Aktualisiert 03.03.2016 03:16

Swisscom«Im schlimmsten Fall» sind 700 Stellen betroffen

Der Telekommunikationskonzern schliesst sechs Callcenter – mehrere Hundert Angestellte könnten vom Abbau betroffen sein.

von
ij
Natürliche Fluktuation nutzen: Urs Schaeppi, CEO Swisscom, an der Bilanzpressekonferenz in Zuerich. (4.2.2016)

Natürliche Fluktuation nutzen: Urs Schaeppi, CEO Swisscom, an der Bilanzpressekonferenz in Zuerich. (4.2.2016)

Keystone/Valeriano Di Domenico

Im schlimmsten Fall müsste die Swisscom 700 Angestellte entlassen, sagte Swisscom-Finanzchef Mario Rossi am Rande der Bilanzmedienkonferenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. «Wir werden alles tun, dass es nicht 700 Leute werden», ergänzte Swisscom-Chef Urs Schaeppi. «Wir werden die natürliche Fluktuation und Wiedereinstellungen nutzen. Von dem her sollte es ein einigermassen verträglicher Prozess sein.»

Der Abbau sei nichts Aussergewöhnliches. Die Swisscom befinde sich seit Jahren in einem Strukturwandel. Es gebe Geschäftsbereiche, die unter anderem wegen des technologischen Wandels rückläufig seien, und solche, die wüchsen.

Denn Abbau von 700 Stellen müsse man auch ins Gesamtverhältnis zu den Mitarbeitern in der Schweiz setzen. Insgesamt habe die Swisscom 19'000 Mitarbeiter hierzulande, sagte Schaeppi: Der jetzige Schritt sei ein normaler struktureller Anpassungsprozess. «Wir haben auch Wachstumsbereiche, in denen wir dieses Jahr rund 500 Leute aufbauen werden.»

Weko-Busse drückt auf Gewinn

Die Swisscom hat im vergangenen Jahr eine Gewinneinbusse hinnehmen müssen. Beim grössten Schweizer Telekomkonzern zog eine Busse der Eidg. Wettbewerbskommission (Weko) den Gewinn um 186 Millionen Franken nach unten.

Zudem hätten Preissenkungen für die Roamingtarife und Währungseinflüsse das Ergebnis nach unten gezogen, teilte die Swisscom in einem Communiqué mit.

Um zu sparen, greift das Unternehmen auch zu einem grösseren Stellenabbau. Es würden mehrere hundert Stellen vor allem in den unterstützenden Bereichen gestrichen. Sechs Callcenter werden geschlossen.

Weniger Gewinn – stagnierender Umsatz

Der Umsatz stagnierte zwar bei 11,678 Milliarden Franken (-0,2 Prozent). Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) sank aber um 7,1 Prozent auf 4,098 Milliarden Franken. Unter dem Strich verdiente die Swisscom noch 1,362 Milliarden Franken. Das ist ein Fünftel weniger als vor einem Jahr.

Damit hat der Konzern die Erwartungen der Finanzgemeinde beim Umsatz zwar erfüllt, beim Gewinn aber etwas verfehlt. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Umsatz von 11,647 Milliarden Franken, einem Ebitda von 4,156 Milliarden Franken und einem Reingewinn von 1,469 Milliarden Franken gerechnet.

Die eigenen Erwartungen hat die Swisscom dagegen erfüllt. Der Konzern hatte einen Umsatz von über 11,5 Milliarden Franken und einen Ebitda von über 4 Milliarden Franken als Ziel fürs Gesamtjahr angepeilt.

Konzern streicht Stellen

Die Swisscom will die Kosten bis 2020 um 300 Millionen Franken gegenüber 2015 senken. Dies soll mit Organisationsanpassungen, Stellenreduktionen, Prozessoptimierungen und der Umstellung auf die Internettechnologie erreicht werden. Über das Ausmass der Stellenreduktionen schwieg sich die Swisscom im Communiqué aus.

Insgesamt würden mehrere hundert Stellen vor allem in den unterstützenden Bereichen gestrichen, hiess es weiter. Auf der anderen Seite würden im laufenden Jahr in Wachstumsbereichen in der Schweiz bis zu 500 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Für die betroffen Mitarbeiter stehe ein gut ausgebauter Sozialplan bereit. Die «Swisscom geht davon aus, dass im laufenden Jahr rund 700 Mitarbeiter als Folge der Reduktionen vor allem bei unterstützenden Bereichen den Sozialplan beanspruchen werden.»

Die Kosten für den Sozialplan beliefen sich auf 70 Millionen Franken. Insgesamt rechnet die Swisscom per Ende Jahr mit einem leicht tieferen Stellenbestand in der Schweiz als im Vorjahr. Insgesamt hatte die Swisscom hierzulande am 31. Dezember 2015 einen Bestand von knapp 19'000 Vollzeitstellen. Das sind 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Sechs Callcenter werden geschlossen

Die Swisscom werde die Zahl der Callcenter von 14 auf 8 reduzieren. Die Mitarbeiter der Standorte Zürich, Bern, Basel, Genf, Luzern und Rapperswil würden auf die verbleibenden acht Standorte Lausanne, Neuenburg, Biel, Olten, Sion, St. Gallen, Chur und Bellinzona konzentriert.

«Für den grössten Teil der Mitarbeitenden ist der Wechsel an einen neuen Standort aufgrund des Arbeitsweges zumutbar», schrieb die Swisscom. Das Personal an den Standorten Olten, St. Gallen und Biel werde teilweise um mehr als die Hälfte zunehmen.

Um die Flexibilität zu erhöhen und Spitzenbelastungen besser abdecken zu können, intensiviere die Swisscom die Zusammenarbeit mit Call-Center-Partnerunternehmen in der Schweiz. Tätigkeiten, die nicht zum Kerngeschäft gehörten und deren Inhalte weniger komplex seien, würden künftig verstärkt von den Partnern übernommen, hiess es weiter. Die Call-Center-Dienstleistungen würden weiterhin von der Schweiz aus betrieben.

Weko-Busse wegen ADSL-Vermietung

Die Swisscom soll bis im Jahre 2007 ihre ADSL-Leitungen zu teuer an die Konkurrenz vermietet haben. Dadurch hätten die Konkurrenten Sunrise, Green oder VTX zu wenig Gewinn machen können. Die Weko befand, dass die Swisscom ihre marktbeherrschende Position missbraucht habe und verdonnerte den Konzern zu einer happigen Busse.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte diesen Befund im Oktober grundsätzlich gestützt. Die Swisscom hält die Sanktion für nicht gerechtfertigt und will das Urteil vor Bundesgericht anfechten, hat aber dennoch eine Rückstellung für die Busse von 186 Millionen Franken gebildet. (ij/sda)

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