Business-Sport: Im Golfsport sind die fetten Jahre vorbei
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Business-SportIm Golfsport sind die fetten Jahre vorbei

Golf, der Sport der Top-Manager, steckt in einer tiefen Krise. In Europa und den USA laufen den Clubs die Spieler davon. Auch in der Schweiz ist der Boom Vergangenheit.

von
Valeska Blank
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Golferschwund: Die europäischen Clubs klagen über sinkende Mitgliederzahlen.

Golferschwund: Die europäischen Clubs klagen über sinkende Mitgliederzahlen.

Ennio Leanza
Ein Golfspieler spielt auf dem Golfplatz im solothurnischen Limpachtal mit 18-Loch. Doch golfen CEOs zu exzessiv, leiden die Unternehmen, denen sie vorstehen. Das hat die deutsche Star-Ökonomin Ulrike Malmendier in einer Forschungsarbeit herausgefunden.

Ein Golfspieler spielt auf dem Golfplatz im solothurnischen Limpachtal mit 18-Loch. Doch golfen CEOs zu exzessiv, leiden die Unternehmen, denen sie vorstehen. Das hat die deutsche Star-Ökonomin Ulrike Malmendier in einer Forschungsarbeit herausgefunden.

Monika Flueckiger
Viele Manager versprechen sich durch das Golfen Kompetenzen, die sie erfolgreicher machen - wie etwa Verhandlungsgeschick, Zielstrebigkeit und Einfallsreichtum. Auch in der Schweiz, wie das entsprechende Ranking 2014 der «Bilanz» ergab.

Viele Manager versprechen sich durch das Golfen Kompetenzen, die sie erfolgreicher machen - wie etwa Verhandlungsgeschick, Zielstrebigkeit und Einfallsreichtum. Auch in der Schweiz, wie das entsprechende Ranking 2014 der «Bilanz» ergab.

Gerald Herbert

Es ist ein Klischee, dass sich hartnäckig hält: Top-Shots aus der Wirtschaft treffen sich auf dem Golfplatz und wickeln dort diskret ihre Deals ab. Im exklusiven Clubhaus stossen sie anschliessend auf ihre Erfolge an. Ein Normalverdiener kann sich den Zutritt nicht leisten.

Ob das Klischee nun der Wahrheit entspricht oder nicht: Der Ruf des Exklusiven, Elitären ist unter anderem verantwortlich dafür, dass es den Golfclubs immer mehr an registrierten Golfern und an Nachwuchs fehlt. Etwa in England oder Schottland, wo Golf eine lange Tradition hat, ist die Zahl der Spieler zwischen 2004 und 2013 um 20 respektive 14 Prozent eingebrochen.

Ähnlich geht es Clubs in Ländern wie Irland, Schweden, Portugal oder Spanien; sie beklagten in den vergangenen Jahren Rückgänge in der Grössenordnung von 3 bis 5 Prozent. Auch in Übersee sieht es nicht besser aus: Vor zehn Jahren spielten noch 30 Millionen US-Amerikaner Golf. Nach den jüngsten Zahlen sind es heute noch 25 Millionen, wie die «Frankfurter Allgemeine» (FAZ) schreibt. Etliche Golfplätze mussten in den USA wegen des Golferschwunds schon schliessen.

«Es wird nicht einfacher»

In der Schweiz ist die Lage noch nicht so dramatisch. Aber auch hierzulande ist man von den Zuwachsraten der 2000er-Jahre weit entfernt. Zwischen 2007 und 2008 stieg die Zahl der Schweizer Club-Golfer um knapp 20'000. Das zeigen Daten der Association Suisse de Golf (ASG). Der Zuwachs zwischen 2013 und 2014 betrug nur noch magere 1200 Golfer.

Von einer Krise im Schweizer Golfsport möchte ASG-Generalsekretärin Barbara Albisetti dennoch nicht sprechen. «Das Interesse bei uns in der Schweiz ist immer noch steigend – auch wenn die Zuwächse bei den neuen Golfern kleiner geworden sind», sagt sie zu 20 Minuten. In vielen anderen Ländern habe die Finanzkrise zu einem Rückgang geführt – «so gesehen steht die Schweiz noch deutlich besser da». Albisetti räumt aber ein: «Das Umfeld wird sicher auch bei uns nicht einfacher.»

Nichts für die Generation Y

Neben der Finanzkrise gibt es noch weitere Gründe, warum immer mehr Menschen die Lust auf Golf vergeht. «Der Sport verträgt sich nicht so recht mit der Mentalität der Millenials, also der Generation, die nach 1980 geboren ist», sagte Paul Swinand von der Analysegesellschaft Morningstar zur FAZ. Die Jungen wollten die Dinge «schnell machen» und trieben lieber intensiven Sport. Eine Runde Golf hingegen braucht Zeit und Geduld – sie kann nicht selten mehrere Stunden dauern. Auch eine bindende Clubmitgliedschaft dürfte Vertreter der Generation Y wohl eher abschrecken. Ausserdem ist der Sport oft mit hohen Material- und Kurskosten sowie Mitgliedsgebühren verbunden.

Dass viele Gelegenheitsspieler mittlerweile in den «Non-Member»-Status abwandern, ist eine weitere Erklärung, warum den Clubs die Mitglieder ausgehen. In der Schweiz ist diese Entwicklung deutlich zu spüren: Die beiden Organisationen für die clubfreien Spieler, die ASGI (Association Suisse des Golfeurs Indépendants) und die ASG GolfCard Migros, sind in den vergangenen Jahren gewachsen.

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