhalb von drei Monaten schlug sich in den Börsenkursen von Richemont und Swatch nieder. Sie waren am Donnerstagmorgen stärker unter Druck als der Gesamtmarkt.

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