Aktualisiert 08.09.2009 17:14

KriegsverbrecherIm Oktober wird Karadzic der Prozess gemacht

Der Kriegsverbrecher-Prozess gegen den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic beginnt laut Angaben von Richter O-Gon Kwon vom Internationalen Kriegsverbrecher-Tribunal für Ex-Jugoslawien voraussichtlich am 19. Oktober.

Karadzic muss sich wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes während des Bosnien-Kriegs (1992- 1995) vor dem UNO-Tribunal verantworten. Er war im Juli 2008 nach einem 13 Jahre langen Versteckspiel in der serbischen Hauptstadt Belgrad gefasst worden.

Vergangene Woche hatte Karadzic darum gebeten, dass der Prozess frühestens in zehn Monaten beginne, damit er sich besser darauf vorbereiten könne. Die Anklageschrift umfasst rund 938'000 Seiten. Ursprünglich sollte der Prozess im September beginnen.

Verfahren soll beschleunigt werden

Für den 6. Oktober setzte der südkoreanische Richter die voraussichtlich letzte Vor-Anhörung an. Zuvor hatte O-Gon Kwon die Staatsanwaltschaft bereits angewiesen, die geplante Beweisführung vor dem UNO-Tribunal zu straffen und die Zahl der anzuhörenden Zeugen zu reduzieren.

Jetzt verlangte er eine noch weitergehende Konzentration der Beweisführung auf die wichtigsten Vorwürfe gegen den Angeklagten. Hintergrund sind Befürchtungen, dass sich der Karadzic-Prozess über etliche Jahre hinziehen würde.

So verwiesen Beobachter auf das Marathon-Verfahren gegen den ehemaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic, der ebenfalls wegen Völkermordes sowie Kriegsverbrechen in etlichen Fällen angeklagt war.

Milosevic starb im März 2006 im Alter von 64 Jahren im Haager Untersuchungsgefängnis des UNO-Tribunals - fünf Jahre nach seiner Auslieferung, ohne dass ein Ende seines Prozesses absehbar war.

Karadzic-Vertrauter nach Grossbirtannien verlegt

Ebenfalls am Dienstag teilte das Kriegsverbrecher-Tribunal mit, dass Momcilo Krajisnik den Rest seiner Haftstrafe in Grossbritannien absitzen soll.

Der ehemalige Vertraute von Karadzic war 2006 zunächst zu 27 Jahren Haft verurteilt worden. Dieses Jahr verkürzte das Gericht die Strafe um sieben Jahre, da es keine ausreichenden Beweise für die Anklagepunkte Mord und Völkermord sah. Die Verurteilung wegen Verfolgung und Vertreibung blieb jedoch gültig.

Während des Verfahrens hatte auch Karadzic zugunsten seines früheren Verbündeten ausgesagt. Das Haager Tribunal sah es jedoch als erwiesen an, dass Krajisnik eine zentrale Rolle bei der ethnischen Säuberung in Bosnien gespielt hatte, die sich gegen Kroaten und Muslime richtete. (sda)

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