Oliver Bierhoff: «Immer diese Selfies – das geht mir auf den Keks»
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Oliver Bierhoff«Immer diese Selfies – das geht mir auf den Keks»

DFB-Manager Oliver Bierhoff weiss um die Wichtigkeit der Social Media, steht ihnen aber skeptisch gegenüber. Er wünscht sich einen kontrollierteren Umgang damit.

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kai

Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw hatte der Öffentlichkeit schon vor zwei Jahren mitgeteilt, dass er kein Freund von Twitter und Facebook ist. Nun zog DFB-Manager Oliver Bierhoff nach. Der Europameister von 1996 sprach in einem Interview mit der «Welt» ausführlich über seine Einstellung gegenüber den Social Media und moderner Technik.

Dabei offenbarte der 46-Jährige, dass ihn die ständige Erreichbarkeit und der Geltungsdrang vieler Zeitgenossen nerven. «Ganz ehrlich: Mir gehen diese Mitteilungen von Banalitäten und auch Selfies teilweise auf den Keks», sagt er. Und weiter: «Ich finde das teilweise narzisstisch. Warum muss ich der Welt mitteilen, wie gut es mir geht, wie cool alles ist? Das hat doch manchmal nichts mehr mit dem normalen Leben zu tun, da werden Traumwelten kreiert.»

Die Smartphones am Esstisch

Dass der Umgang mit Twitter und Facebook für jüngere Generationen, also auch für viele deutsche Nationalspieler, völlig normal ist, dessen ist sich Bierhoff bewusst. «Einerseits lassen wir keine Fotografen in die Kabine, andererseits landen dann Fotos von Spielern im Netz», sagt er. «Ich denke, man kann das nicht aufhalten. Für viele Spieler ist das eben wichtig. Da müssen wir mit der Zeit gehen. Ob es am Ende auch immer gut ist, sei mal dahingestellt.»

Bierhoff outet sich generell als Freund moderner Technik, sagt, sie helfe, «das Leben zu erleichtern». Mühe hat er hingegen, wenn sich die Kommunikation zu sehr auf Computer und Handy reduziert. «2005 haben wir die Zeitungen aus dem Essensraum der Spieler entfernen lassen, weil sich jeder eine geschnappt und am Tisch gelesen hat. Wir wollten aber, dass sie mehr miteinander reden. Sie fanden das im Nachhinein gut», erzählt er. «Was passiert heute? Heute sitzen manchmal sechs Spieler an einem Tisch und jeder ist mit seinem Smartphone beschäftigt.»

«Technik auch mal Technik sein lassen»

Dass gerade die Social Media in der heutigen Zeit grossen Einfluss auf das Image und die Bekanntheit haben und damit für Sponsoren wichtig sind, ist Bierhoff natürlich klar. «Ich weiss um die wirtschaftlichen Faktoren und den informellen Charakter. Beim DFB nutzen wir die sozialen Medien auch, um bestimmte Botschaften zu verbreiten», sagt er, wünscht sich aber einen gemässigteren Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln. «Was spricht dagegen, die Technik auch mal Technik sein zu lassen? Wenn du als Mensch zu dir finden willst, brauchst du Ruhe.»

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