Telefonitis im Auto: Immer mehr Entzüge wegen Handy am Steuer
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Telefonitis im AutoImmer mehr Entzüge wegen Handy am Steuer

Ausweisentzüge wegen Hantieren mit dem Handy am Steuer gab es im Jahr 2015 massiv mehr: In Schwyz nahmen die Fälle gar um 91 Prozent zu, in Luzern um 26 Prozent.

von
emi
Im Jahr 2015 wurden gemäss Astra wegen Unaufmerksamkeit und Ablenkung 450 Personen schwer verletzt.

Im Jahr 2015 wurden gemäss Astra wegen Unaufmerksamkeit und Ablenkung 450 Personen schwer verletzt.

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Im Kanton Schwyz hat die Zahl der Ausweisentzüge 2015 im Vergleich zum Vorjahr um beinahe 20 Prozent zugenommen, wie der «Bote der Urschweiz» am Donnerstag berichtet. Waren es 2014 noch 1491 Fälle, wurde 2015 bereits 1835 Personen der Fahrausweis weggenommen.

Zunahme von 91 Prozent im Kanton Schwyz

Besonders drastisch zugenommen hat im Kanton Schwyz die Zahl der Ausweisentzüge wegen Handynutzung: «Die Zahl der Massnahmen hat im letzten Jahr um nicht weniger als 91 Prozent zugenommen», sagt Peter Wespi, Vorsteher des Verkehrsamtes. Insgesamt mussten 145 Personen ihren Führerschein wegen SMS schreiben, Mails und Facebook checken oder telefonieren am Steuer abgeben oder wurden verwarnt. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 wurden im Kanton Schwyz lediglich 76 «Telefonitis»-Fälle registriert.

Nicht ganz so hoch, aber ebenfalls beeindruckend sind die Zahlen der Statistik des Strassenverkehrsamtes Luzern: Fälle von Ablenkung und Unaufmerksamkeit – unter anderem wegen dem Bedienen von Mobiltelefonen – haben im Vergleich zu 2014 um 26,1 Prozent zugenommen. Während 2014 insgesamt 383 Personen das «Billett» abgeben mussten, ist die Zahl im vergangenem Jahr genau um 100 Handysünder gestiegen.

«Handy am Steuer – ein relativ neues Phänomen»

Der Luzerner Verkehrstherapeut Lorenz Imbach sagt dazu: «Das Benutzen des Handys am Steuer ist ein relativ neues Phänomen, das im Verkehr seit einigen Jahren spezifischer beobachtet wird.» Sobald sich Automobilisten auffällig im Verkehr verhalten und beispielsweise von der Spur abweichen oder gar langsamer fahren, könne man davon ausgehen, dass die Person gerade das Handy oder das Navi bedient. «Die Polizei macht daher verstärkt Jagd auf Handynutzer am Steuer, so dass die statistischen Zahlen auch auf strengere Kontrollen zurückzuführen sind», vermutet Imbach. Nicht selten sei auch der Fall, dass nicht nur die Polizei, sondern auch andere Autofahrer Verkehrssünder anzeigen.

Pokemon-Hype als Gefahr

Dass sich das Verhalten eines Menschen im Verkehr innerhalb eines Jahres derartig drastisch verändert, schliesst Imbach indes aus. Laut dem forensischen Psychologen sind die Folgen fatal: «Wer fünf Sekunden lang mit dem Handy abgelenkt ist, hat bereits einen 100 Meter langen Blindflug zurückgelegt und stellt damit eine erhebliche Gefährdung der Sicherheit dar.»

Mit dem Pokémon-Hype ist die Versuchung am Steuer noch grösser geworden: mit einer Hand das Lenkrad halten und mit der anderen noch schnell ein Pikachu aufspüren. «Meldungen von Pokémon-Jägern sind bis heute noch nicht eingegangen», sagt Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Polizei.

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