04.06.2016 19:23

Schule der Zukunft

«Im Klassenzimmer soll man Minecraft spielen»

Das Tablet wird im Klassenzimmer gemäss Lehrerverband bald so essenziell wie das Etui sein – zur Freunde von Hersteller Microsoft.

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In Schweizer Schulzimmern sollen in den nächsten Jahren vermehrt Tablets eingesetzt werden.

In Schweizer Schulzimmern sollen in den nächsten Jahren vermehrt Tablets eingesetzt werden.

Auch Games sollen helfen, den Stoff zu verstehen.

Auch Games sollen helfen, den Stoff zu verstehen.

So zum Beispiel das Spiel Minecraft, bei dem man aus Klötzchen seine eigene Welt bauen kann.

So zum Beispiel das Spiel Minecraft, bei dem man aus Klötzchen seine eigene Welt bauen kann.

epa/Fredrik Sandberg

Der Schulalltag in der Schweiz soll revolutioniert werden, zumindest wenn es nach Microsoft geht. Der IT-Gigant lud am Freitag zahlreiche Lehrer, Schulleiter und andere Bildungsvertreter zur Tagung «Innovative Schools». Rund 130 Teilnehmern sollten die Möglichkeiten des digitalisierten Schulunterrichts näher gebracht werden. Die Vision von Microsoft ist, «jeden Schweizer Schüler und Lehrer bis in wenigen Jahren mit Technologie so auszurüsten, dass sie innovativ lernen und lehren können», wie der Bildungsverantwortliche Marc Weder erklärt. Tablets beispielsweise seien im Schulzimmer des 21. Jahrhunderts unerlässlich.

Besonders schmackhaft gemacht werden sollen die Geräte an der Tagung auch mittels eines spielerischen Zugangs. So heisst etwa einer der Kurse «Minecraft – Spielerisch lernen». Weder ist überzeugt vom pädagogischen Potenzial des Online-Games. Bei diesem kann man mit Blöcken seine eigene Welt schaffen und sich in dieser bewegen.

Als Beispiel nennt er seine Familienferien in Rom. «Wir gingen uns das Kolosseum anschauen, und als wir am Abend ins Hotel zurück kamen, wollten die Kinder das Bauwerk gleich in Minecraft nachbauen. Sie diskutierten und überlegten sich, wie man dies anstellen solle, und was wohin gehört.» In dieser Art und Weise sollten Schüler auch im Klassenzimmer Minecraft spielen, findet Weder. Früher habe man in der Schule vielleicht ein Poster zum Kolosseum gestaltet, die Digitalisierung biete hier einiges mehr an.

Das Videospiel Minecraft, hier in der Version für Wii U:

Es gehe auch darum, mit der digitalisierten Gesellschaft Schritt zu halten. «Wir benutzen ja sonst schon überall Smartphones, Tablets und Computer, wieso sollte diese Entwicklung vor der Schule Halt machen?», sagt Weder. Auch das Programmieren soll den Bildungsverantwortlichen mittels dem Kurs «Code your Life – Programmieren für Einsteiger» näher gebracht werden. Wichtig sei neben PC-Anwenderkenntnissen auch das «computational thinking», also zu denken wie ein Computer. Dabei helfe es sehr, zu wissen, wie die Programmierung einer Anwendung funktioniere.

«Bald so essenziell wie das Etui»

Beim Lehrerverband LCH rechnet man ebenfalls damit, dass Tablets bald flächendeckend eingesetzt werden. «Momentan sind es noch Pilotprojekte, doch schon in wenigen Jahren ist ein Tablet so essenziell wie heute ein Etui.» Um die Kosten im Rahmen zu halten, solle man auf eine «bring your own device» Strategie setzen, also dass Schüler ihr eigenes Gerät mitnehmen – wer keines habe, könne ein Reservegerät der Schule nutzen. Zemp betont, die Tablets würden aber keine Lehrperson ersetzen. «Pädagogisch gesehen ist ein Blick des Lehrers mehr Wert als 1000 Klicks auf dem Tablet.»

Laut Microsoft-Sprecher Weder hat sich die Rolle des Lehrers jedoch geändert. «Früher hatte der Lehrer das Wissensmonopol, heute kann man alles auch im Internet nachlesen.» Die Schüler müssten heute ihre Kreativität einsetzen, lernen Probleme zu lösen und in Teams zu arbeiten. «Das sind die Fähigkeiten, die man in Zukunft brauchen wird, denn die einfachen Aufgaben werden Computer erledigen.» Für die Recherche und die Zusammenarbeit seien Tablets essenziell.

Doch Tablets sind teuer – laut «Bund» sind die Kosten für Gemeinden, welche Tablets in Schulen einführten schnell «in die Hunderttausende von Franken gestiegen». Zu den erwarteten Absatzzielen im Schweizer Bildungsmarkt will sich Weder nicht äussern, und auch nicht, wie viele Tablets an Schulen verkauft werden sollen. Doch: «Der Bildungssektor umfasst in der Schweiz 1,5 Millionen Menschen.»

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