Dreiste Langfinger: Immer mehr Diebe beklauen Zugpassagiere
Aktualisiert

Dreiste LangfingerImmer mehr Diebe beklauen Zugpassagiere

Akribisch geplante Diebstähle in Zügen nehmen massiv zu. Mit der «Pariser Methode» entwenden Diebe ahnungslosen Reisenden Wertsachen und Gepäck. Die SBB mahnen ihre Passagiere zur Vorsicht.

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jsk/dwi
Immer mehr wird in Zügen und an Bahnhöfen geklaut. Die Diebe agieren dreist und blitzschnell.

Immer mehr wird in Zügen und an Bahnhöfen geklaut. Die Diebe agieren dreist und blitzschnell.

Die Zahlen sind erschreckend: Im zweiten Halbjahr 2011 meldete die Kantonspolizei Zürich 174 Diebstähle in Zügen. Dieses Jahr sind es nach dreieinhalb Monaten bereits 144 Fälle. Immer häufiger wenden die Diebe eine Masche an, wie sie in Pariser U-Bahnen längst gang und gäbe ist. Die Diebe bestehlen die Zugpassagiere kurz vor der Abfahrt und verlassen in letzter Sekunde den Zug.

Auch Valeria K.* aus Bern wurde beklaut: Sie sass Anfang Februar im Intercity in Genf, als sie einen Mann sah, der auf dem Perron wild ins obere Abteil des Zugs gestikulierte. Vom Mann abgelenkt, sah sie den Dieb nicht kommen: «Er rannte durch den Gang und schnappte sich blitzschnell meine Tasche, die neben mir auf dem Sitz lag.» Der Dieb entwischte durch die sich schliessende Tür, K. konnte ihm nicht einmal nachstellen.

Diebe klauen blitzschnell

Im Nachhinein ist K. klar, weshalb der Mann auf dem Perron gestikulierte: «Er dirigierte den Dieb, dieser konnte so die Aktion auf die Hundertstelsekunde genau planen.» Dimitrios N.* ging es ähnlich: Er sass in der S-Bahn in Uster, als ihm ein Dieb das brandneue Smartphone aus der Hand riss und aus dem Zug rannte. «Ich konnte ihn zwar noch einige Meter verfolgen, musste dann aber zurück in den Zug», so N.

Während Behörden in Frankreich vor der Masche warnen und Passagiere anhalten, nicht zu nahe an Türen zu stehen, haben die SBB noch keine genauen Zahlen zu dieser Art von Diebstählen. Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB bestätigt aber eine Zunahme der Diebstähle. «Gerade in den Hauptverkehrszeiten ist das Gedränge beim Ein- und Aussteigen in Züge oft gross.» Die Passagiere könnten sich aber durch gezielte Massnahmen schützen (siehe Box). Mit dem Einsatz von Sicherheitspersonal und Präventionsmassnahmen wollen die SBB die Anzahl Diebstähle verringern. So Ginsig: «Wo Taschendiebstähle festgestellt werden, reagieren wir umgehend mit Lautsprecherdurchsagen.»

*Namen der Redaktion bekannt

Wurden auch Sie auf ähnliche Weise in einem Zug bestohlen? Haben Sie Hinweise und Informationen? Schreiben Sie uns ein Mail an feedback@20minuten.ch

Um sich vor Diebstählen an Bahnhöfen und in Zügen zu schützen, raten die SBB in einer Mitteilung zu einigen Sicherheitsmassnahmen: Taschen sollten auf der Körpervorderseite getragen oder unter den Arm geklemmt werden – Wertsachen nicht in den Aussentaschen verstauen. Im Zug sollten die Taschen nicht auf der Gangseite abgestellt werden. Geld, Kreditkarten und Ausweise sollten in verschiedenen Innentaschen der Kleidung aufbewahrt werden – das Portemonnaie ist anzuketten.

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