Propog: Im Zürcher Notgefängnis sitzen bereits 11-Jährige
Aktualisiert

PropogIm Zürcher Notgefängnis sitzen bereits 11-Jährige

Im provisorischen Polizeigefängnis Zürich sind auch Jugendliche inhaftiert. Das muss sich ändern, fordert die Schweizer Anti-Folter-Kommission.

von
kün
Im provisorischen Polizeigefängnis können 141 Personen inhaftiert werden.

Im provisorischen Polizeigefängnis können 141 Personen inhaftiert werden.

Keystone/Walter Bieri

Wenn die Basler Polizei einen Jugendlichen verhaftet, bringt sie ihn auf die Jugendstation des Untersuchungsgefängnisses. Diese ist vom Rest der Anstalt abgetrennt und jugendgerecht ausgestattet. In Zürich ist die erste Station oft das Polizeigefängnis auf dem Kasernenareal – ein Provisorium aus dem Jahr 1994, eine Haftdrehscheibe, wo auch Schwerverbrecher, psychisch auffällige und suizidale Häftlinge untergebracht sind. Bei einem Besuch im April 2014 stellten die Spezialisten der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF) überrascht fest: Im Propog waren auch zwei Jugendliche inhaftiert.

Die Delegation kritisierte dies nach ihrer Visite. Das «Propog» sei für Minderjährige ungeeignet, weil Jugendliche und Erwachsene nur zellenweise voneinander getrennt seien. Die einflussreichen Spezialisten empfahlen «dringend», Minderjährige nur in einer spezialisierten Einrichtung unterzubringen.

Keine Änderung in Sicht

Trotz der ungewöhnlich scharfen Kritik waren 2015 laut Polizei 745 Minderjährige im Propog inhaftiert, die Jüngsten waren elf Jahre alt. Bei einem Grossteil dauerte der Aufenthalt einige Stunden, bei manchen mehrere Tage. Aus Polizeisicht genügt die Trennung im Propog. Es sei kein separates Gebäude nötig, sagt auch SVP-Kantonsrat und Richter Bruno Amacker, eine eigene Abteilung reiche aus.

Spezialisten sind anderer Meinung. Eine Jugendstation gibt es nicht, es sind lediglich acht Zellen für Jugendliche vorgesehen. Es komme vor, dass Insassen nachts in den Zellen herumbrüllten – «und nebenan ist ein Elfjähriger untergebracht? Das geht nicht», sagt Professor Alberto Achermann, NKVF-Präsident.

Ab 2020 sollen Häftlinge im neuen Polizei- und Justizzentrum untergebracht werden. Allerdings ist auch dort keine baulich abgetrennte Abteilung für Jugendliche vorgesehen.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten.

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