Wikileaks-Depeschen: Imelda Marcos zwang Generäle in Frauenkleider
Aktualisiert

Wikileaks-DepeschenImelda Marcos zwang Generäle in Frauenkleider

Die philippinische Diktatoren-Gattin Imelda Marcos liess an einer Geburtstagsparty Generäle in Frauenkleidern paradieren. «Schrille Arschkriecherei», bilanzierte der US-Botschafter.

von
pbl
Imelda Marcos am gläsernen Sarg ihres 1989 verstorbenen Ehemanns Ferdinand.

Imelda Marcos am gläsernen Sarg ihres 1989 verstorbenen Ehemanns Ferdinand.

Das Online-Portal Wikileaks machte zuletzt nur noch mit den Eskapaden seines Gründers Julian Assange Schlagzeilen. Er war in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet, um sich der Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Dort war Assange offenbar nicht untätig: Am Montag veröffentlichte Wikileaks rund 1,7 Millionen US-Diplomatendokumente aus der Zeit zwischen 1973 und 1976. Sie werden als «Kissinger Cables» bezeichnet, nach Henry Kissinger, der damals Nationaler Sicherheitsberater und Aussenminister war.

Anders als bei den Cablegate-Depeschen, die Wikileaks vom US-Soldaten Bradley Manning zugespielt bekam, handelt es sich um Dokumente, die bereits freigegeben, bislang aber kaum beachtet wurden. Sie stammen aus der Zeit des Kalten Kriegs. Erste Auswertungen haben wenig Brisantes zu Tage gefördert. Eine skurrile Episode allerdings ist aufgetaucht: Sie betrifft den ehemaligen philippinischen Diktator Ferdinand Marcos und seine Ehefrau Imelda, die für ihre Sammlung von mehr als 1000 Paar Schuhen bekannt ist.

Von zweifelhaftem Geschmack

Zu Ferdinands Geburtstag 1973 richtete Imelda eine pompöse Party aus, berichtete William Sullivan, der damalige US-Botschafter in Manila. Sie dauerte volle zwei Tage und sei «in jeder Hinsicht zu viel, zu lang und von zweifelhaftem Geschmack» gewesen. So mussten hunderte Soldaten und selbst Generäle auf Anweisung von Imelda in «schrillen Frauenkleidern» paradieren. Ferdinand Marcos soll es gefallen haben, doch die übrigen Gäste verbargen laut Sullivan ihren Unmut über die bizarre Show nicht.

Die Party sei eine «überzuckerte Arschkriecherei» gewesen, so das Fazit des Botschafters. Die Staatsmedien hatten damals vermeldet, der Präsident habe «einen ruhigen Geburtstag an seinem Schreibtisch verbracht». Ferdinand Marcos wurde 1986 durch einen vom Militär unterstützen Volksaufstand gestürzt, er starb drei Jahre später im Exil auf Hawaii. Die heute 83-jährige Imelda lebt wieder auf den Philippinen und sitzt als Abgeordnete im Parlament. Ihre Tochter Imee ist Gouverneurin einer Provinz. Sie kam durch die Offshore-Leaks-Enthüllungen ins Gerede, weil sie einen Trust auf den Britischen Jungferninseln besitzt.

Assanges fragwürdiger Coup

Ob der neuste Wikileaks-Coup noch Spektakuläres bringen wird, scheint zweifelhaft. Julian Assange kündigt «bedeutende Enthüllungen zum amerikanischen Einfluss auf faschistische Diktaturen» an, doch die «Zeit» zweifelt daran, denn «die meisten der Akten sind längst bekannt». Für die deutsche Zeitung missbraucht Julian Assange einmal mehr «ein Projekt zur Propaganda». Zumindest ein denkwürdiges Quote wurde den Depeschen entnommen. Bei einem Treffen in der Türkei hatte der deutschstämmige Henry Kissinger in Anlehnung an eine deutsche Redensart erklärt: «Illegales wird sofort erledigt, Verfassungswidriges dauert etwas länger.»

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