Welternährungsgipfel: Im Kongo wird am meisten gehungert
Aktualisiert

WelternährungsgipfelIm Kongo wird am meisten gehungert

Armut, Konflikte und politische Instabilität haben zur Folge, dass weltweit rund eine Milliarde Menschen Hunger leiden. Die Lage ist «extrem alarmierend».

Motombe Nyeba aus dem Kongo ist 15 Jahre alt und leidet an Unterernährung.

Motombe Nyeba aus dem Kongo ist 15 Jahre alt und leidet an Unterernährung.

Die meisten von den Hungerleidenden leben in Afrika und Asien, wie aus dem am Montag veröffentlichten Welthungerindex hervorgeht. Demnach ist die Hungersituation in 29 Entwicklungsländern «alarmierend» oder sogar «extrem alarmierend». Mit Ausnahme von Haiti und dem Jemen liegen alle dieser Länder in Afrika. Besonders dramatisch ist die Lage in der Demokratischen Republik Kongo, in Burundi, Eritrea und im Tschad.

Für ihre Untersuchung werteten das Forschungsinstitut IFPRI, die Hilfsorganisation Concern Worldwide und die Welthungerhilfe Daten aus 122 Ländern aus. Verglichen wurden der Anteil unterernährter Menschen, die Zahl untergewichtiger Kinder und die Kindersterblichkeit.

Im Kongo herrscht seit mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg. Dies hat laut den Autoren der Studie zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft, zu massiven Vertreibungen und zu einer ständigen Nahrungsmittel-Unsicherheit geführt. Gemäss dem Index sind im Kongo drei Viertel der Bevölkerung unterernährt. Die Kindersterblichkeit ist dort eine der höchsten weltweit.

Kindheit entscheidend

Die Mangelernährung bei Kindern unter zwei Jahren stellt laut der Welthungerhilfe eine der grössten Herausforderungen im Kampf gegen den Hunger dar. Sie hat lebenslange Auswirkungen auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Betroffenen.

«Mütter, die als Kind schlecht ernährt waren, bringen häufig untergewichtige Kinder zur Welt. Diesen Teufelskreis der Unterernährung müssen wir durch konsequente Beratung und Förderung der ländlichen Entwicklung durchbrechen», sagte Bärbel Dieckmann, Präsidentin der deutschen Welthungerhilfe, in Bonn.

Die Studie wurde anlässlich des Welternährungsgipfels veröffentlicht, der am Montag in Rom begann. Im Mittelpunkt des einwöchigen Treffens des UNO-Welternährungsausschusses steht die Suche nach Lösungen im Kampf gegen den Hunger. Die internationale Gemeinschaft will die Zahl der Hungernden bis 2015 halbieren.

(sda)

Suche nach neuen Wegen im Kampf gegen den Hunger

Der UNO-Welternährungsausschuss sucht in dieser Woche in Rom neue Wege im Kampf gegen Hunger und Unterernährung. Vertreter von Regierungen, Zivilgesellschaft und der UNO erörtern seit Montag, wie die Versorgung auch in längeren Krisen verbessert und massive Preisschwankungen eingedämmt werden können.

Der Chef der UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO), Jacques Diouf (Bild), warnte zu Beginn des einwöchigen Treffens in der italienischen Hauptstadt, dass weltweit 30 Staaten aufgrund ernsthafter Nahrungsmittelknappheit auf Nothilfe angewiesen seien. Diouf beklagte die zunehmende Instabilität des Handels mit Nahrungsmitteln auf dem Weltmarkt.

Zahlreiche Fachminister werden auf der Tagung am FAO-Hauptsitz erwartet. Die Schweiz ist mit Hans-Jörg Lehmann, dem ständigen Vertreter der Schweiz bei der FAO, und einem Experten des Bundesamtes für Landwirtschaft, präsent. (sda)

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