21.09.2020 08:39

Im Hôtel Bourbon sitzen Zünfter, Studis, Banker und Künstler am selben Tisch

Wo Banker neben Studierenden dinieren: Vergangene Woche öffnete das Hôtel Bourbon im Zürcher Zunfthaus zur Letzi seine Tore. Wir waren bei der Eröffnung dabei.

von
Zora Schaad
21.9.2020
Viel zu entdecken gibt es nicht nur für das Auge, auch die Speisekarte hält ein paar Überraschungen bereit. 

Viel zu entdecken gibt es nicht nur für das Auge, auch die Speisekarte hält ein paar Überraschungen bereit.

Die Gastgeber wünschen sich ein gemischtes Publikum, wo Künstlerinnen neben Zünftern Cocktails schlürfen, Banker neben Studierenden dinieren, man sich im Anzug wie auch in Sneakers wohlfühlt.

Die Gastgeber wünschen sich ein gemischtes Publikum, wo Künstlerinnen neben Zünftern Cocktails schlürfen, Banker neben Studierenden dinieren, man sich im Anzug wie auch in Sneakers wohlfühlt.

Vergangenen Mittwoch, einen Tag vor der Eröffnung, konnte 20 Minuten ein paar Blicke und Bissen erhaschen.

Vergangenen Mittwoch, einen Tag vor der Eröffnung, konnte 20 Minuten ein paar Blicke und Bissen erhaschen.

Stell dir eine Pariser Köchin vor, eben erst in die New Yorker Lower East Side gezogen, die ihre neuen amerikanischen Buddys zu einem Essen in ihrem Loft einladen will. Sie bereitet ein Menü zu, das französische Eleganz mit amerikanischer Lässigkeit paart von dieser Idee haben sich die Macher hinter dem neuen Zürcher Restaurant Hôtel Bourbon leiten lassen: bei der Anstellung der Köche, der Zusammenstellung der Karte, der Auswahl der Einrichtung.

«Be naked when I get home»

Auf den ersten Blick ist das Restaurant dann aber sehr «Züri»: Das Lokal befindet sich in einem Zunfthaus aus dem 12. Jahrhundert mitten in der Zürcher Altstadt. «Die Zunft zur Letzi ist offen und modern», sagt General Manager Daniel Senn. «Anders wäre das, was wir hier vorhaben, wohl nicht möglich gewesen.» Tatsächlich: Im Innern hängen Zunftwappen neben einem Ölgemälde, das Jesus mit einem Hamburger in der Hand zeigt.

Und unter der historischen Holzdecke wirft eine Leuchtschrift lila Buchstaben an die Wand: «Be naked when I get home». Dazwischen dunkles Parkett, Täfer, Hängelampen, Gummibäume und die unvermeidlichen Plexiglasscheiben zwischen den Tischen. Das also versteht die umtriebige Zürcher Gastro-Kompanie mit Thomas, Stephan und Kirtanya von Matt unter ihrem Motto «Paris küsst New York».

Beetroot Medley – das Highlight

Viel zu entdecken gibt es nicht nur für das Auge, auch die Speisekarte hält ein paar Überraschungen bereit. Auffallend ist das East Village Pâté aus geräucherter Rindsbrust, Feigen, Pickles und Gewürzen oder die auf der Gabel zerfallende, 18 Stunden lang geschmorte Lammschulter.

Die grösste Überraschung aber bietet das Beetroot Medley. Die Vorspeise aus gebackenen, rot-weiss gestreiften Chioggia-Randen mit Frischkäse, gepufften Körnern und Himbeeren an einem fruchtigen Balsamico-Dressing ist zum Tellerausschlecken fein.

Ein Gaumenschmaus: Beetroot Medley

Ein Gaumenschmaus: Beetroot Medley

Vielleicht ist es die gute Laune der Gastgeber oder der exzellente Zürcher Weisswein, dass wir es völlig locker nehmen, als der dritte Gang versehentlich vor dem zweiten Gang serviert wird. Warum nicht einmal alte Zöpfe abschneiden und Fisch nach Fleisch essen? Geht wunderbar, zumal sowieso jeder einzelne Gang schmeckt.

Hotdog für 30 Franken

Zunfthaus, gehobene Küche, französisches Flair: Das Hôtel Bourbon will kein steifes Restaurant für Gutbetuchte sein. «Bei uns kann man für 30 Franken Zmittag essen, inklusive Getränke», sagt Daniel Senn. «Und auch ein nicht ganz klassischer Hotdog steht auf der Karte, den man auf Wunsch an der Bar essen kann.»

Die Gastgeber wünschen sich ein gemischtes Publikum, wo Künstlerinnen neben Zünftern Cocktails schlürfen, Banker neben Studierenden dinieren, man sich im Anzug wie auch in Sneakers wohlfühlt. Nur übernachten kann man im Hôtel Bourbon nicht also bloss nicht vom Namen in die Irre führen lassen.

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