Aktualisiert 30.03.2020 14:04

Kriminalstatistik

«Immer mehr Leute sind bewaffnet unterwegs»

Springmesser und Schlagstöcke: In der Schweiz kommt es vermehrt zu schweren Körperverletzungen durch Stich- und Schlagwaffen. Ein Teufelskreis, sagen Experten.

von
nke/cho
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Auf den nächtlichen Strassen in der Schweiz fliesst immer öfter Blut. Dies zeigen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS).

Auf den nächtlichen Strassen in der Schweiz fliesst immer öfter Blut. Dies zeigen Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS).

Leser-Reporter
Ihnen ist etwa ein Anstieg der Körperverletzungs-Delikte zu entnehmen. Am deutlichsten war die Zunahme von schweren Körperverletzungen durch Schlag- und Stichwaffen. 2019 kam es insgesamt zu 637 Fällen von schwerer Körperverletzung.

Ihnen ist etwa ein Anstieg der Körperverletzungs-Delikte zu entnehmen. Am deutlichsten war die Zunahme von schweren Körperverletzungen durch Schlag- und Stichwaffen. 2019 kam es insgesamt zu 637 Fällen von schwerer Körperverletzung.

bfs
Im Vorjahr lag die Zahl noch bei 585 Fällen. Das ist ein Anstieg von 9 Prozent. Delikte mit Schlagwaffen haben um 38 Prozent zugenommen. Schwere Körperverletzungen mit Stichwaffen gab es 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

Im Vorjahr lag die Zahl noch bei 585 Fällen. Das ist ein Anstieg von 9 Prozent. Delikte mit Schlagwaffen haben um 38 Prozent zugenommen. Schwere Körperverletzungen mit Stichwaffen gab es 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

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Im Nelson-Pub in Kloten floss plötzlich Blut. Während des Barbetriebs wurde ein Gast neulich niedergestochen. Mehrere Männer hatten zu Messern gegriffen und ihn schwer verletzt. Vor dem Hirschensaal in Biel kam es an einem Samstag im Dezember 2018 zu einer nächtlichen Schlägerei – einer der Involvierten zückte ein Messer. Zwei Personen erlitten Schnittwunden. Mitte Januar wurden zwei Freunde beim Zürcher Stadelhofen von einer Gruppe angegriffen. Einem der Männer wurde eine Klinge in die Lunge gerammt, er musste notoperiert werden.

Mit Messer an die Party

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2019 werden in der Schweiz immer häufiger schwere Körperverletzungen registriert (Details siehe Box). Diese werden immer häufiger von Jugendlichen und jungen Erwachsenen verübt. Rund ein Drittel der Straftäter ist weniger als 25 Jahre alt. Peter Gill, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt, kennt das Problem: «Immer wieder stellen wir fest, dass Leute ein Messer dabeihaben. Wenn es dann zu Streit kommt, Alkohol oder Drogen im Spiel sind, oder sich jemand in der Ehre verletzt fühlt, eskaliert die Situation», sagt Gill.

Bekim Mzi ist Einsatzleiter bei der Swiss Security Group GmbH (SSG). Er sagt: «So wie wir es mitbekommen, ist die Gewalt im Ausgang stark gestiegen und die Täter werden immer skrupelloser.» Er beschreibt es als Teufelskreis: «Die Leute haben Angst, wenn sie in den Ausgang gehen, und tragen deshalb Waffen bei sich. Kommt es dann zu Aggressionen, wird im Affekt auch schnell zur Waffe gegriffen.»

Bei Einlasskontrollen entdeckten die Security-Mitarbeiter häufig Waffen auf den Personen. Gerade Springmesser und Teleskopstöcke, die sich leicht verstecken lassen, sind laut Mzi bei Partygängern beliebt.

Meist keine Einzeltäter

Mzi erklärt, dass auch die Gruppendynamik zu Straftaten führe: «Die Täter sind fast nie allein unterwegs. Wir merken, dass es mehr Gruppendelikte gibt. Oft ist es ein Streit zwischen zwei Gruppen, der dann eskaliert. Und die Security ist mittendrin.»

Als Reaktion auf den Gewaltanstieg seien zuletzt vermehrt Patrouillen durchgeführt worden, sagt Mzi. Und die Mitarbeiter der SSG seien nicht mehr allein und nie ohne Stichschutzweste unterwegs.

Höhere Aufklärungsrate

Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, bestätigt den Trend, verweist aber gleichzeitig auf eine positive Entwicklung: Die Aufklärungsrate bei schwerer Körperverletzung habe sich im letzten Jahr verbessert. 88,6 Prozent der Fälle konnten 2019 aufgeklärt werden. Im Vorjahr waren es noch 77,1 Prozent. Schneider: «Die Zunahme der aufgeklärten Fälle ist ein wichtiges Zeichen im Kampf gegen die Kriminalität.»

Noch ein weiterer Faktor dürfte sich positiv auf die Statistik auswirken: der aktuelle Lockdown. Schneider: «Je weniger die Leute ausgehen und sich betrinken, desto weniger kommt es tendenziell zu solch schweren Zwischenfällen.»

Mehr schwere Körperverletzungen

Die Zahl der Fälle von schwerer Körperverletzung ist 2019 in der Schweiz deutlich angestiegen. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik nahm sie um neun Prozent auf 637 zu. 2018 wurden 585 Fälle gezählt. Am deutlichsten war die Zunahme von schweren Körperverletzungen durch Schlag- und Hiebwaffen. Mit 33 registrierten Fällen liegt hier ein Anstieg um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr (24) vor. Ebenfalls kam es zu einem Anstieg der Körperverletzungen mit Schneid- und Stichwaffen. 120 Fälle wurden registriert. Das sind 13 mehr als 2018.

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