Suchaktion im Jungfrau-Gebiet: «Im Herzen glaube ich, dass er noch lebt»
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Suchaktion im Jungfrau-Gebiet«Im Herzen glaube ich, dass er noch lebt»

Seine Mutter, die grosse Cousine und ein Kumpel geben die Hoffnung nicht auf: Sie suchen weiter nach dem vermissten Speedflyer Harrison Fast.

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kaf / miw

Müde und angespannt sitzt Cassie Carothers im Hotel Staubbach in Lauterbrunnen. Die Cousine des vermissten Speedflyers Harrison Fast (28) muss im Gespräch mit 20 Minuten gegen die Tränen ankämpfen – doch die 36-Jährige gibt sich stark: «Wir geben mit der Suche nach Harrison erst auf, wenn wir ihn gefunden haben.» Ihr jüngerer Cousin gilt seit seinem Gleitschirmflug vom vergangenen Samstag als verschollen. Nach drei Tagen intensiver Fahndung brachen die Einsatzkräfte die aktive Suche am Montag ab. Die Berner Polizei versichert aber: «Wir haben alles Menschenmögliche versucht.»

Doch die Angehörigen aus Amerika wollen noch nicht aufgeben. «Im Herzen glaube ich, dass er noch lebt», so Carothers. Zusammen mit einem engem Freund Fasts hat sie in Lauterbrunnen eine grosse private Suchaktion auf die Beine gestellt. Auch die Mutter des Vermissten traf am Mittwochmorgen aus den USA ein, um nach ihrem Sohn zu suchen. Täglich fliegen sie in Helikoptern das Gebirge der Jungfrau-Region ab. 45 Franken pro Minute kostet die Suche aus dem Helikopter. Zusätzlich wurden auch zehn Drohnen angeschafft. Damit suchen sie tieferliegende Stellen ab, die von der Polizei noch nicht durchforstet wurden.

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Arbeitgeber übernahm Kosten für Flugtickets

Um die Aktion vor Ort zu finanzieren, wurde via Crowdfunding nach Spendern gesucht: 50'000 Dollar von rund 800 Supportern sind mittlerweile zusammengekommen. «Die Firma, bei der Harrison als Ingenieur arbeitet, hat uns zusätzlich die Flüge in die Schweiz bezahlt», erzählt Cousine Cassie Carothers. Auf Facebook speisen Verwandte die extra eingerichtete Seite «Harrison Fast Rescue» mit Updates und News. «So eine grosse private Suche nach einem Verschollenen habe ich hier noch nie erlebt», sagt der Lauterbrunner Gemeindepräsident Martin Säger.

Traurig, aber nicht ungewöhnlich für Lauterbrunnen

Der vermisste Amerikaner hatte sein Zimmer im lokalen Horner Pub gebucht. Eine Mitarbeiterin des dortigen Hostels beschäftigt der Fall: «Ich musste das Zimmer des jungen Mannes putzen – das Ganze macht mich so traurig.»

Es ist nicht die erste Tragödie, die das Lauterbrunnental überschattet: Immer wieder verunglücken Extremsportler in der dortigen Bergregion. An den Wänden der Herbergen hangen Bilder von verunglückten jungen Männern. «So traurig es sich auch anhören mag, wir haben uns an diese Unglücke gewöhnt», sagt ein einheimischer Wirt. Nur schon beim dortigen Basejumping sind in den letzten 20 Jahren über 40 Personen in den Tod gestürzt. Dennoch zieht es immer wieder neue Extremsportler ins Berner Oberland.

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