Japan-Blog: Im Izakaya geht es laut und lustig zu
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Japan-BlogIm Izakaya geht es laut und lustig zu

Essen gehen in Japan ist ein Vergnügen. Die ausgefeilten Speisen, die Sushi-Vielfalt und die Frische der Zutaten sind überall ein Gaumenschmaus.

von
Ronja Sakata

Ronja Sakata erzählt in ihrem heutigen Japan-Blog von den gemütlichen Beizen.

Am allerbesten gefällt es mir persönlich im Izakaya. Das ist der Inbegriff für eine japanische Beiz, in der es laut und lustig zu- und hergeht. Die Gerichte, die sogenannten Ippinroyuri, heissen so, weil sie auf einem kleinen Teller Platz haben. Wie in einer Tapasbar bestellt man sich unzählige Gerichte und teilt sie untereinander. Alle probieren kreuz und quer. Die beliebtesten Gerichte bestellt man einfach noch einmal nach.

Zum Essen wird allermeistens Bier gereicht. Reiswein – Sake – ist auch beliebt oder Shoochu, der japanische Schnaps, der on the Rocks oder mit Limonaden gemischt getrunken wird. Viele Japaner und Japanerinnen vertragen Alkohol gar nicht gut. Ein Freund von mir, Suzuki-san, ist jeweils nach einem kleinen Bier schon richtig betrunken. Er trinkt darum meistens Uroncha, den Oolong-Tee. Der ist zum Abendessen ein Standard für alle, die nicht trinkfest sind.

Der Kunde ist hier König

Shoochu- und Sake-Flaschen sehen dekorativ aus und sind meistens zu gross, um an einem Abend ausgetrunken zu werden. Darum gibt es in vielen Izakayas ein Gestell, wo die Flaschen mit einem schönen Namensschild daran aufbewahrt werden und auf den nächsten Besuch der Gäste warten: Kundenbindung über Alkoholflaschen.

Was muss man denn unbedingt essen in einem Izakaya? Es gibt immer regionale und saisonale Unterschiede. Die Karte ist umso persönlicher gefärbt, je kleiner das Lokal ist. Die 5 Gerichte, die allermeistens überall erhältlich sind:

1. Karaage: Frittierte Hühnerschenkelstückchen. Nie wieder kann man danach Chickennuggets essen. Meistens werden sie auf einem Berg Salat serviert.

2. Agedashi-Tofu: Frittierte Tofustückchen

3. Sashimi – roher Fisch, manchmal mit Fischkopf serviert

4. Okonomiyaki: Japanische Pizza

5. Salate, wie der «shakishakidaikonarada»: «Shakishaki» stellt das knackige Geräusch dar, welches beim Kauen entsteht, «daikon» heisst Rettich und «sarada» steht für Salat. Da es im Japanischen kein L gibt, steht da ein R.

Laut, aber herzlich

Was auffällt in einem Izakaya: Ständig schreit das ganze Team «Irasshaimase». Irgendwann wird klar, dass sie das immer machen, wenn eine neue Gästegruppe zur Tür hineinkommt. Irasshaimase bedeutet Willkommen. Beim Herausgehen erklingt der Chor wieder: Arigatou gozaimashita – Danke vielmals.

Die Herzlichkeit ist auch sonst viel ausgelassener, als in anderen Restaurants, wo es sehr zurückhaltend zugeht. Im Izakaya will die Bedienung sicher wissen, woher man kommt. Oder ein Selfie mit den Ausländerinnen zusammen machen.

In einer Stammbeiz wurde ich, als ich nach 2 Jahren zurück in Japan war, mit einem Teller überrascht, auf den sie mit Ketchup auf den Tellerrand geschrieben haben: «Willkommen zu Hause, Ronjalein.» So cool. So persönlich. So herzlich.

Izakaya goes Zürich

Damit es lustig zu- und hergeht, braucht man aber nicht regelmässig ins gleiche Lokal zu gehen. Ein Abend genügt, um die Superstimmung in einem Izakaya geniessen zu können. Einfach schauen, wo der Laden voll ist und die Sitzplätze knapp sind. Der Masterplan: Sich irgendwo dazwischenquetschen und mit «osusume wa nan desuka?» respektive «Was ist die Empfehlung des Hauses?» drauflosbestellen.

Wer Izakaya in der Schweiz erleben will, kann sich im brandneuen Lokal meines Herrn Gemahls, im Ooki in Zürich, vor Ort auf die nächste Japanreise freuen und sich ohne Sprachbarrieren durchs Angebot durchessen. www.ooki.tokyo

Ronja Sakata (38), geborene Müller, ist studierte Lebensmittelingenieurin. Vor 15 Jahren reiste sie für ein Praktikum erstmals nach Japan. Dort verliebte sie sich nicht nur in das Land, sondern auch in ihren jetzigen Mann, dem sie den klingenden Nachnamen zu verdanken hat. Ihr Insiderwissen hat Sakata in einem E-Book und Audios auf unterhaltsame Weise zusammengefasst. Sie bietet online auch einen Gratis-Japanischkurs an. Weitere Infos: Ronjasakata.com

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