01.09.2020 08:22

Im Traumcabrio über fünf Schweizer Königspässe

Nicht in Afrika, sondern rund um Andermatt befindet sich die Big-Five-Tour für Auto-, Töff- und Velofahrer. Wir fuhren im SLS AMG Cabrio über die fünf Schweizer Königspässe Susten-, Grimsel-, Nufenen-, Furka- und Gotthardpass.

von
Michael Lusk / A&W Verlag
1.9.2020

«Ferien in der Schweiz» lautet das Motto 2020. Statt auf Safari nach Afrika zu gehen oder über die Route 66 in Amerika zu cruisen, fokussieren sich viele aufs eigene Land. Und das hat gerade für Auto-, Töff- und Velofahrer viel zu bieten! Eine Tour, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist und Touristen zu uns lockt, sind die Big Five der Schweiz. Dabei geht es nicht darum, Wildtiere in freier Wildbahn zu beobachten, sondern eine Tour über fünf der schönsten Alpenpässe überhaupt zu unternehmen – ganz nach eigenem Gusto auf dem Bike, mit einem Wohnmobil, einem Töff oder einem rassigen Sportwagen respektive schönen Cabrio. Wir stürzten uns in einem Mercedes SLS AMG Roadster von Kenny’s, einem der grössten Mercedes-Händler der Schweiz, auf die Big Five.

Auf dem Weg zur Autolegende

Der Mercedes-Benz SLS AMG wurde bis 2014 gebaut, ist heute auf dem Occasionmarkt ein gesuchtes Modell und ein potenzieller Klassiker von morgen, ähnlich wie sein Urahn, der Silberpfeil 300 SLR aus den Fünfzigern, der den Ruf der Marke entscheidend prägte. Kein Wunder: Während moderne Motoren aufgrund von CO2-Vorschriften immer kleiner und leiser werden, ist der SLS einer der letzten Mercedes-Benz mit dem famosen 6,2-Liter-Saugmotor von AMG. Dennoch ist er so weit davon entfernt, ein «Poser-Auto» zu werden, wie Andermatt von der Serengeti. So ein Cabrio spricht den Connaisseur und Geniesser an, der nie an einer roten Ampel den Motor aufheulen lassen würde.

Edler Gran Turismo

Auf dem Weg zum Sustenpass, der ersten Etappe unserer Tour, schlummern die 571 PS unter der endlos langen Motorhaube deshalb auch meist vor sich hin, selbst beim Überholen bleibt Power im Überfluss. Weil zudem am Vormittag oft noch Wolken über den Bergen hängen, lassen wir das Dach ebenfalls zu und widmen uns dem Interieur: Carbon und Leder schmeicheln dem Auge, die Sitze sind für ein Auto dieser Klasse ausgesprochen bequem gepolstert und auch nach mehreren Stunden noch bequem. Der Innenraum ist immer noch modern, einzig die Technik beim Infotainmentsystem hat in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Dafür verfügt er im Gegensatz zu neuen Autos über ein schönes, klassisches, analoges Cockpit.

Top sind die Bremsen, wie wir auf der anderen Seite des Passes auf den Kurven den Berg hinunter erfahren. So erreichen wir im Nu Innertkirchen im Kanton Bern, wo wir auf den Grimselpass abbiegen. Die Sonne drückt durch die Wolken, wir öffnen bequem per Knopfdruck das Dach. Eine angenehme Brise Fahrtwind umweht uns. Der Sound ist jetzt noch besser zu hören, variiert dabei zwischen Blubbern beim Langsamfahren, Aufbrüllen bei Zwischenspurts und Zündaussetzern, wenn man den Gasfuss lupft – ein Genuss, den so in Zukunft kein turbogeladener Motor mehr bieten wird. Schnell liegt auch der Grimselpass hinter uns, auf dem Furkapass machen wir Mittagshalt. Während die Strasse auf der Walliser Seite breit und übersichtlich ist, meistert der SLS auch die engen Kurven auf der Urner Seite äusserst sportlich, sodass wir uns fast ein bisschen wie James Bond fühlen, der sich hier im Filmklassiker «Goldfinger» ein Duell mit dem Bondgirl Tilly Masterson lieferte.

Bis auf 2477 Meter Höhe

Nach dem Mittag gehts wieder in die Gegenrichtung: über den Nufenenpass bis in die Sonnenstube der Schweiz. Mit 2477 m ü. M. gleichzeitig der höchste Punkt der Tour, verbindet dieser Pass Ulrichen im Wallis und Airolo im Tessin. Hier könnten wir auf die Autobahn in den Gotthardtunnel abbiegen, die in den 60ern und 70ern gebaute Landstrasse mit ihren imposanten Brücken und Betonplatten nehmen oder die mit Pflastersteinen gesäumte Tremolastrasse. Die Wahl ist schnell getroffen: Mittlerweile ein beliebtes Postkarten- und Instagramsujet, sind wir fast allein auf der Tremola unterwegs, schleichen gemächlich über die Pflastersteine und werden dank der komfortablen Federung kaum durchgeschüttelt. Oben auf der Gotthardpasshöhe angelangt, kommen wir wieder mit den Bikern zusammen, die uns auf halbem Weg überholt haben. Damit ist auch der letzte Pass der Big Five geschafft. Zeit für einen abschliessenden Kaffee und um ein paar regionale Spezialitäten zu kaufen, denn auf diesem Pass gibts nicht nur einen Imbiss, sondern sogar einen mobilen Händler. So rollen wir wieder runter nach Andermatt und stellen uns die Frage, ob wir die Tour gleich nochmals machen. Denn schliesslich lassen sich die Big Five in fast beliebiger Reihenfolge immer wieder und wieder kombinieren.

Unter der endlos langen Motorhaube arbeiten 571 PS, die uns rasant den Sustenpass hochbringen.

Unter der endlos langen Motorhaube arbeiten 571 PS, die uns rasant den Sustenpass hochbringen.

Michael Lusk
Kurze Pause auf dem Grimselpass: Das elegante Heck kommt ohne Spoiler aus.

Kurze Pause auf dem Grimselpass: Das elegante Heck kommt ohne Spoiler aus.

Michael Lusk
Der Grimselpass ist der zweite Checkpoint der Tour: In der Seitenansicht kommt der lange Radstand gut zur Geltung.

Der Grimselpass ist der zweite Checkpoint der Tour: In der Seitenansicht kommt der lange Radstand gut zur Geltung.

Michael Lusk

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3 Kommentare
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BMWZ4

01.09.2020, 11:36

Da nehme ich lieber meinen BMW Z4 Jahrgang 2003 245PS Gewicht 1150kg ohne schnack zu fahren wie ein Gokart das ist Feeling in den Pässen.

Piet

01.09.2020, 10:38

BMW Z4 ist schöner und agiler.

Davide

01.09.2020, 10:21

Mega Bilder und coole Story! Da bekommt gleich Lust loszufahren!