Secondo auf Stellensuche - Im Stich gelassen vom RAV? «Banklehre, gute Noten – trotzdem nur Absagen»
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Secondo auf StellensucheIm Stich gelassen vom RAV? «Banklehre, gute Noten – trotzdem nur Absagen»

Seit Monaten sucht R.K. (25) einen Job, obwohl er einen guten Abschluss und Sprachkenntnisse mitbringt. Er fühlt sich allein gelassen: von RAV, Gesellschaft und Arbeitsmarkt.

von
Georgia Chatzoudis
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«Ich habe meine Ausbildung bei der Bank mit guten Noten abgeschlossen, spreche drei Sprachen - und trotzdem bin ich auf Stellensuche», sagt R.K.

«Ich habe meine Ausbildung bei der Bank mit guten Noten abgeschlossen, spreche drei Sprachen - und trotzdem bin ich auf Stellensuche», sagt R.K.

Privat
Dem 25-Jährigen wurde während der Pandemie gekündigt.

Dem 25-Jährigen wurde während der Pandemie gekündigt.

20min/Marco Zangger
Er sucht nun seit April 2020 einen neuen Job. (Symbolbild) 

Er sucht nun seit April 2020 einen neuen Job. (Symbolbild)

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Trotz Banklehre, guter Zeugnisse und Sprachkenntnisse sucht R.K. (25) seit Monaten erfolglos einen Job.

  • Er vermutet, dass es daran liegt, dass er einen ausländisch klingenden Namen trägt. Studien zeigen: Damit könnte er richtig liegen.

Über 100 Absagen hat der 25-jährige R.K. im vergangenen Jahr erhalten: Dem jungen Mann wurde im April 2020 während des ersten Shutdowns gekündigt. Seitdem sucht er einen Job: «Ich habe meine Ausbildung bei der Bank mit guten Noten abgeschlossen, spreche drei Sprachen - und trotzdem bin ich auf Stellensuche.»

«Ich habe sogar bei Tankstellen und Lebensmittelläden Absagen bekommen.» Er glaubt, dass dies vor allem an seinem ausländisch klingenden Namen liegt: «Ich werde nicht einmal zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Und wenn ich eingeladen werde, werden mir Stellen ohne Grundlohn angeboten.»

Auch vom RAV fühlt sich der Secondo im Stich gelassen: «Ich werde von meiner Beraterin nur kontrolliert - geholfen wird mir nie.» Weil ein Mail bei ihm nicht angekommen sei, erhalte er derzeit kein Geld. «Meine Rechnungen kann ich nur mit Mühe zahlen», sagt der 25-Jährige. Seit April warte er auf einen Entscheid – wie lange es noch dauern wird, könne ihm das RAV nicht sagen. «Der Staat darf sich alle Zeit der Welt lassen», sagt K.

30 Prozent mehr Bewerbungen nötig

Wissenschaftlich ist erwiesen, dass Herkunft und Geschlecht die Chance auf eine Anstellung beeinflussen. Eine im Januar erschienene Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich zeigt auf, dass die Zurückhaltung der Arbeitgebenden und Personalabteilungen besonders ausgeprägt ist gegenüber Personen mit migrantischem Hintergrund aus dem Balkan mit rund 13 Prozent weniger Kontaktaufnahmen, Afrika (17 Prozent) und Asien (19 Prozent). Eine andere Studie der Universität Neuenburg hat 2019 ergeben, dass Menschen mit ausländischem Namen etwa 30 Prozent mehr Bewerbungen verschicken müssen, bis sie eine Einladung erhalten.

«Die Arbeitswelt war in den vergangenen Jahren der Lebensbereich, in dem Rassismus und rassistische Diskriminierungen am häufigsten gemeldet wurden», schreibt Giulia Reimann von der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) auf Anfrage. Das zeige auch der neuste Bericht des Beratungsnetzes für Rassismusopfer 2020. «Es braucht vermehrte Sensibilisierung und transparente, interne sowie externe Möglichkeiten, um Vorfälle zu melden.»

«Unser Sozialstaat hat grosse Lücken»

Das zuständige Amt für Wirtschaft und Arbeit (WAS) Luzern will sich nicht zum Einzelfall äussern: «Wir geben keine Auskünfte weder zu versicherten noch zu nicht versicherten Personen», schreibt dazu Franz Baumeler, Fachspezialist Kommunikation des zuständigen Amts für Wirtschaft und Arbeit (WAS) Luzern. Grundsätzlich könne jede Person einen Wechsel der Beratungsperson beantragen oder Beschwerde einreichen. Die Mitarbeitenden würden alle nach den entsprechenden Reglementen und Vorgaben arbeiten und seien alle «stets darum bemüht, jegliche Anliegen schnell und sorgfältig zu prüfen», teilt Baumeler mit. «Dabei ist uns ein respektvoller und korrekter Umgang sehr wichtig, was wir auch von unseren Versicherten erwarten dürfen.»

«Ich finde, unser Sozialstaat hat grosse Lücken», sagt R.K. Schliesslich weise er gute Qualifikationen aus und erfülle seine Pflichten als Arbeitssuchender. «Ich werde häufig gefragt, warum ich so lange arbeitslos bin.» Klar ist deshalb für ihn: «Ich muss weitermachen, mich weiterbewerben – und darf die Hoffnung nicht verlieren.»

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Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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