26.09.2016 07:10

Im Flagshipstore der Marke Trump

Der Trump Tower an der Fifth Avenue ist ein absolutes Muss für diejenigen, die in ihm die Verkörperung des amerikanischen Traums sehen.

von
Edouard de Mareschal, New York
Am Ziel seines Ausflugs: James Alexander (63) mit einem Trump-Aufkleber vor der berühmten Rolltreppe. Foto: Edouard de Mareschal

Am Ziel seines Ausflugs: James Alexander (63) mit einem Trump-Aufkleber vor der berühmten Rolltreppe. Foto: Edouard de Mareschal

Jedes Schaufenster, jedes Gebäude in der Fifth Avenue steht für Luxus und pompöse Zurschaustellung. Bei diesem Spiel ist der Trump Tower nur schwer zu überbieten. Die masslose Konstruktion aus Glas, Eisen und Marmor glänzt wie eine schwarze Wachskerze, in der sich die Nachbargebäude widerspiegeln, um sie noch besser zu demütigen.

Ob sie anziehend oder abstossend wirkt, so ist sie doch heute mehr denn je zu einem unumgänglichen Abstecher für Passanten geworden, seitdem ihr Besitzer und berühmtester Bewohner, Donald Trump, das Rennen um die 45. US-Präsidentschaft angetreten hat. Niemand hatte ihn wirklich ernst genommen, als er im Juni 2015 in der riesigen, der Öffentlichkeit zugänglichen Empfangshalle, auf der Rolltreppe thronend, seine Kandidatur für die Vorwahlen der Republikaner bekannt gab.

Trump Bar, Trump Grill, Trump Jewlery

Drei Monate später machen Schaulustige gerade vor dieser unförmigen vergoldeten Rolltreppe ein Selfie. «Ein Kandidat wird nach seiner Vergangenheit beurteilt. Wenn ich das alles hier so sehe, kann ich nur sagen, dass er weiss, wie man Geschäfte macht», sagt Brad, ein Pastor aus Wisconsin, der ein paar Tage mit seiner Frau in Manhattan verbringt. Vor ihm ein gigantischer Wasserfall, der über eine Wand aus rosarotem Marmor in die Tiefe stürzt. Um ihn herum immer wieder das Attribut Trump: Trump Bar, Trump Grill, Melania Trump Jewlery – seine Tochter hat ihre eigene Schmuckmarke kreiert.

Schildmützen, Hemden, Bücher ... alles trägt den Namen des Milliardärs, dessen Wahlkampfbüros sich in den obersten Stockwerken befinden. «Trump, das ist eine Marke», fährt Brad fort. Auf unserer Reise durch Irland sind wir an einem Hotel namens Trump vorbeigekommen. Wir haben sofort Halt gemacht, denn wir wussten, dass wir nicht enttäuscht würden.

«Wer hat noch nie einen Fehler begangen?»

Donald Trump gehört zu denen, die «Erfolg» hatten, und dieser Wolkenkratzer ist geradezu ein Paradebeispiel. «Wie viele Leute sind schon im Alter von 40 Jahren so reich wie er?», sagt Helen Yi Chen. Für diese in China geborene Schriftstellerin steht der Marmor und die Vergoldung für den amerikanischen Traum. «Er stammt zwar aus einer reichen Familie, trotzdem kann man sich mit ihm identifizieren. Hat er doch durch seine eigene Arbeit und seinen kühnen Charakter ein Imperium geschaffen.» Seine Misserfolge, die nicht selten Aufsehen erregen, sind hingegen schnell vergessen.

Und das Trump Taj Mahal Casino, das riesige finanzielle Desaster, für das der Milliardär heute geradestehen muss? «Er hat sich da verzockt», erklärt Brad. «Wer hat noch nie einen Fehler begangen? Was zählt, ist, dass er sich wieder fängt und dass er gestärkt daraus hervorgeht.»

Mehr zu bieten als die Demokraten

Extravagant und übertrieben, der Kandidat der Republikaner fasziniert. «Ganz tief in ihrem Inneren spüren die Leute, dass er für sie ein Vorbild ist», sagt James Alexander, ein 63-jähriger Rentner. Mit einem Trump-Aufkleber in beiden Händen lässt er sich vor der berühmten Rolltreppe fotografieren. Er ist von Long Island nach Manhattan gekommen, um die Zeit totzuschlagen. «Trump erschüttert die herrschenden Eliten, macht sie nervös», sagt er belustigt. «Ich werde für ihn wählen, das ist sicher.»

Draussen an der Ecke zur 56th Street fotografiert ein Paar aus Kalifornien den Eingang. Sie sind aber mehr aus Neugierde als aus Bewunderung für Donald Trump gekommen. «Er spaltet anstatt zu einen», urteilt Jesse Lomeli. «In Los Angeles leben zahlreiche Latinos. Seine Äusserungen berühren mich nicht, da ich das Glück habe, über ein Diplom und eine gute Arbeit zu verfügen. Wenn er aber davon spricht, eine Mauer an der mexikanischen Grenze zu errichten, oder wenn er die Lateinamerikaner als Mexikaner bezeichnet, fühlen sich viele Leute aus meinem Bekanntenkreis beleidigt. Wäre er weniger überzogen, würde er mehr Wähler um sich scharen.»

Diesen Standpunkt vertritt auch Krzyztof, ein polnischer Ingenieur, der durch die Empfangshalle umherschlendert und auf seine Familie wartet, die mit dem Lift in die oberen Etagen gefahren ist. «Es ist ihm sehr gut gelungen, die Wut der verarmten Weissen gegen die Elite einzufangen. Das ist übrigens ein Paradox, insofern er selbst zu dieser Elite gehört. Ich denke aber, dass er durchaus das Rennen gewinnen kann, da die Demokraten ihrerseits nicht viel zu bieten haben.»

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Zweieinhalb Stunden Katz--und-Maus-Spiel: Ein Mann klettert mit Saugnäpfen den 58. Stockwerke umfassenden Trump Tower in Manhattan empor.

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Keystone/AP Photo/Julie Jacobson
Beim realen Spiderman handelt es sich um einen 20-Jährigen aus Virginia.

Beim realen Spiderman handelt es sich um einen 20-Jährigen aus Virginia.

Keystone/Alex Cannon via AP
Er wollte eigentlich nur ein privates Treffen mit Donald Trump. Doch die Sicherheitsleute waren in Aufruhr wegen seines grossen Rucksacks.

Er wollte eigentlich nur ein privates Treffen mit Donald Trump. Doch die Sicherheitsleute waren in Aufruhr wegen seines grossen Rucksacks.

Keystone/AP Photo/Julie Jacobson

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