Aktualisiert 05.04.2017 15:45

Leitfaden für Schulen

«Im Schwimmunterricht ist ein Burkini denkbar»

Der Kanton Aargau hat für seine Volksschulen einen Leitfaden für den Umgang mit religiös begründeten Anliegen entwickelt. Auslöser dafür war ein Vorstoss der CVP-Fraktion.

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qll
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Grundsätzlich müssen alle Schüler am Schwimmunterricht teilnehmen. Da es keine Kleidervorschrift gibt, dürfen sie frei entscheiden, welche Sportbekleidung sie im Sportunterricht tragen.

Grundsätzlich müssen alle Schüler am Schwimmunterricht teilnehmen. Da es keine Kleidervorschrift gibt, dürfen sie frei entscheiden, welche Sportbekleidung sie im Sportunterricht tragen.

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Daraus lässt sich laut BKS-Sprecherin Simone Strub ableiten, dass auch das Tragen eines Burkini (rechts) im Schwimmunterricht denkbar ist.

Daraus lässt sich laut BKS-Sprecherin Simone Strub ableiten, dass auch das Tragen eines Burkini (rechts) im Schwimmunterricht denkbar ist.

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Das Tragen von Kopftuch, Turban oder Kippa ist den Schülern erlaubt, nicht aber den Lehrpersonen.

Das Tragen von Kopftuch, Turban oder Kippa ist den Schülern erlaubt, nicht aber den Lehrpersonen.

Keystone/Georgios Kefalas

Schulschwimmen, Schullager, Krippenspiel oder das Tragen eines Kopftuchs – auf diese Themen geht ein neuer Leitfaden der Abteilung Volksschule des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons Aargau ein. Dies berichtet die «Aargauer Zeitung».

In dem elfseitigen Bericht werden konkrete Lösungsansätze auf Fragen « im Umgang mit religiös begründeten Anliegen in der Volksschule» gegeben. Diese Punkte werden geregelt:

Schwimm- und Sportunterricht

Grundsätzlich muss jeder am Schwimmunterricht teilnehmen. Da es keine Kleidervorschrift gibt, dürfen Schülerinnen und Schüler frei entscheiden, welche Sportkleidung sie im Sportunterricht tragen. Daraus lässt sich laut BKS-Sprecherin Simone Strub ableiten, dass auch das Tragen eines Burkini im Schwimmunterricht denkbar ist.

Religiös begründete Kleidung

Das Tragen von Kopftuch, Turban oder Kippa ist den Schülern erlaubt – nicht aber den Lehrpersonen. So heisst es: «Für den Regierungsrat schliesst dies das Tragen eines Kopftuchs durch eine Lehrerin aus.» Analoges liesse sich daraus laut Strub für Lehrer ableiten, die eine Kippa oder einen Turban tragen wollen.

Religiöse Symbole

Auch das Tragen von religiösen Symbolen am Körper, wie beispielsweise ein Kreuz oder Davidstern, ist den Schülern erlaubt. Ob Lehrpersonen das dürfen, ist laut Strub Ermessenssache. Ob Kruzifixe und andere christliche Symbole an den Wänden von Schulräumen erwünscht oder unerwünscht sind, entscheiden lokale Schulinstanzen.

Religiöse Speiseregeln

Es besteht keine Pflicht in der Schule, in Lagern und so weiter nur Essen anzubieten, das keinerlei religiösen Vorschriften widerspricht. Wenn Schüler ihre religiös begründeten Essensvorschriften einhalten möchten, können sie ihr Essen selber zubereiten oder von zu Hause mitbringen. Das gilt auch bei medizinisch oder ethisch begründeten Essensgewohnheiten (beispielsweise Unverträglichkeiten, Vegetarismus).

Schulfach Ethik und Religionen

Alle Schüler müssen am Schulfach Ethik und Religion teilnehmen.

Religiöse Feiertage

Schulische Feiern mit Bezug zu christlichen Traditionen (Weihnachtsfeiern, Krippenspiel usw.) gehören zur Tradition vieler Schulen und sind erlaubt. Die Schule hat jedoch darauf zu achten, dass die religiösen Überzeugungen von Lernenden und ihren Eltern nicht verletzt werden. Die Schulpflege entscheidet, ob Andersgläubige an ihren hohen Feiertagen frei bekommen oder nicht. Sie müssen jedoch ein Gesuch stellen.

Lager, Schulreisen, Exkursionen

Schulreisen, Exkursionen und Lager sind Teil des Unterrichts. Dennoch wird eine Lagerteilnahme gegen den Willen von Eltern und Kinder als «heikel» eingestuft. Denn: «Sie bedeuten einen starken Eingriff in die elterliche Obhut.» Falls die Eltern auch nach einem Gespräch einer Teilnahme nicht zustimmen, hat der betroffene Schüler währen der Zeit des Lagers den Unterricht in einer anderen Klasse zu besuchen.

Politischer Vorstoss als Hintergrund

BKS-Sprecherin Strub erklärt: «Dies ist kein Reglement, sondern ein Leitfaden. Er gibt eine Übersicht über die rechtlichen Grundlagen und die Rechtsprechung und dient somit als Orientierungshilfe. Jede Schule entscheidet nach eigenem Ermessen im Rahmen des gegebenen Handlungsspielraums.»

Strub erklärt, dass der Wunsch nach einem solchen Dokument nicht von den Schulen, sondern von der Politik kam. «Es ist nicht so, dass viele Fälle zu uns gelangen, in denen religiöse Anliegen zu Konflikten führen», sagt sie. Hintergrund des Leitfadens sei ein Vorstoss der CVP-Fraktion im Grossen Rat im Mai 2016 zum Thema «gutes Zusammenleben der Menschen im Kanton Aargau».

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