Wegen Corona: Im Winter droht der Job-Hammer
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Wegen CoronaIm Winter droht der Job-Hammer

Mit dem Temperatursturz droht auch ein Stellen-Kahlschlag. Wenn die Kurzarbeitsentschädigung bei vielen endet, geraten Firmen in Zahlungsschwierigkeiten. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zum drohenden Stellenabbau.

von
Fabian Pöschl
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Diesen Winter könnten besonders viele Menschen arbeitslos werden, weil ihre Kurzarbeitsentschädigung ausläuft.

Diesen Winter könnten besonders viele Menschen arbeitslos werden, weil ihre Kurzarbeitsentschädigung ausläuft.

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Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse schätzt, dass die Arbeitslosenquote von aktuell 3.3 auf über 4 Prozent steigt.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse schätzt, dass die Arbeitslosenquote von aktuell 3.3 auf über 4 Prozent steigt.

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Rund 5 Prozent aller Firmen werden in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wie eine Umfrage des Wirtschaftsverbands ergab.

Rund 5 Prozent aller Firmen werden in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wie eine Umfrage des Wirtschaftsverbands ergab.

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Darum gehts

  • Anfang 2021 läuft bei vielen die Kurzarbeitsentschädigung aus.
  • Jedes 20. Unternehmen wird Zahlungsschwierigkeiten bekommen.
  • Es drohen Konkurs- und Entlassungswellen.

Diesen Winter droht der Kahlschlag bei vielen Unternehmen. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse warnt vor Entlassungen, Betriebsschliessungen und Konkursen. 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen zur Lage am Arbeitsmarkt.

  • Warum droht genau jetzt ein massiver Stellenabbau?

Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen hat sich nach dem starken Einbruch zu Beginn der Corona-Krise wieder etwas erholt, auch dank der Kurzarbeitsentschädigung. Doch Anfang nächsten Jahres endet sie bereits bei vielen. Ohne solch stützenden Massnahmen geht es offenbar nicht. Rund 5 Prozent aller Firmen werden in Zahlungsschwierigkeiten geraten, wie eine Umfrage des Wirtschaftsverbands ergab.

Das ist Kurzarbeit

Mit Kurzarbeit können Unternehmen die Arbeitszeit der Angestellten vorübergehend reduzieren oder den Betrieb ganz einstellen. Mit der Massnahme sollen Arbeitsplätze in Krisenzeiten erhalten bleiben. Wegen der grossen Zahl an Gesuchen wurde während des Lockdown ein vereinfachtes Verfahren eingeführt, das noch bis Ende Jahr beibehalten wird. Kurzarbeitsentschädigungen werden von der Arbeitslosenkasse ausgezahlt. Die Kurzarbeit gilt seit September für maximal 18 Monate, zuvor für maximal 12 Monate.

  • Warum wird die Kurzarbeitsentschädigung nicht verlängert?

Das Instrument der Kurzarbeitsentschädigung ist nur für einen vorübergehenden Nachfrageeinbruch konzipiert, wie Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch zu 20 Minuten sagt. Gälte sie über eine längere Zeit, wäre das der falsche Weg, sagt Ökonom Reiner Eichenberger von der Universität Freiburg zu 20 Minuten: «Damit hilft man den notleidenden Industrien nur kurzfristig und verschleppt die Bekämpfung der eigentlichen Probleme.». Die Folge seien neue Schulden für die nächste Generation.

  • Wie viele Stellen werden abgebaut?

Genaue Prognosen sind laut Economiesuisse-Chefökonom Minsch nicht möglich. Er schätzt allerdings, dass die Quote im Jahresdurchschnitt von heute 3,3 Prozent auf über 4 Prozent klettert. Ob es tatsächlich so schlimm wird, hängt laut Wirtschaftsprofessor Eichenberger vom weiteren Verlauf der Pandemie ab.

  • Welche Branchen sind betroffen?

Die Corona-Krise trifft viele Unternehmen. Besonders betroffen sind laut Economiesuisse aber die unter starken Einschränkungen leidenden Branchen wie die Event- und Reisebranche, die Gastronomie und Marktfahrer. Auch die gesamte Exportindustrie ausser der krisenresistenten Pharmabranche leide unter der weltweit schwierigen wirtschaftlichen Lage. So fehlen laut Minsch etwa einem Schweizer Zulieferer Aufträge, weil er keine Teppiche an den Flugzeughersteller Airbus liefern kann.

  • Soll ich mich nach einem neuen Job umsehen?

Wie bei Angst vor Jobverlust aufgrund der Corona-Krise am besten vorzugehen ist, lässt sich laut dem Amt für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich nicht pauschal beantworten. Das Amt rät, sich laufend über die Situation in der Branche und im Unternehmen zu informieren. Zeichnet sich eine Besserung ab? Helfen könne ein Gespräch mit Vorgesetzten. Ein Entscheid zur Jobsuche solle in jedem Fall gut überlegt sein.

  • Soll ich mich nun weiterbilden?

Eine Möglichkeit für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind Weiterbildungen. Wann der richtige Zeitpunkt für eine Weiterbildung ist, sollte allerdings individuell im Rahmen einer Laufbahnberatung besprochen werden. Wenn jemand gute Chancen auf eine Anstellung in der bisherigen Branche oder dem bestehenden Beruf hat, dann gilt es, sich gezielt zu bewerben, heisst es auf Anfrage beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich. Wenn jemand geringe Chancen hat oder beschränkt arbeitsmarktfähig ist, dann könne eine Weiterbildung angebracht sein, sofern das erforderliche Know-how innerhalb einer nützlichen Frist aufgebaut werden könne.

  • Habe ich wegen Corona spezielle Ansprüche, wenn ich arbeitslos bin?

Wer arbeitslos wird, soll sich laut dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich möglichst bald beim zuständigen RAV anmelden. Spezielle Ansprüche wegen Corona gewährt die Arbeitslosenversicherung nicht mehr. Die Erhöhung der maximalen Anzahl von Taggeldern hob der Bundesrat Ende August auf.

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