Covid-Verdoppelung im Kanton Bern: Steigende Anzahl Corona-Patienten – Spitäler steuern auf Limit zu
Publiziert

Covid-Verdoppelung im Kanton BernSteigende Anzahl Corona-Patienten – Spitäler steuern auf Limit zu

Berner Spitäler müssen ihre Kapazitäten ausbauen, die Anzahl hospitalisierter Corona-Erkrankten steigt täglich. Der Kanton Bern warnt: Bei diesem Tempo könnten Spitäler bereits in zwei Wochen voll sein.

von
Christian Holzer
1 / 8
Auf das medizinisches Fachpersonal der Schweiz kommt viel Arbeit zu: Im ganzen Land steigen die Corona-Zahlen.

Auf das medizinisches Fachpersonal der Schweiz kommt viel Arbeit zu: Im ganzen Land steigen die Corona-Zahlen.

Archivbild / Raphael Moser / Tamedia AG
Und damit auch die Spitaleinweisungen von Covid-Erkrankten.

Und damit auch die Spitaleinweisungen von Covid-Erkrankten.

Getty Images
In den Spitälern des Kanton Berns füllen sich langsam die Covid-Abteilungen.

In den Spitälern des Kanton Berns füllen sich langsam die Covid-Abteilungen.

Archivild PD/Alex Kühni

Darum gehts

  • Berner spitäler machen Platz für die steigende Anzahl Corona-Patienten.

  • Laut Kanton droht in vier Wochen eine komplette Auslastung der Hospitalisationskapazitäten.

  • Auch im Kanton Freiburg muss man reagieren.

Die Schweiz befindet sich im Sog der sogenannten zweiten Welle. 5596 Neuansteckungen verkündete der Bund am Mittwoch. 512 davon wurden im Kanton Bern verzeichnet. Das sind so viele wie noch nie und doppelt so viele wie in den letzten Tagen. Zurzeit steigt auch die Zahl der Hospitalisierten rasant an. Bei der letzten Erhebung am Montag waren es noch 82, am Mittwoch bereits 121 Menschen.

Die Spitäler fangen nun an zu reagieren – so etwa die Spitäler der Insel Gruppe. Bisher wurden Covid-Patienten nur im Uni-Spital Insel und dem Stadtspital Tiefenau behandelt. Dort wird der Platz jedoch langsam eng: «Bei uns haben sich die Einweisungen von Covid-Patienten seit der letzten Woche verdoppelt und wir erwarten eine weitere Steigerung. Wir bauen darum unsere Kapazitäten aus», so Adrian Grob, Sprecher der Inselgruppe. Konkret würden an Covid Erkrankte nun auch in anderen Spitälern untergebracht und gepflegt. Derzeit gebe es jedoch noch genügend Kapazitäten inklusive Beatmungsplätze: «Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.»

Lehren der letzten Monate

Gabriel Waldegg, Leitender Arzt Medizin und Infektiologie im Spital Emmental, sieht viel Arbeit auf die Fachkräfte zukommen. Das Spitalpersonal sei durch aufwändige Isolationsmassnahmen bei Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf oder bestätigter Covid-19-Erkrankung besonders gefordert. «Diesbezüglich lässt die hohe Positivitätsrate der Abstriche eine deutliche Zunahme an Hospitalisationen in den nächsten Tagen und Wochen erwarten.» Im Gegensatz zum Frühjahr befinde sich die Schweiz nicht in einem Lockdown. «Dadurch sind Kontakte weniger eingeschränkt und das Risiko einer Infektion erhöht.»

Der bereits vor Corona bestehende Mangel an Pflegefachpersonen wird durch Krankheitsausfälle sowie durch Isolations- und Quarantänemassnahmen beim Personal weiter verschärft. Jedoch stehe die Medizin heute an einem anderen Punkt als im Frühjahr: «Das Gesundheitspersonal hat in den letzten sechs Monaten viel Erfahrung gesammelt und im Umgang mit Patientinnen und Patienten mit Covid-19 Sicherheit gewonnen. Funktionierende Konzepte werden tagtäglich umgesetzt.»

Es droht bereits das Limit

Der Kanton Bern beobachtet die Situation in den Spitälern mit Argusaugen. Catherine Arber, Kommunikationsberaterin beim Kanton Bern: «Wir sind mit den Spitälern in engem Kontakt, wie die Kapazitäten weiter ausgebaut werden können.» Derzeit gebe es noch keine Anzeichen für Versorgungsengpässe. Aber: «Bei gleich bleibendem Anstieg der Fallzahlen werden die Hospitalisationskapazitäten im Verlauf von zwei bis vier Wochen ausgeschöpft sein.»

Beim Kanton hofft man jedoch nicht, dass es so weit kommt. Erst am Sonntag hat der Regierungsrat neben Massnahmen zur Eindämmung erlassen – darunter etwa ein Grossveranstaltungsverbot. «Ob Massnahmen wirken, kann frühestens 14 Tage nach deren Einsetzung evaluiert werden», so Arber. Werden die neu erlassenen Massnahmen die Zahl der Neuansteckungen nicht senken können, wird der Kanton wohl oder übel weitere Massnahmen beschliessen müssen. Kommt es dann zu regionalen Lockdowns? Arber beantwortet die Frage wie folgt: «Sollte sich herausstellen, dass einzelne Regionen besonders stark betroffen sind, werden allenfalls für die Region spezifische Massnahmen angeordnet.»

Auch Freiburg muss reagieren

Auch im Kanton Freiburg, der bereits seit zehn Tagen rasch steigende Ansteckungszahlen feststellt, reagieren Spitäler. «Das gesamte Spitalnetz ist derzeit voll ausgelastet», sagt Jeannette Portmann, Sprecherin der Vereinigung Freiburger Spitäler HFR. Bisher wurden dort Covid-Patienten ausschliesslich am Kantonsspital in Freiburg behandelt, seit kurzem werden Patienten mit weniger schwerem Verlauf an die Aussenstandorte des HFR-Spitalnetzes verlegt: «Wir brauchen im Kantonsspital freie Betten für die schweren Fälle, auch für Patienten, die nicht an Covid erkrankt sind.» HFR will an einer kurzfristig organisierten Medienkonferenz morgen über weitere Massnahmen im Umgang mit den steigenden Hospitalisationen informieren.

Covid im Kanton Bern

Bei der letzten Erhebung am Montag waren es noch 82, am Mittwoch bereits 121 Menschen, die mit einer Covid-19-Erkrankung im Spital lagen. 13 von ihnen befanden sich auf der Intensivstation, sieben von ihnen waren auf künstliche Beatmung angewiesen. Bei 40 Prozent der neu infizierten Personen im Kanton Bern ist unbekannt, wie sie sich ansteckten. Bei 17 Prozent erfolgte die Ansteckung in der Familie, bei 10 Prozent bei einem Treffen in der Familie oder im Freundeskreis. Ebenfalls bei 10 Prozent der Fälle war der Arbeitsplatz Ansteckungsort. Öffentliche und private Veranstaltungen waren in 4 Prozent der Fälle Ort der Infektion, sportliche Aktivitäten in 3 Prozent und der Aufenthalt in einem Gastronomiebetrieb ebenfalls in 3 Prozent. Dazu kommen weitere Ansteckungsorte. sda

Deine Meinung

139 Kommentare