Aktualisiert 09.10.2012 08:09

ArbeitslosImmer mehr Jugendliche ohne Job

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Arbeitslosigkeit bei den Jungen um fast zehn Prozent gestiegen. Besonders betroffen sind Handwerksberufe. Im Ausland ist die Situation weitaus dramatischer.

von
A. Hämmerli
Einen Job zu finden, ist für viele Junge schwer geworden.

Einen Job zu finden, ist für viele Junge schwer geworden.

Härtere Zeiten für die Schweizer Jugend: Im September fanden 19 558 junge Erwachsene zwischen 15 und 24 Jahren keine Anstellung. Die Jugendarbeitslosigkeit betrug somit 3,5 Prozent. Im September vor einem Jahr waren es 3,2 Prozent. «Vor allem im Reparatur- und Autogewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Gastgewerbe sind die Jobs für Junge rarer geworden», sagt Oliver Schärli, stellvertretender Leiter des Bereichs Arbeitslosenversicherung beim Seco.

«Die Unternehmen verfügen wegen der unsicheren Wirtschaftslage wieder vermehrt Einstellungsstopps», sagt George Sheldon, Arbeitsmarktexperte an der Uni Basel. «Und diese treffen für gewöhnlich eher die jungen Stellensuchenden.» Von einem dramatischen Zuwachs der Jugendarbeitslosigkeit zu sprechen, fände Sheldon trotz des Anstiegs um 9,1 Prozent übertrieben. «Von Jugendarbeitslosenquoten über 5 Prozent wie im Jahr 2009 sind wir noch weit entfernt.» Wirklich «problematisch» sei die Jugendarbeitslosigkeit zudem im ökonomischen Sprachgebrauch erst, wenn diese mehr als doppelt so hoch sei wie in der Gesamtbevölkerung.

Griechen und Spanier leiden am meisten

Gemäss den neusten Prognosen des Seco wird sich die Arbeitslosenquote in der Schweiz über alle Altersschichten im kommenden Jahr von derzeit 2,8 auf 3,3 Prozent erhöhen. «Die Jugend wird davon erfahrungsgemäss überdurchschnittlich betroffen sein», sagt Seco-Experte Schärli. Im internationalen Vergleich dürfte die Schweiz aber auch dann hervorragend abschneiden. Das zeigt ein Blick in die EU. Dort beträgt die Jugendarbeitslosigkeit im Schnitt 22,7 Prozent. Deutschland schneidet unter den EU-Ländern mit 8,1 Prozent am besten ab, gefolgt von Holland und Österreich. Besonders hart haben es die Jugendlichen in Griechenland und in Spanien. Dort ist mehr als jeder zweite Jugendliche Arbeitslos (52,9 bzw. 55,4 Prozent, siehe Box). Weltweit beläuft sich die Jugendarbeitslosigkeit auf rund 12,7 Prozent.

Laut Sheldon schneidet die Schweiz insbesondere deshalb derart gut ab, weil der hiesige Arbeitsmarkt nur leicht reguliert ist: «Es bestehen weder hohe Mindestlöhne noch ist es sonderlich schwierig, Leute zu entlassen», erklärt Sheldeon. Entsprechend leicht falle es den Unternehmen, Arbeitskräfte einzustellen. In den Krisenländern Griechenland und Spanien sei es genau umgekehrt. Dort gelte: Wer einen Job hat, will diesen behalten. «Und die Arbeitslosen haben Pech gehabt.» Von Deregulierung wolle man in den Gewerkschaften daher nur selten etwas wissen.

Die zehn EU-Länder mit der höchsten Jugendarbeitslosigkeit

Griechenland 55,4%

Spanien 52,9%

Portugal 35,9%

Irland 34,7%

Italien 34,5%

Slowakei 31,5%

Bulgarien 29,4%

Lettland 29,3%

Ungarn 28,9%

Zypern 26,9%

Quelle: EUROSTAT, August 2012

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