Aktualisiert 13.11.2007 10:57

Im Saufen sind die Deutschen Spitze

Nirgendwo sonst in Europa ist der Pro-Kopf-Konsum so hoch wie in Deutschland. Unsere nördlichen Nachbarn führen mit zehn Litern reinen Alkohols pro Kopf und Jahr die europäische Trinker-Liga an.

«Deutschland nimmt beim Alkoholkonsum eine traurige Spitzenposition ein», sagte Jürgen Rehm, Leiter des Dresdner Instituts für klinische Psychologie und Psychotherapie.

Die Folgen des hohen Konsums seien verheerend: So stiegen die Risiken für Krebserkrankungen ab einer täglichen Dosis von 10 bis 12 Gramm bei Frauen und 20 bis 24 Gramm Alkohol pro Tag bei Männern erheblich. Diese Dosis entspreche einer Menge von einem beziehungsweise zwei Gläsern Rotwein. Bei einer Flasche Wein am Tag sei das Risiko, an Mund- oder Speiseröhrenkrebs zu erkranken, 18 Mal so hoch wie gewöhnlich. Würden zudem noch Zigaretten geraucht, steigt das Risiko laut DHS auf einen Faktor von 44.

Rehm forderte deshalb eine gesonderte Steuer, die sich am Alkoholgehalt eines Getränks orientiere. Es sei nachgewiesen, dass ein höherer Preis den Konsum dämpfe. In Deutschland sei Alkohol ausserdem europaweit mit am billigsten: «Wir müssen den Alkohol verteuern, um die gesundheitlichen Folgen und die Kosten für unser Gesundheitssystem beherrschbar zu machen», forderte er.

Die DHS sieht als Ziel einen Pro-Kopf-Konsum von sechs bis acht Litern reinen Alkohols pro Jahr als realistisch an. Dadurch könnten die gesundheitlichen Schäden im Zusammenhang mit Alkoholkonsum um etwa 20 Prozent reduziert werden.

Die DHS warf der Alkohol-Lobby vor, die Gefahren von Alkohol massiv zu verharmlosen. Ein generelles Werbeverbot für Alkohol sei erforderlich. «Wir haben heute die Situation, dass viele Sportvereine ohne Alkoholwerbung nicht mehr existieren würden», sagte Suchtexperte Rolf Hüllinghorst der AP. Dies sei ein unhaltbarer Zustand. (dapd)

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