Wölfe im Wallis: «Im Sommer wird es ein Massaker geben»
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Wölfe im Wallis«Im Sommer wird es ein Massaker geben»

Walliser Schafzüchter befürchten eine Zunahme der Wolfsattacken. Laut einem Experten könnten sie Recht haben.

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ced
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Züchter Rinaldo Pfammatter  ist besorgt um seine Schwarznasenschafe.

Züchter Rinaldo Pfammatter ist besorgt um seine Schwarznasenschafe.

Keystone/Dominic Steinmann
In der Nacht auf Donnerstag war vermutlich ein Wolf im Gebiet Isleten UR unterwegs.

In der Nacht auf Donnerstag war vermutlich ein Wolf im Gebiet Isleten UR unterwegs.

Leser-Reporter
Bereits im Dezember 2013 wurden Wölfe im Kanton St. Gallen entdeckt. In der Folge wuchs ein Rudel von rund zehn Tieren heran. Hier neun Tiere bei Valens.

Bereits im Dezember 2013 wurden Wölfe im Kanton St. Gallen entdeckt. In der Folge wuchs ein Rudel von rund zehn Tieren heran. Hier neun Tiere bei Valens.

ZVG

Für die Oberwalliser Bevölkerung ist das Schwarznasenschaf ein Teil ihrer Identität. Die Rasse ist einzigartig und geschützt. Rinaldo Pfammatter (40) züchtet die Herdentiere – und ist in Sorge: Im Val d'Hérens im Wallis, nicht weit von seiner Weide, hat ein Wolf bereits 20 Schafe gerissen.

Zudem soll ein ebenfalls im Wallis heimisches Wolfspaar Nachwuchs bekommen haben. Rinaldo und sein Bruder Renato, der den Heimbetrieb des Vaters mit 50 Kühen übernommen hat, sind sich laut dem «Walliser Boten» einig: Diesen Sommer wird es ein «Massaker» geben.

Viele Schafzüchter geben auf

Die Wolfsproblematik ist gemäss Daniel Steiner, dem Präsidenten des Oberwalliser Schwarznasenschafzuchtverbandes, im Wallis allgegenwärtig. Rund 14 Prozent der Züchter hätten bereits aufgehört, da der Aufwand für den Herdenschutz – wie etwa Elektrozäune oder Schutzhunde – zu gross geworden sei. Zudem zweifeln viele an der Wirksamkeit der Massnahmen.

So auch Pfammatter: Trotz eines Elektrozauns seien seine Schafe auf der Frühlingsweide nur ungenügend geschützt. Ein Wolf könne einfach durch den Zaun hindurchspringen. Auch von Schutzhunden hält der Schäfer nicht viel. Er habe bereits 2012 versucht, Hunde einzusetzen. Es habe aber fast jeden Tag Probleme und Konflikte mit Wanderern und Bikern gegeben.

Wolf in der Zentralschweiz gesichtet

Für Pfammatter ist deshalb klar, dass der Wolf weg muss: «Das Wallis und die Schweiz sind so dicht besiedelt. Der Wolf hat hier, anders als in Alaska, Kanada oder Ostrussland, keinen Platz. Wir wollen den Wolf nicht ausrotten, aber wir sind nicht das Naturreservat der städtischen Bevölkerung.»

Auch in der Zentralschweiz kommt unter den Schäfern Unmut auf – denn auch dort soll laut Augenzeugen ein Wolf sein Unwesen treiben. In Emmetten im Kanton Nidwalden hat dieser in der Nacht auf vergangenen Freitag offenbar acht Schafe angefallen. Schafhalter Beat Würsch kritisiert, dass die Schäfer in der Umgebung zu spät über den Wolfsverdacht informiert worden seien und deshalb keine genügenden Schutzvorkehrungen hätten treffen können.

«Schutz wäre technisch durchaus möglich»

David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz, kann in diesem Fall teilweise entwarnen: «Wir vermuten, dass es sich beim Wolf in der Zentralschweiz nur um ein Durchzügler handelt.» Dass es aber im Wallis im Sommer zu einem «Massaker» kommen könnte, streitet er nicht ab. «Im Walliser Augstbordgebiet hat sich ein Wolfspaar niedergelassen und es dürfte tatsächlich Welpen gegeben haben.»

Dass diesem Rudel Nutztiere zum Opfer fallen werden, sei fast unausweichlich. Das sei aber nicht auf die Zahl der Wölfe, sondern auf die Verfügbarkeit ungeschützter Nutztiere zurückzuführen: «Im betroffenen Gebiet gibt es sieben Schafweiden. Davon ist aber nur eine genügend geschützt. Fünf besitzen keinerlei Schutzmassnahmen.» Laut Gerke handelt es sich um ein strukturelles Problem. «Die Schäfer halten an Traditionen und Strukturen fest, obwohl der Herdenschutz technisch durchaus möglich wäre.»

(ced/sda)

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