Kniefall vor den Taliban: Im Swat-Tal gilt jetzt die Scharia
Aktualisiert

Kniefall vor den TalibanIm Swat-Tal gilt jetzt die Scharia

Nach einem Parlamentsbeschluss zugunsten der Einführung islamischen Rechts im Swat-Tal hat der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari eine entsprechende Vereinbarung mit den Taliban unterzeichnet.

Dazu hatte ihn das Parlament in Islamabad am Montag einstimmig aufgefordert. Demnach soll im unruhigen Nordwesten an der Grenze zu Afghanistan fortan die Scharia gelten. Die Taliban haben der dortigen Provinzregierung im Gegenzug einen Waffenstillstand angeboten.

Eine kleinere Partei im Parlament von Islamabad - die Muttahida Quami Bewegung aus Karachi - boykottierte die Abstimmung. «Wir können das nicht bei vorgehaltener Pistole akzeptieren», sagte der Abgeordnete Farooq Sattar. Die Taliban hatten zuvor erklärt, sie würden abtrünnige Abgeordnete als Ungläubige betrachten, was einer eindeutigen Drohung gleichkam. Ministerpräsident Jusuf Raza Gillani verteidigte das Abkommen indes: «Das ganze Land unterstützt die Swat-Regelung.»

Kritiker in Pakistan und im Westen sehen darin jedoch einen gefährlichen Kniefall vor den Fundamentalisten und haben vehement protestiert. Zudem wird befürchtet, dass mit der Einführung der Scharia das Swat-Tal zu einem Zufluchtsort für militante Extremisten wird. Präsident Zardari, der wegen der umkämpften Gebiete an der Grenze zu Afghanistan ohnehin schon unter internationalem Druck steht, hatte seine Unterschrift unter den umstrittenen Pakt lange hinausgezögert.

Keine Schliessung von Mädchenschulen

Die Provinzregierung im gebirgigen Nordwesten Pakistans hatte sich im Februar nach langen und blutigen Kämpfen mit den radikalislamischen Taliban auf einen Frieden verständigt. Den Streitkräften war es trotz einer langen Offensive nicht gelungen, die militanten Extremisten in dem Tal zu besiegen. Etwa ein Drittel der 1,5 Millionen Bewohner sind während der monatelangen Kämpfe geflohen.

Pakistanische Regierungsvertreter betonten, drastische Massnahmen wie beispielsweise die Schliessung von Mädchenschulen würden nicht eingeführt. Die Taliban hatten in dem Tal wiederholt politische Gegner geköpft und zahlreiche Mädchenschulen niedergebrannt. (dapd)

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