Im Kunsthandel sind wir Nummer Vier

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Im Kunsthandel sind wir Nummer Vier

Die Schweiz will mit der Türkei ein Abkommen über die Rückführung von Kulturgütern erzielen. Als Nummer Vier im weltweiten Kunsthandel will die Schweiz den Kulturgüterschutz erstnehmen.

Bundesrat Pascal Couchepin und der türkische Kulturminister Atilla Koç getroffen.

Nach dem Austausch auf Ministerebene hätten die zuständigen Experten sofort die Arbeit aufgenommen, sagte Jean-Marc Crevoisier, der Sprecher von Couchepins Eidgenössischem Departement des Innern (EDI), am Montag. Die Türkei würde nach Italien und Peru für die Schweiz das dritte Land, mit dem ein solches Übereinkommen abgeschlossen würde.

Für Koç und Couchepin liegt ein Rückführungsabkommen für Kulturgüter im Interesse beider Länder. Als Nummer Vier im weltweiten Kunsthandel hinter den USA, Grossbritannien und Frankreich will die Schweiz zeigen, dass sie den Kulturgüterschutz respektiert. Auf Seiten der Türkei sei der Schutz insbesondere für den hochklassigen Tourismus wichtig, sagte der EDI-Sprecher.

Das Abkommen soll das Kulturerbe schützen, indem der Import von Kunstgegenständen geregelt wird. Die Türkei verfügt über bedeutende Zeugnisse der klassischen Antike, Byzanz sowie modernerer Epochen.

Wie Crevoisier weiter sagte, will die Türkei ihr Image in der Schweiz verbessern. Dieses Image hatte durch Ausschreitungen am WM- Barragespiel Türkei-Schweiz am 16. November 2005 in Istanbul und unter der Polemik um den Völkermord an den Armeniern gelitten.

Breitgefächertes Besuchsprogramm

Am Dienstag trifft Couchepin drei Minister und stattet dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan einen Höflichkeitsbesuch ab. Weiter spricht er mit Bildungsminister Hüseyin Celik, Arbeits- und Sozialminister Murat Basesgioglu und dem für den interkulturellen Dialog zuständigen Staatsminister Mehmet Aydin.

Mittwoch und Donnerstag reist der Bundesrat in den Südosten der Türkei, wo eine kurdische Bevölkerungsmehrheit lebt. Er trifft dort mit lokalen Behördenvertretern zusammen. Zudem besucht er von der Schweiz unterstützte Kooperationsprojekte.

Am Freitag findet in Istanbul ein Treffen mit türkischen Intellektuellen statt.

Couchepin spricht Armenier-Frage an

Couchepin ist innert vier Monaten der zweite Bundesrat, der in das Land am Bosporus reist. Christoph Blocher hatte bei seiner Reise mit Äusserungen über die Antirassismus-Strafnorm im Zusammenhang mit dem Genozid des osmanischen Reiches an den Armeniern viel Staub aufgewirbelt. Couchepin bezeichnete die Aussagen Blochers als «inakzeptabel».

Er will bei seinem Besuch die Armenier-Frage aufs Tapet bringen, wie er am Sonntag in einem Interview mit dem Westschweizer Radio RSR sagte.

Armenien wirft dem Osmanischen Reich als Vorläufer der Türkei vor, 1915 eineinhalb Millionen Armenier bei Vertreibungen gezielt ermordet zu haben. Die Armenierfrage sorgt regelmässig für Spannungen zwischen der Schweiz und der türkischen Regierung.

So wurden deswegen bereits Besuche von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und des damaligen Bundesrats Joseph Deiss abgesagt. Auf Bundesebene hat der Nationalrat den Armenier-Genozid offiziell anerkannt.

(sda)

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