Bois Mörder auf der Flucht: Im Gefängnis behauptete Kris, er sei unschuldig

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Bois Mörder auf der FluchtIm Gefängnis behauptete Kris, er sei unschuldig

Zuvorkommend und höflich, aber auch kalt und distanziert – so beschreibt ein ehemaliger Mithäftling Kris V. Der verurteilte Mörder habe jegliche Therapie abgelehnt.

von
ann
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Wieder in Freiheit: Kris V. wurde aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg entlassen.

Wieder in Freiheit: Kris V. wurde aus der Justizvollzugsanstalt Lenzburg entlassen.

Kapo AG
Am Samstag, 28. Mai 2016, flüchtete der Mörder aus der Klinik in Windisch AG. Der Schweizer hatte 2009 die 17-jährige Boi Ngoc Nguyen im Tessin mit einem Holzscheit erschlagen.

Am Samstag, 28. Mai 2016, flüchtete der Mörder aus der Klinik in Windisch AG. Der Schweizer hatte 2009 die 17-jährige Boi Ngoc Nguyen im Tessin mit einem Holzscheit erschlagen.

Kapo Aargau
Der bei der Tat 16-Jährige erhielt vor dem Jugendgericht in Baden die Höchststrafe.

Der bei der Tat 16-Jährige erhielt vor dem Jugendgericht in Baden die Höchststrafe.

Kapo Aargau

Der wegen Mordes an der 17-jährigen Boi verurteilte Kris V. ist aus der Klinik Königsfelden im aargauischen Windisch ausgebrochen. Ein ehemaliger Mitinsasse ist überrascht. Kris sei gern im Gefängnis gewesen, sagte er gegenüber 20 Minuten.

Der Mitinsasse weiss aber auch: Kris habe immer gesagt, dass er unschuldig sei. Zum Geständnis sei er gedrängt worden. «Was willst du machen, wenn du mit 17 von vier Polizisten Tag und Nacht bearbeitet wirst», habe er gesagt. Zweimal habe er gestanden und sein Geständnis darauf zweimal wiederrufen. Gegenüber Mitinsassen stellte er sich immer als jener vor, «von dem man sagt, er habe Boi umgebracht».

Kris fühlte sich wohl im Gefängnis

Beim Mitinsassen weckte er damit immerhin Zweifel. «Aber überzeugt hat er mich nicht.» Vom Benehmen her sei Kris immer zuvorkommend und anständig gewesen. «Aber er wirkte auch kalt und distanziert, etwas psychopathisch». Besonders beunruhigt habe ihn, dass Kris jeweils einen «komisch stechenden Blick» bekommen habe, wenn er vom Fall Boi erzählte.

Klar war für den Mitinsassen auch: Die Haft machte Kris nichts aus. «Er sagte, er habe alles, was er brauche und fühle sich so wohl.» Was er offenbar gar nicht wollte, war irgendeine Therapie machen. Man habe ihn zuerst im Massnahmezentrum Uitikon untergebracht. «Dort hat er bei den Massnahmen nie mitgemacht.» Weil er unschuldig sei, mache dies keinen Sinn, habe Kris erzählt.

«Nur die Eltern kamen ihn besuchen»

Irgendwann wurde Kris vom Gefängnis in die Klinik Königsfelden verwiesen, um eine Therapie zu machen. Brach er deshalb aus? Der Mitinsasse hält dies für möglich, kann es aber nicht verstehen. «Er hat ja keinen Stutz und keinen Freundeskreis, auf den er bauen kann.» Ausser seinen Eltern habe ihn nie jemand besucht. Kris habe zwar in der Manga-Szene Freunde gehabt, die ihm hie und da schrieben. «Aber er hat nie geantwortet, das hat ihn nicht interessiert.»

Den Eindruck eines Beobachters, dass Kris durchtrainiert sei, kann der Mann zudem bestätigen. «Er hatte einen fixen Trainingsablauf, den er jeden Tag durchmachte.» Kris habe einen Waschbrettbauch und rechte Oberarme gehabt. «Er war fit und konnte im Handstand Liegestützen machen, war aber eher hager, kein Bodybuilder-Typ.»

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