Aktualisiert 11.01.2010 13:20

US-Studie

Immer mehr Jugendliche sind psychisch krank

Sie leiden unter Depressionen, haben Angstzustände und fühlen sich gestresst: Einer neuen Studie zufolge sind unter Jugendlichen in den USA psychische Erkrankung heute fünf Mal häufiger als noch vor 70 Jahren.

von
Martha Irvine, AP

Als Hauptgrund sehen Experten die gestiegenen Erwartungen an materiellen Wohlstand und Schönheit, von denen sich viele Schüler und Studenten immer stärker unter Druck gesetzt sehen.

Die am Montag veröffentlichten Ergebnisse beruhen auf dem MMPI (Minnesota Multiphasic Personality Inventory), einem der weltweit am häufigsten eingesetzten psychologischen Persönlichkeitstests, der Ende der 30er Jahre in den USA entwickelt wurde. Unter der Leitung der Psychologie-Professorin Jean Twenge von der San Diego State University werteten Forscher an fünf Hochschulen die MMPI-Fragebögen von 77.576 Schülern und Studenten aus den Jahren 1938 bis 2007 aus.

Fünf Mal mehr Jugendliche krank

Im Vergleich zu 1938 litten demnach 2007 fünf Mal mehr Jugendliche an Depressionen (Anstieg von einem auf sechs Prozent) und an Hypomanie (Anstieg von fünf auf 31 Prozent), einer abschwächten Form der Manie mit leicht gehobener Grundstimmung und gesteigertem Antrieb.

«Es ist ein weiteres Puzzleteil, dass das ein Problem zu sein scheint, dass mehr junge Leute über Ängste und Depressionen berichten», sagte Twenge. «Die nächste Frage ist: 'Wie gehen wir damit um'?» Möglicherweise sei die Dunkelziffer tatsächlich noch höher, da viele Jugendliche ihre psychologischen Probleme inzwischen mit Antidepressiva und anderen Medikamenten behandelten. Dadurch könnten die im MMPI abgefragten Symptome gelindert werden.

Grund: Wertewandel

Als Grund für den Anstieg sehen die Experten vor allem den Wertewandel, der dazu führte, dass Reichtum, Schönheit und Statussymbole heute für junge Leute eine viel grössere Rolle spielen als früher. Zudem habe die Überfürsorge vieler Eltern dazu geführt, dass viele Schüler und Jugendliche heute nicht mehr mit dem Alltag zurechtkämen.

So hätten viele von ihnen nie gelernt, mit Geld umzugehen oder Autoritäten in Frage zu stellen. «Wenn man diese Fähigkeiten nicht hat, ist es sehr normal, Ängste zu entwickeln», sagte die Jugendmedizinerin Elizabeth Alderman vom New Yorker Montefiore Medical Center. Sie hoffe, dass die neue Studie, die in einer der nächsten Ausgaben des «Clinical Psychology Review» erscheinen soll, ein Warnzeichen an die Eltern sein werde.

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