Wegen Zertifikatspflicht - «Im Moment erhalte ich auf zwei neue Anmeldungen 15 Kündigungen»
Aktualisiert

Wegen Zertifikatspflicht«Im Moment erhalte ich auf zwei neue Anmeldungen 15 Kündigungen»

Seit Montag gilt in Restaurants und Fitnesscentern die Zertifikatspflicht. In der Fitnessbranche hagelt es nun Kündigungen. Gastrobetriebe haben dank schönem Wetter noch viele Gäste.

von
Barbara Scherer
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Wer ins Fitness will, muss jetzt ein Zertifikat vorweisen, dass man genesen, geimpft oder getestet ist.

Wer ins Fitness will, muss jetzt ein Zertifikat vorweisen, dass man genesen, geimpft oder getestet ist.

20min/Marco Zangger
Das passt vielen nicht: Die Branche erhält viele Kündigungen. 

Das passt vielen nicht: Die Branche erhält viele Kündigungen.

20min/Marco Zangger
«Im Moment erhalte ich auf zwei neue Anmeldungen 15 Kündigungen», sagt Claude Ammann, Betreiber eines Fitnessstudios in Solothurn und Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verbands.

«Im Moment erhalte ich auf zwei neue Anmeldungen 15 Kündigungen», sagt Claude Ammann, Betreiber eines Fitnessstudios in Solothurn und Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verbands.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Seit Montag brauchen alle Personen über 16 Jahren ein Zertifikat (geimpft, genesen oder getestet) für den Zutritt zu Restaurants und Fitnesscentern.

  • Die Fitnessbranche verzeichnet darum bereits viele Abo-Kündigungen.

  • Die Gastrobranche profitiert zurzeit vom schönen Wetter.

  • Sobald das Wetter schlechter wird, rechnen aber viele Restaurants mit weniger Gästen.

Wer ins Restaurant oder Fitnesscenter will, kann das seit Montagmorgen nur noch mit einem Covid-Zertifikat tun. Viele Betriebe befürchten, dass die Kundinnen und Kunden darum fern bleiben werden und es zu grossen Umsatzeinbussen kommen wird. In der Fitnessbranche ist das bereits passiert.

«Im Moment erhalte ich auf zwei neue Anmeldungen 15 Kündigungen», sagt Claude Ammann, Betreiber eines Fitnessstudios in Solothurn und Präsident des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenter-Verbands (SFGV). Sein Umsatz breche damit zurzeit um rund zehn Prozent ein.

Grössere Fitnesscenter, die vor allem junge Kundinnen und Kunden bedienen, erhalten laut Ammann noch viel mehr Kündigungen. «Das ist echt bitter.» Für Ammann ist deshalb klar: Die Zertifikatspflicht sei ein Schuss nach hinten. Der SFGV fordere eine Entschädigung vom Bund für diesen Umsatzeinbruch.

So würden Fitnesscenter noch viel mehr Kundinnen und Kunden verlieren und Umsatzeinbussen haben. «Denn viele lassen ihr Fitness-Abo einfach auslaufen und erneuern es nicht. Das spüren wir finanziell erst in drei bis vier Wochen», erklärt Ammann. Die Zertifikatspflicht ruiniere der Fitnessbranche das ganze Wintergeschäft.

Keine Zertifikatspflicht bei Gruppen unter 30 Personen

Von der Zertifikatspflicht ausgenommen sind Aktivitäten, die in abgetrennten Räumlichkeiten in einem Verein oder in einer anderen beständigen Gruppe von höchstens 30 Personen, die dem Organisator bekannt sind, regelmässig ausgeübt werden. Auch schreibt die Verordnung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) eine wirksame Lüftung vor. Darum können etwa viele Yoga-Kurse ohne Zertifikat fortgeführt werden. Gewisse Fitnesscenter nutzen diese Regelung auch und teilen die Kundinnen und Kunden zeitlich in Gruppen ein, damit diese weiter trainieren können.

Die Zertifikatspflicht sei eine enorme Belastung für die Fitnessbranche, bestätigt Roger Erni, Geschäftsführer der IG Fitness: «Wir rechnen mit Umsatzeinbussen von bis zu 40 Prozent in den nächsten Wochen.» Dabei kämpfe der Grossteil der Fitnesscenter seit Beginn der Pandemie ums Überleben.

«Dieser Kampf geht wegen des Zertifikats weiter», so Erni. Bis sich die Fitnessbranche finanziell von der Corona-Krise erholen werde, dauert es sich sicher drei bis vier Jahre – wenn nicht noch länger.

Viele Restaurantbesucher dank schönem Wetter

Weniger Probleme hat die Gastrobranche. «Heute war wunderschönes Wetter, da waren alle Restaurants voll am Mittag», sagt etwa Franz Sepp Caluori, Präsident von Gastro Graubünden. Trotzdem rechnet er mit Umsatzeinbussen in nächster Zeit.

«Sobald es mal schlechtes Wetter wird, werden sicher einige Gäste nicht auftauchen», so Caluori. Er rechnet mit bis zu 20 Prozent weniger Umsatz. Doch der Bündner ist zuversichtlich, dass sich die Umsätze zum Winter hin wieder stabilisieren: «Wenn sich die Leute daran gewöhnt haben, kommen sie trotz Zertifikat wieder in die Beiz.»

Ähnlich klingt es beim Gastroverband Nidwalden. Dank dem schönen Wetter seien die Restaurants gut besucht gewesen, sagt Verbandspräsidentin Nathalie Hoffmann auf Anfrage. «In den nächsten Tagen, wenn das Wetter kehrt, wird sich zeigen, wie es weiter geht.» Sie rechnet, dass es dann zu Umsatzeinbussen kommen wird.

«Es war fast wie vor der Corona-Krise»

Der Zürcher Gastronom Dominique Godat zieht ebenfalls eine positive Bilanz. Obwohl das Restaurant Kronenhalle keine Terrasse hat, seien so viele Gäste wie immer aufgetaucht. Dabei hätten sich viele gefreut, dass sie nun keine Maske mehr tragen müssen. «Es war fast wie vor der Corona-Krise», so Godat.

Nur wenige hätten sich über die Zertifikatspflicht genervt, sagt auch der Zürcher Gastronom Nico Maeder. Zurzeit sei das Zertifikat für das Personal noch eine Herausforderung: «Es muss sich erst noch einspielen, dass das Servicepersonal gleich am Eingang das Zertifikat kontrolliert.»

Weniger Gäste verzeichnet hingegen Ikea in den Restaurants, wie es auf Anfrage heisst. Dafür sei die Nachfrage nach den Take-away-Ständen in den Möbelhäusern grösser als gewohnt gewesen.

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