Knappe Reserven: «Im schlimmsten Fall kann es zum Tod von Einzeltieren führen»
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Knappe Reserven«Im schlimmsten Fall kann es zum Tod von Einzeltieren führen»

Die bevorzugten Gebiete für Wintersportaktivitäten sind meistens auch der Lebensraum von Wildtieren. Der Kanton Luzern bittet um Rücksichtnahme und unnötige Störungen der Wildtiere sollen vermieden werden.

von
Dominic Wipfli
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Das Wetter lädt viele Wintersportlerinnen und Wintersportler ein, ihre Freizeit in der Natur zu verbringen.

Das Wetter lädt viele Wintersportlerinnen und Wintersportler ein, ihre Freizeit in der Natur zu verbringen.

Kanton Luzern
Freizeitaktivitäten abseits des Routen- und Wegnetzes stören jedoch die Wildtiere in ihrer Winterruhe.

Freizeitaktivitäten abseits des Routen- und Wegnetzes stören jedoch die Wildtiere in ihrer Winterruhe.

BILD: RETO OESCHGER
Damit die Wildtiere ihre Reserven nicht für das Flüchten vor dem Menschen einsetzen müssen, bittet die kantonale Dienstelle Landwirtschaft und Wald (lawa) um Rücksichtnahme.

Damit die Wildtiere ihre Reserven nicht für das Flüchten vor dem Menschen einsetzen müssen, bittet die kantonale Dienstelle Landwirtschaft und Wald (lawa) um Rücksichtnahme.

Franziska Rothenbuehler

Darum gehts

  • Der Kanton Luzern bittet die Menschen darum, unnötige Störungen der Wildtiere zu vermeiden.

  • Schwierige Witterungsbedingungen führen dazu, dass die Reserven der Wildtiere bald aufgebraucht sind.

Der Kanton Luzern bietet auch im Winter attraktive Erholungsgebiete. So laden Schnee, Sonnenschein und frostige Temperaturen zu Wintersportaktivitäten ein. Die bevorzugten Gebiete für solche Unternehmungen sind aber oft gleichzeitig der Lebensraum der Wildtiere, wie der Kanton Luzern in einer Mitteilung schreibt. Dem Kanton ist darum wichtig, dass die Menschen bei ihren Freizeitaktivitäten auf die Wildtiere Rücksicht nehmen.

Weiter heisst es, je später im Winter oder im Frühjahr noch schwierige Wetterbedingungen bestehen, desto problematischer sei es für die Wildtiere. «Ihre im vergangenen Sommer und Herbst angefressenen Reserven sind dann nämlich weitgehend aufgebraucht. Um einen harten Winter zu überleben, müssen die Wildtiere ihre Energie besonders sparsam einsetzen,» so der Kantonale Wildhüter Daniel Schmid der Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Damit die Wildtiere ihre Reserven nicht für das Flüchten vor Menschen einsetzen müssen, solle man Freizeitaktivitäten abseits des Routen- und Wegnetzes vermeiden.

Rücksicht auf erkrankte Tiere

Wenn die Tiere durch Menschen gestört werden, steigt der Energieverbrauch massiv an. Welche Auswirkungen dies haben kann, erklärt uns Schmid: «Wenn die Reserven der Tiere langsam zu Ende gehen und der Frühling noch auf sich warten lässt, kann dies Einfluss auf die Reproduktion der Tiere haben oder im schlimmsten Fall zum Tod von Einzeltieren führen.» Um dies zu verhindern, bittet Schmid die Leute darum, sich vor einer Tour zu informieren, was wo im Gelände erlaubt ist.

Zusätzlich zu dem harten Winter kämpfen die Wildtiere mit einer Krankheit. Innerhalb der Kolonie Brienzer-Rothorn traten im Herbst einzelne Fälle von Gämsenblindheit bei Stein- und Gämswild auf. «Eine Übertragung dieser Krankheit geschieht direkt über den Kontakt zwischen Tieren oder indirekt über Insekten. Bei einem günstigen Krankheitsverlauf und mit viel Ruhe können erkrankte Tiere wieder genesen,» sagt Schmid. «Allgemeine Störungen insbesondere durch Menschen können sich negativ auf den Ausgang der Krankheit auswirken,» so Schmid weiter. Aus tierschützerischen Aspekten sollte deshalb noch mehr Rücksicht genommen und der Lebensraum der Wildtiere respektiert werden.

Deine Meinung

64 Kommentare
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Urs Wolf

20.02.2021, 11:49

Es sind nicht nur zu viele Leute im Wald unterwegs, sondern auch zu viel Wild. Im Gegensatz zu den Leuten schadet zu viel Wild dem Wald durch Verbiss. Tierschützer, Biologen und Waldwirtschaft weisen seit Jahren darauf hin. Die Jäger aber wollen so viele (Jagd)Tiere wie möglich durchbringen, wehren sich gegen die Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär. Sie füttern die Tiere im Winter und hetzen sie dann mit ihren Hunden im Herbst durch den Wald. Konkurrenz dulden sie nicht!

Wölfu

20.02.2021, 09:59

Das Wild wird über den Winter gehegt und gepflegt, sowie gefüttert, so dass es im Herbst gejagt werden kann

Rosa17

20.02.2021, 09:47

Ich freue mich, wenn die Fitnessstudios wieder öffnen, dann wird wieder Ruhe in den Wäldern einkehren und es werden viel weniger rücksichts- respektive respektlose Menschen da draussen herumlaufen.