Schweizer Premiere: Im Tattoo-Studio gibts Chips für unter die Haut
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Schweizer PremiereIm Tattoo-Studio gibts Chips für unter die Haut

Gechipt wie ein Hund - ein Zürcher Tattoo-Studio implantiert Kunden neu Microchips unter die Haut. Damit kann man etwa sein Handy entsperren. Das ist nicht unumstritten.

von
wed

Im Tattoo-Studio Mitico Bodycult in Zürich-Oerlikon kann man sich ab Ende August für 150 Franken einen kleinen Chip implantieren lassen. Dieser lässt sich danach mit Daten oder Anwendungen via NFC-Kommunikation beschreiben: «Die Möglichkeiten sind unbegrenzt», sagt Eigentümer Deady Leemann. «Man kann damit das Handy entsperren oder auch nur die Blutgruppe, einen Notfallkontakt oder den Namen des Partners darauf vermerken.» Sie seien die ersten in der Schweiz, die das anbieten würden.

Ursprünglich hatte Leemann die Idee von einer Freundin, die für den Tierschutz Arche Noah Schweiz arbeitet. «Sie kam vor ein paar Wochen zu mir, weil sie wissen wollte, wie sich dieses Chip-Implantat beim Menschen anfühlt», so Leemann. Darauf habe er diesen Chip extra in Asien anfertigen lassen. Der Chip besteht aus Bioglas, das keine abstossende Wirkung auf den Körper hat. Er habe auch schon mehrere Interessenten für das Implantat: «Die Zielgruppe besteht aus Leuten aus der Bodymodification-Szene, die ein exklusives Gadget im Körper haben möchten, und aus Computerbegeisterten, die den Trend von Anfang an mitmachen möchten.»

Geringes Risiko für Missbrauch

Allerdings sind solche Chips nicht unumstritten. In Internetforen befürchten User, dass dies der Beginn der totalen Kontrolle über den Menschen sein wird. Das sieht Leemann aber anders: «Es ist kein batteriebetriebener Chip - man braucht das NFC-Gerät als Gegenpart.» Zudem sei die Reichweite sehr klein und man müsse das Gerät direkt auf die Hand legen, um die Daten abrufen zu können. Auch entscheide der Kunde selber, was er darauf speichern möchte.

Dies bestätigt auch Heinz Mathis, Leiter des Instituts für Kommunikationssysteme (ICOM) in Rapperswil: «Die Risiken von Missbrauch sind relativ gering.» Neben der geringen Reichweite könne man die Daten auch verschlüsseln. Grundsätzlich sei diese Technologie auch keine Neuerscheinung in unserem Alltag: «Der biometrische Schweizer Pass, die Kreditkarten mit Paypass-Funktion oder unsere Haustiere sind bereits damit ausgestattet.»

Am 31. August findet ab 12 Uhr der Kick-Off-Event statt, bei dem man den Chip zu einem Spezialpreis von 100 Franken implantieren kann. Sämtliche Einnahmen von diesem Tag werden an die Tierschutzorganisation Arche Noah gespendet.

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