Aktualisiert 31.10.2011 15:35

Flut in Thailand Immer mehr Menschen fliehen aus Bangkok

Um die Wassermassen um Bangkok in den Griff zu bekommen, erwägt die thailändische Regierung jetzt einen radikalen Plan: Sie will Strassen zu Flutkanälen machen. Einheimische flüchten derweil in Massen.

Immer mehr Thailänder flüchten aus Furcht vor einer drohenden Überflutung weiter Teile der Zwölf- Millionen-Metropole Bangkok. Zehntausende Autos verstopften am Freitag die Ausfallstrassen der Hauptstadt.

Die Menschen sind in Sorge, die Dämme des durch Bangkok fliessenden Flusses Chao Phraya könnten am Wochenende brechen und zu einer dramatischen Ausweitung der Überflutung der Hauptstadt führen. Der Chao Phraya erreichte am Freitag mit 2,47 Metern eine kritische Marke. Die Hochwasserdämme sind 2,50 Meter hoch.

Weil im Golf von Thailand eine Springflut erwartet wird, drückt neben den Wassermassen aus den Überschwemmungsgebieten auch Wasser aus dem Meer in die Flussmündung.

Scheitelpunkt am Samstag

«Für Samstag den 29. Oktober wird in Bangkok gegen 18.00 Uhr der Scheitelpunkt der Überschwemmung erwartet, bei dem es auch zu Überschwemmungen in der Innenstadt Bangkoks kommen kann», teilte etwa die deutsche Botschaft ihren Landsleuten mit.

Schon jetzt stehen die Thailänder bei dem zum Teil durch heftige Monsunregen ausgelösten Hochwasser vor der schlimmsten Flutkatastrophe des Landes seit rund einem halben Jahrhundert.

Mehr als zwei Millionen Menschen in den Zentral- und Nord- Provinzen des Landes leiden bereits unter den Überschwemmungen. Bislang starben 377 Menschen. Die Armee setzt zehntausende Soldaten zur Unterstützung der Bevölkerung ein.

Strassen aufreissen

Die Stadtverwaltung von Bangkok hat die Einwohner der 13 Bezirke derweil entlang des Flusses in Alarmbereitschaft versetzt. «Bereitet euch auf das Schlimmste vor», sagte ein Sprecher des Krisenzentrums (FROC) am Donnerstagabend nach Angaben der «Bangkok Post».

Regierungschefin Yingluck Shinawatra überflog am Freitagmorgen im Helikopter das Gebiet östlich von Bangkok, das für die neuen Flutkanäle vorgesehen ist. Unabhängige Ingenieure und Wasserexperten haben vorgeschlagen, fünf Strassen fünf bis sechs Meter weit aufzureissen.

Pumpen sollen die Wassermassen aus den Überschwemmungsgebieten an der Innenstadt vorbei in diese neuen Kanäle leiten, durch die das Wasser Richtung Meer fliessen soll. Das Wasser staut sich an den Flutbarrieren im Norden und die Behörden fürchten unkontrollierte Überflutungen, wenn die Dämme brechen.

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Die zweitgrösste südostasiatische Volkswirtschaft ist schon jetzt durch die Fluten angeschlagen. Da Thailand ein wichtiger Zulieferer für die Auto- und Computerindustrie ist, sind auch Firmen dieser Branchen weltweit betroffen.

Tokio reagierte umgehend auf diese Probleme. Wie ein Regierungssprecher in Tokio sagte, hätten dutzende Firmen wie Honda und Toyota ihre Produktion stoppen müssen. Japan werde daher thailändische Arbeiter japanischer Firmen im eigenen Land unter bestimmten Bedingungen akzeptieren. Dazu gehöre die Garantie der Firmen, dass die Arbeiter nach sechs Monaten wieder nach Hause zurückkehren sollten.

Die Bank von Thailand halbierte ihre Vorhersage für das Wirtschaftswachstum des Landes nahezu auf 2,6 Prozent. Die Hauptstadt steht für 41 Prozent der thailändischen Wirtschaftsleistung.

Von Reisen in die Hauptstadt wird abgeraten

Die USA warnten ihre Bürger vor nicht notwendigen Reisen in betroffenen Gebiete im südostasiatischen Land. Das Aussendepartement in Bern hatte den Schweizerinnen und Schweizern in Bangkok geraten, Bangkok vorübergehend zu verlassen.

Die Zahl der Schweizer Staatsangehörigen in Thailand wird auf rund 1000 geschätzt. 200 dürften sich in Bangkok aufhalten.

Nicht betroffen vom Hochwasser sind der internationale Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi sowie Badeferien-Destinationen wie zum Beispiel Koh Samui, Krabi oder Phuket. (sda)

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