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Diepoldsau SG«Im Haus war alles versifft und voller Kot»

In einem Haus in Diepoldsau SG soll sich ein Messie und Mietnomade eingenistet haben. Diesen wieder loszuwerden, gestaltet sich für die Vermieter schwierig.

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gts
In einem Haus in Diepoldsau SG hat sich ein Messie und Mietnomade eingerichtet. (Bild: zvg)

In einem Haus in Diepoldsau SG hat sich ein Messie und Mietnomade eingerichtet. (Bild: zvg)

Vermieterin C. Z.* ist ausser sich. Obwohl der Mieter H. G.* des Hauses ihrer Familie in Diepoldsau SG nur gerade dreieinhalb Wochen dort wohnte, sei das Haus nun in einem miserablen Zustand. «Alles war versifft und voller Kot. Sogar Blutflecken waren zu sehen», erzählt Z. Zu sehen bekam sie dies allerdings erst kürzlich, als die Polizei den Mieter abgeführt hatte. Warum sie ihn mitgenommen hatte, weiss sie nicht. Derzeit sitzt der Mann im Gefängnis.

Nicht der erste Fall

Z. kann sich nicht erklären, wie es so weit kommen konnte und sich der Mieter offenbar als Messie entpuppt. «Der Mann machte einen unscheinbaren Eindruck. Er erzählte uns, er sei Jurist», so Z. Er habe sehr vertrauenswürdig gewirkt und so habe sie ihn als Mieter akzeptiert. Ausserdem habe er einen Auszug aus dem Betreibungsregister vom 5. November gebracht, dieser war tadellos – jedoch zog er erst im Februar ein.

Z. wurde inzwischen auch vom vorherigen Vermieter von G. kontaktiert, der ebenfalls Probleme mit dem Mieter hatte. Gegenüber 20 Minuten bestätigt er, dass der Mieter in seinem Bauernhaus gewohnt habe und dieses auf drei Stockwerken verwüstet hat. Die Miete habe er oft zu spät oder gar nicht gezahlt – es entstand ein Schaden von rund 50'000 Franken. Weil der Mieter bei Z. nur seinen zweiten Vornamen angegeben hatte, war ihr seine Vorgeschichte unbekannt. Juristisch ist dies zwar nicht strafbar, Z. fühlt sich dennoch betrogen: «Das hat er mit Absicht gemacht, um seine Vorgeschichte zu verschleiern.»

Mietvertrag für ein Jahr

Der Mietvertrag wurde im Voraus für ein Jahr abgeschlossen. Obwohl das Haus jetzt völlig verdreckt und verschmutzt ist, seien Z. die Hände gebunden. «Die Person müsste uns offiziell erlauben, das Haus betreten zu dürfen. Der kurze Einblick, als die Polizei da war, hat juristisch keine Gültigkeit.» Doch der Mieter verweigert den Zutritt. Dennoch will Z. nun vor Gericht, um den Mieter loszuwerden.

Inzwischen habe der ganze Stress nämlich dazu geführt, dass Z.s Mann gesundheitliche Probleme bekommen habe. Sie wolle den Fall nun einfach abschliessen. Zudem müssen andere Vermieter gewarnt werden: «Solchen Leuten muss es doch komplett an Empathie mangeln.»

Keine Möglichkeit, einen Mieter sofort auszuweisen

Laut Thomas Oberle, Jurist beim Hauseigentümerverband Schweiz, ist der vorliegende Fall etwas verzwickt, weil bereits ein Mietvertrag auf ein Jahr besteht. Von solchen nicht ordentlich kündbaren Verträgen ist abzuraten, weil ausserordentliche Kündigungen nicht leicht durchsetzbar sind. Mit einer ordentlichen Kündigung hätte dem Mieter auf Ende Monat gekündet werden können, allerdings mit dreimonatiger Kündigungsfrist. «Geht er dann nicht, muss der Vermieter ein Ausweisungsverfahren einleiten, das wiederum zeitaufwändig sein kann», so Oberle. «In der Schweiz ist der Mieter recht gut durch das Mietrecht geschützt», so Oberle, «dazu kommt, dass es im Schweizer Gesetz keinen Tatbestand gibt, der eine sofortige Ausweisung des Mieters ermöglicht.» Als Vermieter brauche man im Zweifelsfall sehr viel Geduld.

Der Jurist rät deshalb, seine potenziellen Mieter gründlich zu checken. Dies beinhalte einen aktuellen Betreibungsregisterauszug und ein Gespräch mit den vorherigen Vermietern dieser Person. Angefragt werden soll auch der Arbeitgeber und zur Absicherung sollte der Vermieter stets eine Kaution von drei Monatsmieten verlangen, die der Mieter vor der Übergabe der Wohnung leisten muss.

Mieter H.G. hat auf Anfragen von 20 Minuten bis jetzt nicht reagiert.

*Namen der Redaktion bekannt

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