Aktualisiert 14.07.2009 08:35

Armstrong vs. ContadorIm Mannschaftsbus flogen die Fetzen

Bei der Tour de France war gestern Montag Ruhetag, aber beim Astana-Team herrschte alles andere als Ruhe. Im Teambus ist der Machtkampf zwischen Armstrong und Contador vollends entbrannt. Die beiden werden sich in Zukunft vermutlich noch mehr bekämpfen.

von
Herbie Egli

Eigentlich hätten die Astana-Fahrer am Ruhetag ihre Beine richtig hochlagern können, denn die kasachische Mannschaft hat die Tour de France fest im Griff. Sie kontrolliert das Renngeschehen und niemand zweifelt daran, dass am Schluss in Paris einer mit den Trikotfarben Blau-Gelb zuoberst auf dem Podest stehen wird. Die Frage lautet nur: Armstrong oder Contador?

«Was gesagt wurde, bleibt im Bus»

Während der 9. Etappe am Sonntag über den Col d'Aspin und den Col du Tourmalet hielten sich die Kampfhähne Armstrong und Contador zurück. Sie fuhren im Dienst der Mannschaft und trugen keine Geplänkel untereinander aus. Aber am Freitag, als es nach Andorra-Arcalis hoch ging, attackierte Alberto Contador kurz vor dem Ziel und distanzierte Lance Armstrong im Gesamtklassement schlussendlich um zwei Sekunden. Danach soll es im Mannschaftsbus mächtig Zoff gegeben haben, berichtet die «Bild». Den genauen Wortlaut kennt man nicht und Astana-Teamchef Johann Bruyneel wird so zitiert: «Was im Bus gesagt wurde, bleibt im Bus.»

Die Attacke von Contador stellte aber nur die Hierarchie im Team wieder her. Armstrong brachte diese während der 3. Etappe von Marseille nach La Grande-Motte nämlich gehörig durcheinander, als er rund 30 Kilometer vor dem Ziel mit einer Fluchtgruppe dem Feld und damit seinem Kapitän entwich. Schlussendlich liess er diesen im Gesamtklassement 19 Sekunden hinter sich. Dies, obwohl eine goldene Regel im Radsport besagt, man fahre für den Kapitän - und genau dies tat Armstrong nicht.

Die schwierige Aufgabe von Bruyneel

Wenn die Tour de France heute Dienstag ihren Rennbetrieb wieder aufnimmt, wird Bruyneel zuerst von schwierigen Entscheiden verschont. Die nächsten Etappen sind etwas für Sprinter oder Ausreissergruppen und in die Berge geht es erst am Wochenende wieder so richtig, darunter die Ankunft in Verbier am nächsten Sonntag. Dort wird der Kampf Armstrong/Contador sicher wieder neu entfacht, ausser es halten sich beide an die Anweisungen ihres sportlichen Leiters Johann Bruyneel.

Der 44-jährige Belgier - langjähriger Weggefährte von Lance Armstrong - ist um seinen Job wirklich nicht zu beneiden. Er war bei den sieben Tour-Siegen von Armstrong (1999 bis 2005) schon sein sportlicher Leiter und möchte ihm noch so gerne zu einem achten Erfolg verhelfen. Doch mit Alberto Contador fährt der Tour-Sieger von 2007 in der gleichen Equipe. Der Spanier ist auch der eigentliche Kapitän der Mannschaft.

Dieses Team könnte aber schon bald nicht mehr in dieser Konstellation zusammenfahren. Denn es gibt hartnäckige Gerüchte, dass Dopingsünder Alexander Winokourow Ende Juli nach seiner zweijährigen Sperre zurückkommt und Armstrong sowie Bruyneel gehen sollen. Die Kasachen möchten ein Team mit ihrem Volkshelden Winokourow und Contador als einzigem Kapitän.

Formel-1-Pilot Alonso will Contador-Team

Der spanische Formel-1-Fahrer Fernando Alonso plant laut der spanischen Sportzeitung «Marca», einen Radrennstall mit seinem Landsmann Alberto Contador als Zugpferd zu gründen. Als Geldgeber sollen die spanische Banco Santander oder auch Alonsos derzeitiger Arbeitgeber Renault fungieren. Laut «Marca» hat der Ex-Weltmeister bereits mit Contador gesprochen. Der Toursieger von 2007 und Favorit auf den Gesamtsieg in diesem Jahr steht noch ein Jahr bei Astana unter Vertrag, sei aber von den Plänen begeistert.

Neben Contador hegt auch Armstrong Zukunftspläne. Er hat angekündigt, nächste Saison noch stärker zu sein und die Tour de France mit einem eigenen Team bestreiten zu wollen. Und wer weiss, vielleicht ist Johann Bruyneel als sportlicher Leiter auch wieder dabei.

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