Offene Werkstatt: Im Klybeck versteckt sich ein Handwerker-Paradies
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Offene WerkstattIm Klybeck versteckt sich ein Handwerker-Paradies

Der Verein Macherschaft will kreatives Schaffen fördern. In einer offenen Werkstatt können sich Hobby-Handwerker vollends austoben.

von
rob

Ob Töpferscheibe, Nähmaschine oder Kreissäge: In der offenen Werkstatt der Macherschaft finden Handfertige alles, was sie brauchen. Video: rob

«Das Projekt ist überwältigend angelaufen», sagt Nicolai Diamant. Er ist für die Kommunikation des Vereins Macherschaft zuständig. Mit dem Projekt meint er die offene Werkstatt des Vereins in der alten Aktienmühle im Basler Klybeck, die Ende Juni grosse Eröffnung feierte. Rund 90 Mitglieder hat die Macherschaft momentan – eine solche Zahl hatte man eigentlich erst bis Ende Jahr erwartet.

Vorstandsmitglied Ramon Müller führt durch die jungen Räume in der Aktienmühle. Es riecht nach Holzspänen und Velo-Pneus, im Hintergrund fräst unerbittlich die Kreissäge. «Wir wollen die Leute aus ihren Kellern herauskitzeln», erzählt der Technische Glasbläser. Hier soll gemeinsam gewerkelt und das Wissen, das jeder mitbringt, geteilt werden. Sechs verschiedene Abteilungen wie eine Holzwerkstatt, ein Näh-Atelier oder ein Labor stehen Handwerks-Begeisterten dabei zur Verfügung.

Die Mitglieder müssen selbst anpacken

Der Verein wurde von den vier ehrenamtlich arbeitenden Vorstandsmitgliedern 2016 gegründet. Begonnen hatte alles mit einem freundschaftlichen Treffen in einem Café Ende 2014. «Wir sind alle hobbymässig oder beruflich handwerklich tätig und wollten gemeinsam etwas aufziehen», so Müller. Kostenlos durften sie sich im Werkhof im Gundeli einmieten.

Die Resonanz aus dem Quartier auf das «Pilotprojekt», wie es der 33-jährige Müller nennt, fiel so gut aus, dass man die Idee weiterziehen und vergrössern wollte. Stiftungen sprachen in der Folge Geld und ermöglichten einen Einzug zu reduziertem Mietzins in die Aktienmühle, die zig Kleinkunsthandwerker aus allen Branchen beheimatet und mit Restaurant und Bar auch fürs leibliche Wohl sorgt.

«Wir sind stark partizipativ», sagt Müller. Der Verein stellt Raum, Equipment und zu günstigen Preisen erhältliches Material. Alles andere muss von den Mitgliedern, die sich aus allen Altersgruppen zusammensetzen, selbst kommen. Es sollen Gruppen entstehen, die sich um die jeweilige Abteilung kümmern. Für die Holz-Werkstatt habe man zum Beispiel einen pensionierten Schreiner ins Boot holen können, der sein Know-how mit den restlichen Mitgliedern teilt.

Für Greenhorns gibt es auch Workshops

Wer noch gar nicht weiss, was er mit seinen Händen anfangen soll, kann auch einen der kostenpflichtigen Workshops besuchen, die ein bis zwei Mal pro Monat stattfinden. Das Angebot reicht von der Kunst des Buchbindens bis hin zu Velo-Flick-Basics.

Wer zu den regulären Öffnungszeiten werkeln will, muss jedoch Mitglied sein. Drei Formen stellt der Verein dabei zur Auswahl: Als vollumfängliches Mitglied zahlt man jährlich 240 Franken, darf die Werkstatt ohne zusätzliche Kosten nutzen und im Verein mitreden. Als Nutzer bezahlt man 60 Franken im Jahr und zusätzliche vier Franken pro Stunde, die man in der Mühle verbringt. Wer mehr als 240 Franken pro Jahr zahlt, wird zum Gönner und gleichzeitig zum Mitglied der Macherschaft.

Nach dem geglückten Start denkt die Macherschaft bereits weiter: «Unser Ziel ist es, in fünf Jahren selbsttragend zu sein», so Müller. Eine Idee sei es auch, bereits bestehende Quartier-Werkstätten miteinander zu verbinden und so ein umfassendes Netzwerk für Hobby-Handwerker zu schaffen. «Das ist aber noch Zukunftsmusik.»

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