Aktualisiert 12.02.2020 20:41

WEF absurd

Im Privatjet reisen und übers Klima debattieren

Der Klimawandel sei eine der grössten Gefahren für die Weltwirtschaft, erklärt ein Risikobericht des WEF. Dennoch sorgt das WEF für über 1500 Privatjet-Flüge.

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dk
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Während des WEF reisen zahlreiche Gäste mit dem eigenen Privatjet an. Nicht nur ausländische Delegationen setzen auf private Flugzeuge (hier im Bild: Das Flugzeug der brasilianischen Delegation am 23. Januar 2019), sondern auch Wirtschaftsführer und Lobbyisten finden vermehrt Gefallen daran.

Während des WEF reisen zahlreiche Gäste mit dem eigenen Privatjet an. Nicht nur ausländische Delegationen setzen auf private Flugzeuge (hier im Bild: Das Flugzeug der brasilianischen Delegation am 23. Januar 2019), sondern auch Wirtschaftsführer und Lobbyisten finden vermehrt Gefallen daran.

Keystone/Walter Bieri
So etwa der US-amerikanische Unternehmer Bill Gates, der am 22. Januar 2019 am Flughafen Zürich von seinem Privatjet direkt in einen Helikopter umsteigt, um zum WEF zu gelangen.

So etwa der US-amerikanische Unternehmer Bill Gates, der am 22. Januar 2019 am Flughafen Zürich von seinem Privatjet direkt in einen Helikopter umsteigt, um zum WEF zu gelangen.

Keystone/Ennio Leanza
Das Reisen im Charter-Jet ist nicht gerade günstig: Über 10'000 Franken kostet etwa ein Flug von London nach Zürich.

Das Reisen im Charter-Jet ist nicht gerade günstig: Über 10'000 Franken kostet etwa ein Flug von London nach Zürich.

Keystone/Walter Bieri

Mit dem Privatjet nach Zürich, dem Helikopter nach Davos und dem Maserati direkt ins mondäne Hotel in Davos. Zahlreiche Gäste des diesjährigen WEF lassen es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, standesgemäss anzufliegen. Über 10'000 Franken kostet etwa ein Flug von London nach Zürich, hinzu kommen dann nochmals mehr als 10'000 Franken, wenn man mit dem Helikopter nach Davos fliegen will.

Kaum eine andere Tätigkeit belastet das Klima so stark wie das Fliegen. Trotz der hohen CO2-Emissionen und den Kosten nehmen Flüge mit privaten oder gecharterten Flugzeugen oder Helikoptern aber immer weiter zu – so auch am WEF. Obwohl die Delegationen von Trump, May und Macron fehlen, werden allein diese Woche 1500 Privatflugzeuge im Zusammenhang mit dem WEF erwartet, schätzt das Charterflug-Unternehmen Air Charter Service (ACS). Letztes Jahr waren es noch 1300 Flüge gewesen, ein Anstieg also von 11 Prozent gegenüber 2017.

Grössere und teurere Flugzeuge

Bei Politikern, CEOs und Lobbyisten beobachtet Andy Christie, Direktor für Privatjets beim ACS, einen Trend. «Es gibt eine Tendenz hin zu grösseren und teureren Jets, so etwa zum Gulfstream GV oder dem Global Express», sagt Christie. Dies läge einerseits an den längeren zurückgelegten Distanzen. «Es könnte aber auch daran liegen, dass Flugzeugeigentümer nicht vom Konkurrenten übertrumpft werden wollen.»

Es scheint, als verhallten die gut gemeinten Ratschläge von Sir David Attenborough ungehört. Erst am Dienstag hatte er im Gespräch mit Prinz William dazu aufgerufen, Sorge zur Umwelt zu tragen. «Jeder Atemzug, jedes Mahl, alles, was wir trinken, kommt aus unserer Umwelt. Wenn wir der Umwelt schaden, schaden wir uns selbst», sagte Attenborough. Auch das World Economic Forum selbst hat reagiert: Falls der Klimawandel nicht abgemildert werden kann, stelle er eine der grössten Gefahren für die Weltwirtschaft dar, so der Risikobericht des WEF.

CO2-Ausstoss deklarieren

Für SP-Nationalrat Roger Nordmann sind die Privatflugzeugflüge ein Ärgernis: «Man könnte auch First Class in einem Linienflugzeug fliegen und damit viel CO2 einsparen.» Er echauffiert sich vor allem über den «krassen Widerspruch» zum offiziellen WEF-Diskurs, wonach der Klimawandel die grösste Sorge der heutigen Zeit sei. «Diese Wichtigtuerei der WEF-Teilnehmer zeigt, dass die angebliche Sorge um das Klima blosse Worthülsen sind.» Nordmann fordert das WEF zum Handeln auf: «Das WEF muss jetzt Transparenz zeigen und deklarieren, welcher CO2-Ausstoss im Zusammenhang mit dem Treffen verursacht wird.»

Für Duri Campell ist diese Forderung reiner Aktionismus. Der Bündner Nationalrat der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BD) sieht das WEF auf dem richtigen Weg. «Man hat die ÖV-Verbindungen zum WEF in den letzten Jahren wesentlich ausgebaut», so Campell. Den WEF-Gästen vorschreiben zu wollen, wie sie von ihrem Land aus in die Schweiz reisen sollen, würde zu weit gehen. Vielmehr sollte die grosse Attraktivität des Weltwirtschaftsforums positiv gewertet werden. «Davos und damit die Schweiz ist während einer ganzen Woche auf der ganzen Welt präsent. Man kann halt nicht den Fünfer und auch das Weggli haben.»

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