Aktualisiert 19.08.2009 15:50

UmweltverschmutzungIm Meer wird Plastik zu Gift

Plastikmüll im Meer wird schon bei niedrigen Temperaturen teilweise abgebaut. Auch bisher als stabil geltende Kunststoffe setzen dadurch umweltschädigende Gifte frei.

Nach dem extrem beständigen und in den meisten Ländern inzwischen verbotenen Insektengift DDT, Pestiziden und Erdöl gerät eine neue Quelle für Chemikalien, die die Meere verschmutzen, immer mehr in den Fokus von Forschern: Plastikmüll. Wie viel davon täglich in die Weltmeere gelangt, kann niemand genau sagen. Saido schätzt die Menge, die allein in Japan pro Jahr angespült wird, auf 150.000 Tonnen. Zwischen Kalifornien und Hawaii treibt ein Müllteppich im Pazifik, dessen Ausmass viermal die Fläche Deutschlands umfasst. Bisher gingen Ökologen davon aus, dass der Müll für Tiere vor allem ein Problem darstellt, wenn sie sich in ihm verfangen und ersticken, oder wenn sie ihn fressen. In fast jedem Wildtier, das seziert wird, finden sich denn auch unverdauliche Plastikteile. Da der Kunststoff im Alltag aber sehr robust ist, gingen Forscher davon aus, dass er auch im Meer stabil bleibt und wenn, dann erst nach langer Zeit chemisch abgebaut wird. Nun zeigten Saido und sein Team aber, dass Plastik sehr wohl umweltschädigende Chemikalien freisetzt und dies schon nach kurzer Zeit, wenn er Sonne, Regen, Wind und Strömungen ausgesetzt ist.

Um den Ablauf dieser Prozesse zu erforschen, entwickelte Saidos Team eine neue Methode, die den Abbau von Plastikprodukten bei niedrigen Temperaturen simulieren kann. Ihre Ergebnisse deckten sich sehr genau mit den im Meer gemessenen Konzentrationen der untersuchten Schadstoffe. Die Gifte, über deren Ursprung bisher nur spekuliert werden konnte, stammen also vom Plastikmüll, zumal sie in der Natur ohne menschliches Zutun nirgends vorkommen.

Das Problem würde selbst dann nicht aus der Welt geschafft, wenn ab sofort kein Plastik mehr produziert würde. Diese neue Quelle globaler Verschmutzung werde vielmehr noch lange bestehen, erklärt Saido. Momentan ist weder ein Stopp der Verschmutzung noch eine Methode, die Schadstoffe zu sammeln oder aus dem Wasser zu filtern, in Sicht.

Martina Bisculm, wissenschaft.de

Forschung um den Japaner Katsuhiko Saido von der Nihon-Universität in Chiba. Vorgestellt wurden die ersten Resultate ihrer Studie beim Treffen der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft in Washington.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.