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Wolfram Knorr«Im Kino muss es saften und bluten»

Filmkritiker Wolfram Knorr geht mit seinem neuen Buch «Geschmack im Film» dem kulinarischen Filmgenuss auf den Grund. Warum im Film gekocht und gegessen werden sollte, erklärt er im Interview gleich selbst.

von
Isabelle Riederer
Filmkritiker Wolfram Knorr wünscht sich mehr Genuss in der Filmküche.

Filmkritiker Wolfram Knorr wünscht sich mehr Genuss in der Filmküche.

Herr Knorr, wie kamen Sie auf die Idee für Ihr neues Buch?

Wolfram Knorr: Die Idee kam eigentlich vom Verlag, doch ich habe sofort zugesagt. Kino ist ein sinnliches Erlebnis und da sollte nebst Erotik und Gewalt auch das Essen eine Rolle spielen.

Sie mussten sich auf zwölf Filme mit zwölf Rezepten beschränken, war das schwierig?

Oh ja! Es gibt so viele Filme, eine Auswahl zu treffen war sehr schwierig. Mein Geschmack geht in die Richtung der westlichen Essgewohnheiten, in diesem Punkt ist die Auswahl auch etwas subjektiv.

Welches sind denn Ihre Lieblings­rezepte?

Also das Porterhouse Steak mit Bohnen und Kartoffeln aus dem Western «Der Mann, der Liberty Valance erschoss» ist schon ein tolles Gericht. Aber auch das englische Frühstück aus dem Hitchcock-Film «Frenzy» mag ich sehr.

Haben Sie die Rezepte auch selber gekocht?

Zwei Rezepte habe ich ausprobiert, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht wirklich ein guter Koch bin. Aber meine Frau ist eine begnadete Köchin.

An wen richtet sich Ihr Buch?

An Filmfreunde, die unter dem Kino keine asketische Kunstform verstehen, sondern ein sinnliches Vergnügen. Kino ist ein Totalbeschuss der Sinne.

Kommt das Essen im Film denn zu kurz?

Das Essen im Film wurde oft als nebensächlich bezeichnet, da es optisch zu wenig hergebe, das ist ein grosser Irrtum. Besonders im deutschsprachigen Film wird kaum gegessen, deshalb ist er auch so trocken. Im Kino sollte es saften und bluten wie in den Hollywoodfilmen.

Wolfram Knorr, «Geschmack im Film», Fr. 32.www.echtzeit.ch

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