Aktualisiert 14.11.2013 22:39

Rätselhaft

Immer mehr Kinder haben Diabetes Typ 1

3000 Schweizer Kinder leiden an Diabetes Typ 1 und die Fälle nehmen stetig zu – besonders bei den ganz kleinen Kids. Über die Gründe können Ärzte nur spekulieren.

von
Raffaela Moresi

Wenn Kinder sehr schnell erschöpft sind und ständig Durst haben, sollten bei Eltern die Alarmglocken läuten - selbst wenn der Nachwuchs noch ganz klein ist. Denn immer mehr Kids haben Diabetes Typ 1. Experten gehen davon aus, dass in der Schweiz bereits etwa 3000 Jungs und Mädchen von der Stoffwechselkrankheit betroffen sind. Und jedes Jahr kommen rund 200 neuerkrankte Kinder hinzu.

Was auffällt: «Bei den 0- bis 4-Jährigen ist die Zunahme am stärksten», sagt der Zürcher Kinderarzt und Diabetologe Udo Meinhardt. «Ist die Windel ständig triefend nass, so kann das ein klares Indiz sein.» Während die Diagnose recht einfach fällt, rätseln Fachleute darüber, weshalb die Diabetes-1-Fälle ansteigen. «Für die Antwort kann man noch einen Nobelpreis gewinnen», sagte Thomas Darne, Chefarzt und Vorsitzender von der Deutschen Diabetes Hilfe, gar gegenüber «focus.de. «Es ist wie ein Puzzlespiel.»

Weder bewegungsfaul noch dick

Fest steht: Mit Übergewicht oder Bewegungsmangel hat die Krankheit - im Gegensatz zur Diabetes Typ 2 - überhaupt nichts zu tun. Vereinfacht gesagt, zerstört der Körper beim Typ 1 seine eigenen Zellen, die Insulin produzieren. Dadurch nimmt die Insulinmenge, die die Bauchspeicheldrüse produziert, schrittweise ab - ein Prozess, der sich nicht aufhalten lässt. «Klar ist, dass das Immunsystem eine grosse Rolle spielt», so Udo Meinhardt.

Man gehe davon aus, dass Ernährung, gewisse Infektionskrankheiten oder auch Umweltfaktoren einen Einfluss haben könnten. «Unser überreinliches Verhalten macht das Immunsystem womöglich anfälliger.» Hingegen scheinen die Sonneneinstrahlung und das daraus entstehende Vitamin D einen schützenden Effekt zu haben. «Das zeigt sich unter anderem daran, dass in der warmen Jahreszeit weniger Kinder erkranken als in den Wintermonaten.»

«Ein Kreuz, das man tragen lernen muss»

Die Diagnose sei besonders für die Eltern immer ein Schock, sagt Meinhardt. «Diabetes ist ein Kreuz, das man tragen lernen muss.» Deshalb hat der Kinderarzt auch mitgeholfen, die Plattform www.swissdiabeteskids.ch ins Leben zu rufen, auf der sich Angehörige austauschen können. «Dort begegnen sie anderen Betroffenen und sehen, dass sich mit der Krankheit heutzutage gut leben lässt.»

Diabetes Typ I und Typ II

Der Diabetes vom Typ I trifft in der Regel junge Menschen. Bei dieser Form der Erkrankung werden die sogenannten Beta-Zellen, die in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) das Insulin produzieren, zerstört. Aus diesem Grund müssen sich diese Patienten das Insulin regelmässig selbst in Form von Spritzen zuführen, um einem erhöhten Blutzuckerspiegel entgegenzuwirken.

Anders ist das beim Diabetes des Typs II, von dem etwa 90 Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind. Durch eine längerfristige, überhöhte Energiezufuhr und andere, noch unbekannte Faktoren, entsteht bei einigen Organen eine Insulin-Resistenz. Diesen Effekt versucht die Bauchspeicheldrüse auszugleichen, indem sie noch mehr Insulin produziert – eine Belastung, der die Insulin-Produzentin nicht ewig stand hält: Es kommt zu einer stark reduzierten Insulin-Ausschüttung, der Blutzuckerwert steigt. Diese Form des Diabetes ist auch als Altersdiabetes bekannt. Heute erkranken daran vor allem Übergewichtige – vereinzelt erkranken sogar Kinder an dem durch Ernährungsfehler entstehenden Leiden. (ram)

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